Rapid Wien von

Der planlose Verein

Das Budget ist explodiert, die Transfers liefen gut. Trotzdem geht nichts weiter.

Präsident Rudolf Edlinger und Manager Werner Kuhn von Rapid © Bild: GEPA pictures/Oberlaender

Rapid versinkt im Chaos, die Fans fordern die Köpfe ungefähr aller im Verein Engagierten. Und was kann man wirklich über die Leistung des Managements sagen? Seit dem letzten Meistertitel der Hütteldorfer in der Saison 2007/2008 hat kein Bundesliga-Verein so viel Geld aus seinen Transfers eingenommen oder eine vergleichbare Budget-Explosion erlebt.* Bei den Zuschauerzahlen kann Rapid sowieso kein Bundesliga-Club das Wasser reichen – auch wenn diese zuletzt gesunken sind. Selbst Red Bull Salzburg kann nur bei der absoluten Höhe des Budgets mithalten. Angesichts dessen bleibt in Wien Hütteldorf erstaunlich wenig Zählbares über. Zuletzt musste sogar ein herbes finanzielles Minus verdaut werden.

Dabei hat Rapid seit dem letzten Titel über 18 Millionen Euro durch Spielerverkäufe lukriert und im gleichen Zeitraum nur knapp über 4 Millionen ausgegeben. Das Budget hat sich von 12 auf 20 Millionen fast verdoppelt. Dafür gab’s in der heimischen Bundesliga die Plätze 2, 3, 5 und 2. Zum Vergleich: Sturm Graz hat im gleichen Zeitraum 4,5 Millionen für Transfers ausgegeben, dabei ein zartes Plus verzeichnet und einen Meistertitel geholt. Dass Salzburg ein Transferminus von fast 30 Millionen erwirtschaftet hat, sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Über die dortige Geldvernichtung sollte man sowieso besser nicht nachdenken.

Angesichts des Erzkonkurrenten Austria sollten im Hütteldorfer Management längst die Alarmglocken schrillen. Denn in Favoriten bäckt man seit Jahren unaufgeregte, aber mittlerweile höchst erfolgreiche Brötchen. Ein Transferplus von etwa sieben Millionen Euro steht zu Buche, das Budget ist lediglich um eine überschaubare Million gewachsen und heuer winkt ein überlegener Meistertitel.

Neidischer Blick zur Austria
Überhaupt ist die Wiener Austria in einer Zukunft angekommen, die für Rapid in weiter Ferne liegt. Das Stadion wird Stück für Stück ausgebaut – was übrigens viel sinnvoller ist, als die Stronach-Schnapsidee der Arena in Rothneusiedl – und hat einen Sponsor. Nicht zuletzt durch die Gründung der Aktiengesellschaft für den Profibetrieb wurden am Verteilerkreis die Weichen für die Zukunft schon 2008 gestellt.

Entscheidungen, die in Hütteldorf längst überfällig sind. Der Verein hat ein gewaltiges Potenzial. Angezapft wird das aber kaum. Und das ist der vermutlich größte Fehler im Management. Insofern ist die Fan-Kritik nicht ganz falsch. Aber auch nicht ganz richtig. Der Verein wird nicht unbedingt schlecht geführt. Aber eben eher wie ein Sportverein, als ein Wirtschaftsunternehmen. Das wird in Zukunft übrigens noch viel mehr weh tun, als in der aktuellen Pleitensaison.

Fehler in der Personalpolitik
Die weitere Entwicklung der Ex-Austrianer spricht gegen die Personalpolitik von Rapid. Denn von den "Veilchen" gelang mit Dragovic, Baumgartlinger oder Junuzovic gleich mehreren Kicker der Sprung zu tragenden Rollen in namhaften Ligen. Aus Hütteldorf gelang dies bestenfalls Nikica Jelavic. Der große Rest dümpelt zwischen Ersatzbank und Spielfeld herum – und das oft noch dazu nur in einer zweiten Liga. Man muss dabei nur an untergegangene Kicker wie etwa Jimmy Hoffer oder Ümit Korkmaz denken.

Selbst in Österreich bietet sich ein ähnliches Bild. Florian Klein darf in Salzburg regelmäßig spielen, Franz Schiemer ist sogar eine der Stützen der "Bullen", Michael Liendl beim WAC sowieso. Die Austria konnte aber all diese Abgänge kompensieren. Bei Rapid ist das seit 2008 nicht wirklich gelungen, kaum Stützen, die adäquat ersetzt wurden. Die stärksten Rapidler sind momentan die, die in Hütteldorf nicht mehr erwünscht waren. Christian Thonhofer spielt beim Sensationsaufsteiger in Kärnten stark, Rene Gartler haucht der SV Ried neues Leben ein.

Zuschauerzahlen sinken
Selbst bei den Zuschauerzahlen kann Rapid nicht ganz zufrieden sein. Im Vergleich zur Meistersaison kommen in der laufenden Spielzeit zwar nur unwesentlich weniger Fans ins Stadion, aber im Vergleich zum Vorjahr hat Rapid im Schnitt über 2.000 Zuschauer verloren. Beim Erzrivalen kommen zwar insgesamt deutlich weniger Fans, seit 2007/2008 wurde der Schnitt aber um über 2.000 zahlende Zuschauer gesteigert.

*Alle Zahlen laut transfermarkt.at

Kommentare

Mit so einem Präsidenten wie Edlinger , der nicht wirtschaften kann,was er als Finanzminister schon bewiesen hat ,kann es nur abwärts gehen. Also so schnell wie möglich ab mit solchen Flaschen , aber sofort.

Hugo-Boatwisch melden

Die billigste und kurzsichtigste Lösung wäre es, den Trainer zu feuern! Wenn das Budget explodiert sollte man den Schulte wieder in die Piefkei schicken - den braucht wohl keiner bei Rapid.
Sagt mir eine Spitzenmannschaft, die nicht ab und zu solch eine Durststrecke durchgemacht hat.

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......der Fisch beginnt beim Kopf zu stinken

..und das hat alles der arme Trainer zu verantworten?......oder doch der Edlinger?
.....denn: "wer ist hier der Boss".....aber der ist es ja aus der Politik gewohnt, dass er keine Verantwortung zu tragen hat.

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