Rassismus-Report 2016 von

Die Hetze im Netz boomt

Anti-Rassismus-Initiative ZARA sammelte mehr als 1.100 rassistische Vorfälle

© Video: APA

Der Hass im Netz boomt. Das zeigt auch der Jahres-Report der Anti-Rassismus-Initiative ZARA, der am Dienstag in einer Pressekonferenz präsentiert wurde. Von den gesamt 1.107 gezählten Fällen bezieht sich fast ein Drittel auf das Internet, der höchste jemals gemessene Wert.

Folgerichtig sprach Claudia Schäfer von ZARA von "zügelloser Online-Hetze", die sich immer stärker breit mache. Als besonders abschreckend schilderte ihre Kollegin Dina Malandi einen Fall, in dem als Reaktion auf den Ertrinkungstod eines jugendlichen Flüchtlings Kommentare wie "Mist(...)hätten alle sein können" gepostet wurden.

Auch die Politik wird in die Pflicht genommen

In die Pflicht nimmt ZARA auch die Politik, die an der negativen Stimmungslage vor allem gegenüber Flüchtlingen und speziell Muslimen ihren Anteil habe. Verwiesen wird im Report etwa auf Aussagen von Team Stronach-Klubobmann Robert Lugar, der Asylwerber mit "Neandertalern" verglichen hatte. Kritisch wird auch angemerkt, dass FPÖ-Politiker nachweisliche Falschmeldungen wie etwa, dass Asylwerber in Spitälern bevorzugt werden, posten würden.

Rassismus-Report 2016
© APA/Margret Schmitt

ZARA will heuer als Reaktion auf das Anschwellen der Fremdenfeindlichkeit im Netz Bewusstsein schärfen. Mit der Initiative "CounterAct" sollen etwa Optionen, wie man sich gegen Hass im Netz wehren kann" dargelegt werden, ebenso Erklärungen zu den wichtigsten Begriffen. Die Broschüre ist kostenlos erhältlich.

Langzeit-Statistik zeigt Handlungsbedarf auf

Wie drängend die Problematik ist, zeigt sich mit einem Blick auf die Langzeit-Statistik der von ZARA dokumentierten Fälle. So waren 2010 nur neun Prozent der angezeigten Fälle dem Bereich Internet zugeordnet. 2016 kletterte der Wert bereits auf 31 Prozent, womit der öffentliche Raum (20 Prozent) auf Platz zwei der Beschwerdeliste verdrängt wurde.

Die Anti-Rassismus-Initiative ist überzeugt, dass durch die "hysterische Stimmungs- und Angstmache", die sich über Online-Communitys verbreitet, auch die Hemmschwelle für Tätlichkeiten sinkt. Verwiesen wird etwa auf Brandanschläge auf Asyleinrichtungen aber auch auf alltägliche Rassismen wie das Verkleben der Tür von ausländischen Mietern oder den Ausschluss eines nach Österreich geflüchteten Buben aus einer Kinder-Fußballmannschaft.

Eine Auswahl der von ZARA aufgezeigten Fälle

Vor allem über soziale Medien werden immer häufiger menschenverachtende Botschaften verbreitet. Ein Beispiel dafür sind die Facebook-Kommentare zu einem Artikel über einen syrischen Jugendlichen, der tot in der Donau aufgefunden wurde: "Spart uns Geld, wenn uns einer weniger auf der Tasche liegt" oder "wer vermisst so was." Ähnlich hasserfüllt sind die Kommentare unter einem Youtube-Video, das einen Suizidversuch eines syrischen Flüchtlings zeigt: "Kann da net mal wer drüber fahren bitte" oder "gleich abknallen."

Auch Politiker nützen laut ZARA soziale Netzwerke um Ablehnung gegen Muslime und Flüchtlinge zu schüren. Auf Twitter teilte der FPÖ-Angeordnete Gerhard Deimek etwa einen Artikel eines rechtsextremen Blogs, der zahlreiche rassistische Hasskommentare enthielt. Deimek kommentierte seinen Post mit den Worten "Sollten alle lesen, die auch in 50 Jahren noch Österreicher sein wollen. Und nicht die Wegbereiter der Araber." Die Grünen erstatteten Anzeige wegen Verhetzung. Das folgende Verfahren wurde "im Zweifel" eingestellt.

Als Folge der Angstmache im Netz kommt es immer wieder zu Angriffen auf Flüchtlingsunterkünfte und muslimische Glaubenseinrichtungen. In Linz und Graz wurden Moscheen Ziel von rassistischen Vandalismusakten. Rechtsradikale Täter befestigten halbe Schweineköpfe an den Türen und beschmierten die Grazer Moschee mit Schweineblut. Im Sommer wurde zudem eine neu errichtete Flüchtlingsunterkunft in Oberösterreich durch Brandstiftung vollkommen zerstört.

