1.000 kleine Negerlein

Rassistische Begriffe werden aus Kinderbuch-Klassikern eliminiert. Pro und contra.

von Rassismus-Debatte - 1.000 kleine Negerlein © Bild: NEWS/Stögmüller Katharina

Viele Jahre später sorgt Mutters Enkel, mein Erstgeborener, für einen denkwürdigen Diskussionsbeitrag zum Thema Arnold Schwarzenegger. "Schwarzer Arnold-Neger" krakeelte das Kleinkind triumphierend dazwischen. Und wir haben ziemlich gelacht. Gut, so ein Sprach-Hoppala eines Kindes – mein Großer war da noch ganz fuzziklein – kratzt es die Steierische Eiche? Sicher nicht. Aber die Mutter hat es schon ein wenig nachdenklich gestimmt.

Woher, zum Henker, hat das Kind eigentlich den Ausdruck Neger? Das Wort gehört beileibe nicht zum häuslichen Umgangston. Es muss anderswo erworben sein. Dass der Winzling im Kindergarten an geheimen Ku-klux-Clan-Treffen teilnimmt ist auszuschließen. Auch seine Betreuerinnen im sehr alternativen Montessori-Kinderhaus sind mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht tatverdächtig. Als Quelle kommen eigentlich nur jene Klassiker der Kinder-Literatur in Frage, die in unserer Familie seit Generationen kursieren: Pipi Langstrumpf, Jim Knopf & Co.

Dabei habe ich mich stets bemüht, jedes "Neger" beim Vorlesen in einen weniger rassistischen Begriff umzuformulieren. Aufgepasst hab ich wie ein Haftelmacher! Ganz ehrlich: Das Wort Neger mag mir irgendwie nicht über die Lippen kommen. Ich finde es einfach grauslich. Ein Vorbehalt, der bei manchen dieser Werke in schweißtreibende Schwerarbeit ausartet. So inflationär wird er gebraucht. Offenbar alles für den Hugo. Denn kaum weilte ich Brotberufsbedingt außer Landes, haben Ersatz-Vorleser wie Oma möglicherweise nicht dieselbe Vorsicht walten lassen. Und selbst habe ich mich auch oft verplappert, dann ist mir das eine oder andere Negerlein ausgekommen. (Bitte: Wer ist schon abends an den Kinderbetten noch konzentriert wie ein Fluglotse?) Zack ist es passiert, das Kind kennt den inkriminierten Ausdruck.

Ich habe mich übrigens nicht nur auf die private Eliminierung des Pfui-Wortes beschränkt, sondern zusätzlich mit allen meinen Kindern den Ausdruck besprochen, und mich in Erklärungen versucht, warum dieser in den wunderbaren Büchern verwendet wird, wiewohl ihn der liebe Kindesmund besser nicht nachplappern sollte. Was ehrlich gesagt nicht ganz einfach ist und auch schwer nachvollziehbar. Wie aus der jetzigen Debatte ersichtlich, bin ich nicht die Einzige, die sich so mit der Causa herumgefrettet hat.

Neuerdings kommen den Eltern immer mehr Verlage entgegen: Sie streichen rassistisch konnotierte Begriffe aus den Werken der gehobenen Kinderliteratur. Schluss mit der nervigen Zensur Marke Eigenbau beim Vorlesen. Künftige Elterngenerationen können sich gedanklich quasi auf die faule Haut legen, so sie sich neue Ausgaben leisten können und nicht auf vererbte Antiquariatsausgaben zurückgreifen müssen.

Ja, ich verstehe als Kulturredakteurin die Vorbehalte etwa der großen Christine Nöstlinger gegen die von ihr als Zensur bezeichnete Maßnahme. Im Sinne der Verpflichtung zur Werkstreue und dem Respekt gegenüber dem Genius der Autoren ist das zugegeben diskussionswürdig. Als Mutter bin ich dankbar. Denn das eigenhändige Rauspicken altvaterischer, heute als rassistisch empfundener Ausdrücke ist nervenzerrüttend. Als Mensch kann man sich nur freuen. Denn Eines wird in der Debatte von jenen die jetzt Zensur schreien, oft - bewusst oder unbewusst - unterschlagen: Längst wird hierzulande nicht nur Weißen oder in Österreich geborenen Kindern vorgelesen. Sollen nicht auch alle anderen die Klassiker der Kinderliteratur uneingeschränkt lieben lernen dürfen?

Für eine bunte, vielfältige, tolerante Welt, in der Platz für alle Kinder ist - das ist doch die Gesinnung, die gerade die Werke von Astrid Lindgren & Co atmen.

Kommentare

simm1111
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Ich komme da nicht mehr mit, was bedeutet Neger den eigentlich das es ein rassistisches Wort wäre? Hoffentlich muss man nicht demnächst statt Chinesen "Person mit ovalförmigen Augen sagen" oder so was in der Art!!!

Ignaz-Kutschnberger
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hmm ...gute Frage...aber ein China-Land kenne ich...Kennen Sie auch ein Negger-Land?? ...eben!

Ignaz-Kutschnberger
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und das bekannte Lied 10 kleine N. hieß ja im Original 10 kleine Inder!! ...aber die Leute konnten halt leider schon damals kein Englisch...daher vermutlich falsch übersetzt ;-)

Ignaz-Kutschnberger
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Aber wenn Sie wollen, können Sie ja weiterhin zu Äpfel dann Birnen sagen und zu Kraut halt Rüben! :-) ...ich finde es ist höchste Zeit, dass man das nach 100 Jahren mal ändert... Zigeuner sagt man ja laut Hugo Portisch ja heut auch nimmer, sondern Roma und Sinti

Ignaz-Kutschnberger
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sorry ...sollte natürlich Piefke heißen...sonst wissen unsere deutschen Nachbarn womöglich dann nicht, dass sie damit gemeint waren *grins

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