Rauchen von

Gefahr Passivrauchen

Wie schädlich ist das Einatmen des Qualms?

Rauchen - Gefahr Passivrauchen © Bild: iStockphoto.com

Ist Passivrauchen bloß lästig oder gar gefährlich? Welches Risiko bringt das permanente Einatmen von Zigarettenrauch - ohne dass man selbst raucht - mit sich? News.at befragte Michael Kunze, Professor für Sozialmedizin an der MedUni Wien.

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"Die gefährlichste Form des Passivrauchens", so Prof. Kunze, "ist das des ungeborenen Kindes. Das Kind wird chronisch Kohlenmonoxid ausgesetzt, badet förmlich in den Schadstoffen, bekommt nicht genügend Sauerstoff und kommt bereits abhängig zur Welt. Das ist so ziemlich das Schlechteste, was einem ungeborenen Kind passieren kann." Die Abhängigkeit des Babys macht sich darin bemerkbar, dass es meist unruhiger ist und häufiger schreit. Zwar führt Rauchen in der Schwangerschaft nicht zu Missbildungen, dafür aber zu einer erhöhten Zahl an Frühgeburten. Kommt das Kind einer Raucherin dagegen termingerecht zur Welt, ist es meist kleiner und untergewichtig.

Schädlich oder nur lästig?

Die zweitgefährlichste Form des Passivrauchens, so der Experte, besteht bei Säuglingen und Kleinkindern, die in einem Raucherhaushalt aufwachsen. Sie leiden erwiesenermaßen häufiger an Erkrankungen der oberen Atemwege ebenso wie an Mittelohrentzündungen. Im Erwachsenenalter ist Passivrauchen grundsätzlich nicht mit Aktivrauchen zu vergleichen. "Passivrauchen ist für Erwachsene wesentlich ungefährlicher als Aktivrauchen" entwarnt Prof. Kunze. Die Frage lautet aber: Muss es erst krank machen, um zu schaden? Prof. Kunze verneint. So reicht oft auch schon die Geruchsbelästigung, um das Wohlbefinden des Betroffenen enorm zu beeinträchtigen.

Wann schadet Passivrauchen?

Was aber noch lange nicht heißt, dass Passivrauchen prinzipiell ungefährlich ist. Hier spielen zwei Faktoren eine Rolle: Das Ausmaß, in dem man dem Zigarettenrauch ausgesetzt ist, und die gesundheitliche Disposition, soll heißen mögliche Vorbelastung. Einer Person etwa, die an Asthma oder Bronchitis leidet oder deren Herzkranzgefäße bereits beeinträchtigt sind, schadet das Passivrauchen eher als einer gesunden Person, weiß Prof. Kunze. Abgesehen davon ist eine "lange und chronische Exposition" notwendig, um krank zu machen. Ist diese gegeben, kann Passivrauchen aber sogar Lungenkrebs verursachen. Dagegen ist der Weg zum Klo durch ein verrauchtes Lokal, wie heutzutage gern diskutiert, nicht gesundheitsschädlich.

Ist Passivrauchen bei E-Zigaretten gefährlich?

Immer mehr greifen heute zur nach wie vor umstrittenen E-Zigarette. Dazu Prof. Kunze: "Die E-Zigarette ist wesentlich weniger gefährlich als eine normale Zigarette. Das liegt daran, dass kein Tabak verbrannt wird. Was rauskommt, ist im besten Fall nur Wasserdampf." Mangeln würde es aber nach wie vor an genauen Standards, so der Experte. Stattdessen kursieren in Europa zur Zeit über 250 verschiedene Produkte. Die Entwicklung einheitlicher Standards sei aber am Laufen, so Prof. Kunze. Letztlich müsste man die Passivrauchbestimmungen aber auch auf E-Zigaretten anwenden, da man ja nicht wisse, welche Zusatzstoffe der Raucher seinem Produkt beimengt.

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