Rassismus schockiert Afrikas WM-Starter:
"Unfassbar, dass so etwas noch möglich ist"

Angolas Team-Manager fordert Schulterschluss

Eigentlich lautet das Motto der Fußball-WM 2006 in Deutschland "Die Welt zu Gast bei Freunden". Doch beim gemeinsamen Auftritt ihres Ausrüsters Puma in Berlin zeigten sich die Kicker von Afrikas WM-Teilnehmern schockiert über das Rassismus-Problem, mit dem das Gastgeberland zu kämpfen hat. "Es ist unfassbar, dass so etwas im 21. Jahrhundert in Europa noch möglich ist", meinte etwa Angolas Stürmer-Star Flavio.

Vor zwei Wochen hatte der ehemalige Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye mit seiner Reisewarnung für Ostdeutschland die seither heftig geführte Rassismus-Diskussion ins Rollen gebracht. "Es gibt kleine und mittlere Städte in Brandenburg und anderswo, wo ich keinem, der eine andere Hautfarbe hat, raten würde, hinzugehen", sagte der ehemalige Diplomat. "Er würde sie möglicherweise lebend nicht mehr verlassen."

"Das ist absolut bedenklich", betonte Anthony Baffoe. "So etwas muss endlich aufhören." Der aktuelle Team-Manager von WM-Neuling Ghana forderte einen Schulterschluss im Kampf gegen Rassismus, zu dem auch Fußballer einen wichtigen Beitrag leisten können: "Eto'o hat den Platz nach rassistischen Schmährufen verlassen, Zoro (Messina-Verteidiger von der Elfenbeinküste, Anm.) hat den Platz aus demselben Grund verlassen. Wenn die Mitspieler auch 'mal den Platz mitverlassen, dann würde man ein Signal setzen. Nur so kann es gehen", glaubt Baffoe.

"Wir dürfen uns so etwas nicht mehr weiter gefallen lassen. Es ist sehr, sehr wichtig, dass man dagegen geschlossen auftritt, denn nicht nur wir Schwarze können etwas für Schwarze machen. Die Österreicher, die Deutschen, die Italiener und die Spanier müssen auch was dafür tun. Di Canio (Lazio-Kapitän, Anm.) macht den römischen Gruß, kriegt dafür nur eine Geldstrafe, spielt eine Woche später wieder und hat mit der Prämie, die er für dieses Match kriegt, die Strafe wieder herinnen. Wo ist da die Sanktion? Das versteh' nicht!"

Trotz der jüngsten bedenklichen Entwicklungen - Neonazis kündigten etwa an, dass sie die iranische Nationalmannschaft bei der WM wegen der antisemitischen Äußerungen von Irans Präsident Mahmoud Ahmadinejad anfeuern werden - hofft Flavio, dass die WM von Rassisten und Neonazis nicht als Plattform genutzt werden kann. "Denn das wäre ein schwerer Schlag für dieses Ereignis", sagte der 26-jährige Angreifer, der vor allem Bedenken im Hinblick auf das letzte Gruppenspiel von Angola am 21. Juni in Leipzig gegen Iran äußerte.

Eto'o, der in der spanischen Meisterschaft schon mehrmals mit Rassismus konfrontiert wurde, ist "sehr traurig, dass es noch immer solch fremdenfeindliche Tendenzen in Europa gibt. Das regt mich auf." Togos Außenverteidiger Jean-Paul Abalo stimmte dem 25-jährigen "Barca"-Superstar zu: "Das ist schockierend!"

(apa/red)