Auch im Alltag werden Flüchtlinge und Muslime immer öfter mit Zugangsverboten und Einschränkungen konfrontiert. In zwei niederösterreichischen Bädern dürfen Flüchtlinge das Schwimmbad nur "in Begleitung ihrer Betreuer" betreten. In Tirol ersucht eine Stadtgemeinde ihre Bürger Rücksprache mit dem Wohnungsamt zu halten bevor sie ihre Wohnung "an auswärtige Personen" vermieten. Ein Reisebüro in Wien bucht wiederum nur Reisen für österreichische Staatsbürger und lehnte rumänische Kunden ab.

Kommentare

Superguppy melden

Gäbe es den Anlass und die schlechte Politik nicht, würde sich kein Ärger aufstauen, der sich mit solchen Publikationen Luft macht. Beseitigt die Ursachen, dann gibt es auch keinen Hass. Diese ZARA Gutmenschen schwingen die Keule weiter, ohne zu begreifen, dass sie damit nur noch mehr Ärger verursachen.

higgs70
higgs70 melden

Nein, ,es liegt nur zum Teil im Politischen, es liegt auch in der Struktur der neuen Medien,die nicht, wie man mal gutgläubig hoffte, zu mehr Demokratie und vernünftiger Diskussion führten sondern zum allgemeinen Gefühl nicht mehr verantwortlich gemacht werden zu können. An einer persönlichen Diskussion am Stammtisch z.B würde es keiner wagen ein widerlegtes Argument oder eine eindeutige Falschaussage nach fünf Minuten nochmals zu wiederholen und wieder und wieder, weil es ihn als Idioten outen würde, in Foren ist das kein Problem, notfalls wechselt man den Nick.
Und mittlerweile gibts ja schon Foren, die zu einem Echoraum für Vernagelte geworden sind- wo Narren sind fliegen Narren zu - und das Ziel ist,die eigene Position als allgemeine zu verkaufen.

Naja, das Gröbste und Tätliche wird man wahrscheinlich in den Griff bekommen, mit dem Rest werd ma leben müssen. In einer Welt, in der sich Schriftverkehr mittlerweile in elliptischem Gestammel erschöpft und Meinungen sich auf likes und dislikes reduzieren statt differenziert diskutiert zu werden, ists halt auch gesellschaftsfähig geworden den eigenen Frust und die eigene Dummheit zu unterstreichen und öffentlich zu präsentieren. Ist halt so.

parteilos melden

Tja, aber was ist richtig oder falsch? Wer bestimmt die Regeln?
Wasser predigen und Wein trinken? damit man nicht unangenehm auffällt=?

Beispiel? haben wir eine Mauer oder einen Zaun an der Grenze=?

higgs70
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Naj, gibt ja genug Beispiele wo hasserfüllt und aus Prinzip gelogen wird. Hinterher wirds dann oft korrigiert, aber dann ist es bereits in aller Munde.

Und nein, ums "nicht unangenehm auffallen" gehts nicht, ich bin generell dafür Tacheles zu reden. Denn gerade in besonders widerlichen Fällen helfen mir weder Statistiken noch liebliche moralische Appelle, dann brauchts einen groben Pflock für die Grenzlinie. Und wenn mir wer erzählt Graz werde von einem violetten Drachen am Schloßberg bedroht, sag ich dem auch nicht, dass da was dran sein könnte, sondern, dass er ein fester Trottel ist, so wie ichs auch bei einem Mindestsicherungsempfänger tue, der mir sagt, dass er für Flüchtlinge nichts zahlen will, weil ers sowieso nicht tut.
Edel sei der Mensch,hilfreich und gut, von nett hat auch Goethe nichts gesagt.

parteilos melden

Ich halte es für bedenklich, diese Richtung ist gefährlich. Ich habe Ausländer als Freunde, ihre Foren sind gefüllt mit solchen Posts? Zweierlei Maß?

Zwischen TUN und HANDELN sind Welten, bellende Hunde beißen nicht.... es gibt ja genug dumme Menschen....

Jemanden für seine Meinung bestrafen ist schlichtweg falsch, auch wenn sie noch so dooof ist...

higgs70
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Meinung strafbar machen? Nein, das will ich auch nicht, ich heiß nicht Sobotka, ich erfinde keine Papierterroristen um Stimmung zu machen und um ein Gesinnungsgesetz durchzudrücken.

Es gibt Leute, die sich darüber wundern! Wo bleibt der Menschenverstand????

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