Rapid und Austria im Fußballtief: Bringt das Derby die Wende oder noch mehr Tränen?

NEWS: Pacult und Zellhofer über die Wiener Krise PLUS: Alle Derby-Infos - Umfrage, Statistiken & Co

Rapid und Austria im Fußballtief: Bringt das Derby die Wende oder noch mehr Tränen?

Gemeinsam haben sie in den bisherigen 14 Runden sechs Siege eingefahren - genauso viele wie die "Fußballdörfer" Pasching, Mattersburg oder Aufsteiger Altach jeweils im Alleingang geschafft haben. 16 Punkte trennen Titelverteidiger Austria (Platz 7) inzwischen von Tabellenführer Salzburg, 17 Punkte fehlen Rapid (Platz 9) auf die "Roten Bullen". Der Wiener Fußball liegt vor dem 278. Stadtderby am Sonntag (ab 15.30 Uhr LIVE auf networld.at!), endgültig am Boden.

Bei einer Niederlage droht sowohl den Grün-Weißen als auch den Violetten die "rote Laterne" in der Zehnerliga. Das gab's in der glorreichen Geschichte der Traditionsklubs noch nie. Das frühere "Gipfeltreffen" ist zum "Kellerderby" geschrumpft.

Die Hütteldorfer hatten schon vor zwei Monaten die Notbremse gezogen und nach sieben Runden Peter Pacult als neuen Trainer geholt. Bei den Veilchen war's vor einer Woche so weit: Nach zwei Schlappen gegen die belgischen Halbamateure von Waregem im Uefa-Cup und gegen die Salzburger Millionärstruppe in der Meisterschaft wurde das Duo Peter Stöger / Frenkie Schinkels beurlaubt - und ausgerechnet der bei Rapid wegen anhaltender Erfolglosigkeit vor die Tür gesetzte Georg Zellhofer als neuer Austria-Trainer verpflichtet.

Zwei Fußball-Lehrer unter Erfolgsdruck
Was dem anstehenden Derby im ausverkauften Hanappi-Stadion natürlich zusätzliche Brisanz gibt. Wobei der 46-jährige Zellhofer bei seinem Erstauftritt in Violett am vergangenen Samstag mit einem überzeugenden 4:1-Sieg über Tirol den schärfsten Kritikern seines Engagements vorerst den Wind aus den Segeln nehmen konnte. Wogegen Pacult am selben Tag, ausgerechnet an seinem 47. Geburtstag, von seiner müden Mannschaft bei Aufsteiger Altach mit einer 1:3-Niederlage "beschenkt" wurde.

Für NEWS setzten sich die beiden schwer unter Druck stehenden Trainer an einen Tisch, um über die sportliche Talfahrt der Wiener Großklubs zu reden. Zellhofer: "Mit der Drei-Punkte-Regel kann's bei einer Niederlage gegen Rapid schnell wieder ganz nach unten gehen. Für uns sind die kommenden Spiele Abstiegskampf pur".

Dass bei Rapid schon länger irgendwie der Wurm drinnen ist, daran konnte auch Pacult bisher nichts ändern. Er hat wie der vor ihm schon in Hütteldorf gescheiterte Zellhofer in sieben Spielen gerade einmal sieben Punkte eingefahren. Viel zu wenig für die Ansprüche des österreichischen Rekordmeisters, mit dem es seit dem Meistertitel 2005 und der darauf folgenden erfolgreichen Qualifikation für die Champions League steil bergab geht.

Die Legenden-Schelte
Dementsprechend vernichtend fällt das Urteil der grün-weißen und violetten Legenden von Andi Herzog bis Michael Konsel und von Toni Polster bis Franz Wohlfahrt über die aktuellen Leistungen ihrer Nachfolger aus. Von "fehlendem Rapid-Geist" ist da die Rede genauso wie von den Kapriolen, die Noch-"Big Spender" Frank Stronach seit Jahren bei den Violetten schlägt.

Ein "in aller Feindschaft" geteiltes 0:0 wie beim ersten Wiener Derby dieser Saison am 12. August wäre für Rapid wie für die Austria diesmal sicher zu wenig. Dem Verlierer droht der Totalabsturz.

Trainer-Duell
Peter Pacult und Georg Zellhofer über das Fußballtief in Wien.

NEWS: Rapid gegen Austria als Kellerderby - wie gehen Sie mit dieser Situation um?

Zellhofer: Gegen Tirol haben wir uns zwar etwas Luft verschafft, aber die Austria ist noch lange nicht überm Berg oder dort, wo sie nach ihren Ansprüchen hingehört. Mit der Drei-Punkte-Regel kann's bei einer Niederlage schnell wieder nach ganz unten gehen. Ich bin kein negativer Mensch, aber ich versuche meiner Mannschaft beizubringen, dass sie die Realität erkennt. Wenn du einmal auf den letzten Platz abgerutscht bist, dann bedeuten die nächsten Spiele Abstiegskampf pur.

Pacult: Mir ist wichtig, dass meine Spieler wieder den unbedingten Siegeswillen zeigen. Unser Ist-Zustand ist nicht erfreulich, und wir müssen schauen, dass wir von da unten so schnell wie möglich herauskommen. Das Wort Abstieg will ich gar nicht in den Mund nehmen, obwohl ich genau weiß, was im Fußball alles passieren kann. Auch wenn wir das Derby gewinnen, dauert die Meisterschaft noch sehr lang. Abgerechnet wird allerdings erst nach 36 Runden. Ein Derby-Sieg könnte vielleicht den Knoten lösen.

NEWS: Warum müssen sich beide Wiener Großklubs heute von Dorfvereinen wie Pasching, Mattersburg oder Altach vorführen lassen?

Pacult: Ich mache mir mehr Gedanken darüber, warum ausgerechnet die letzten drei Meistermannschaften solche Probleme bekommen haben, warum der GAK momentan keine Rolle in der Liga spielt, warum die Austria ins Hintertreffen geraten ist oder warum es auch bei Rapid nach Titel und Champions League nicht gelaufen ist. Eine Erklärung dafür habe ich bis heute nicht.

NEWS: Wie reagiert man als Trainer auf solche Krisensituationen?

Pacult: Dafür gibt's keine Patentrezepte. Natürlich ist in erster Linie der Trainer gefordert. In Deutschland habe ich aber zum Beispiel oft erlebt, dass der Trainer in bestimmten Situationen sogar außen vor bleibt, dass auch das Präsidium oder der Manager die Mannschaft einmal in die Pflicht nimmt.

Zellhofer: Im Fußball sind immer Menschen am Werk, die nicht einfach auf Knopfdruck funktionieren. Das gilt vor allem für unsere jungen Spieler.

Pacult: Uns fehlen heute sicher auch die Typen. Der Kühbauer hat als 17-Jähriger bei einem seiner ersten Liga-Spiele den Hörtnagel ang'spuckt. Der Happel hat daraufhin gemeint, der wird ein Guter. Mir sind meine Spieler oft viel zu brav. Wenn einer ein Foul macht, geht er hin und entschuldigt sich noch 17-mal. Auch eine gewisse Schlitzohrigkeit gehört zum Fußball. Aber die lernst du in keiner Akademie, nur auf der Straße.

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