Grosse Schwester von

Ihr Leben nach Facebook

Grosse Schwester - Ihr Leben nach Facebook © Bild: 2016 NBCUniversal Media, LLC/Getty Images

Das Herzblut, das Randi Zuckerberg sechs Jahre lang als Marketingprofi in die Firma ihres Bruders Mark investiert hat, widmet sie jetzt ihren persönlichen Lieblingsprojekten

Diese Frau hat viele Jobs, wobei man familienintern die Bezeichnung "Leidenschaften" vorzieht: Gründerin und CEO der Produktionsfirma Zuckerberg Media; wöchentlicher Host einer Sendeschiene auf Sirius XM Radio, die Technologie und Lifestyle verbindet; Autorin des Bestsellers "Dot Complicated" und des Kinderbuches "Dot". Außerdem ist sie Teil der TV-Show "Quit Your Day Job", und wenn es Zeit und Laune zulassen, ist Randi Zuckerberg zudem als TV-Produzentin diverser Formate für CNBC und NBC's " Today" tätig. Nach sechs harten Jahren im Marketingteam bei Facebook Inc. schupft sie diese Agenden vermutlich im Schlaf. Wobei, Schlaf? Den bekommt die 35-Jährige selten ausreichend, schließlich hat sie zwei kleine Söhne namens Asher und Simcha. Da Frau Zuckerberg, verheiratet mit ihrer Harvard-College-Liebe Brent Tworetzky, beruflich auf New Yorks Upper West Side herumhetzt, um in der Liste der "50 Digital Power Players" weiterhin gut vertreten zu bleiben, stehen Familienbelange naturgemäß auf der Prioritätenliste nicht immer weit oben. Dabei hatte es Mutter Karen ihr ganz anders vermittelt.

Passionierte Hochleistungsfamilie

Das sind die Eltern der Zuckerberg-Sprösslinge: Karen und Edward Zuckerberg, sie Psychiaterin, er Zahnarzt mit dem Spitznamen "Painless Dr. Z". Obwohl das Vermögen in der Familie groß genug wäre, um sich vom Arbeitsleben vollends zu absentieren, blieben die Senioren beruflich aktiv. Hart arbeiten, aber es soll Freude machen -das war das Credo im Clan. "Man muss Kinder dazu ermutigen, ihre Leidenschaften zu verfolgen", predigte der passionierte Dentist wieder und wieder.

Randi Zuckerberg erinnert sich, dass Mama Karen 13 Jahre lang täglich handgeschriebene Zettelchen zwischen Saft und Sandwich in ihre Lunchbox geschummelt habe. Darauf standen inspirierende Worte oder gute Wünsche für eine wichtige Prüfung. "Ihre Affirmationen machten mir Mut. Ich habe mich selbstsicher gefühlt, fast unbesiegbar. Jetzt bekommt mein sechsjähriger Sohn solche Notizen in sein Lunchpaket gesteckt, manchmal auch mein Mann, wenn er geschäftlich verreisen muss", sagt Randi Zuckerberg. Kleine Mittel, große Wirkung.

»Ich bin ein introvertierter Mensch, der für seine Karriere gern auf pseudoextrovertiert macht«

Die erfolgreiche Medienjongleuse und technophile Hauptrednerin auf diversen digitalen Großevents überrascht mit einer weiteren Offenbarung: Im Grunde sei sie ein introvertierter Mensch. "Lange Zeit habe ich damit gehadert. Denn an Tagen, an denen ich eine Rede halte oder namhafte Entrepreneure treffe, bin ich jemand, der für seine Karriere auf pseudoextrovertiert macht", so die Unternehmerin. Erst das Buch "Me, Myself, and Us" von Brian Little habe sie Entscheidendes gelehrt: an Tagen, die von Medienterminen beherrscht werden, Zeitfenster für sich allein freizuhalten, "um runterzukommen und nicht auszubrennen, denn ein introvertierter Mensch verfügt nicht über dieselbe soziale Energie wie eine extrovertiert veranlagte Person".

Aufmagaziniert mit den Motivationstricks der Mutter und den konstruktiven Karrierekniffen von Doktor Little, rackerte sie sechs Jahre lang für ihren zwei Jahre jüngeren Bruder Mark, den Facebook-Gründer. Sie war das Gesicht des sozialen Netzwerkes, denn der eher öffentlichkeitsscheue, hemdsärmelige Bruder zog ein Leben im Hintergrund vor. Nach einiger Zeit wurde der unterschiedliche Zugang der Geschwister zur wachsenden Onlineplattform sichtbar. Bis Randi anno 2011 den arbeitsintensiven Marketingjob in Kalifornien verließ und abdampfte, zurück an die Ostküste nach New York -ungeachtet des Einflusses und der Vergünstigungen, die der Job beim kleinen Bruder bot.

Vollbremsung folgt Vollgas

Randi Zuckerberg betont offen: "Alles hat seinen Preis. Ich befand mich in einem Umfeld, in dem kreative Leidenschaft zu kurz kam." Keine besonders leise Kritik am Unternehmen und der Auffassung von Produktivität ihres Bruders Mark. Ungeschönt berichtet sie über die Rituale ihrer ehemaligen Arbeitskollegen im Silicon Valley. Was die Leute wach und an ihren Schreibtischen gehalten hat: Getränke, die Mahlzeiten ersetzen, und das leistungssteigernde Medikament Ritalin. Nicht selten sei LSD über die Tische gewandert. Schließlich führe eine höhere Produktivität zu besseren Karrieremöglichkeiten und mehr Barem am Ende des Monats. "Wer nicht rund um die Uhr wie am Schreibtisch festgetackert und extrem fokussiert für das Unternehmen arbeitet und sich rücksichtslos für dessen Erfolg engagiert, wurde als unprofessionell betrachtet", gewährt Zuckerberg einen kleinen Einblick.

Kehrtwende für die Kinder

Einen Lifestyle, den Randi nach Jahren der All-in-Ausbeutung nicht mehr leben wollte. Als sie kreativere Ansätze verfolgte, wurde ihr von einigen Kollegen "fehlende Ernsthaftigkeit" vorgeworfen. Jetzt vierteilt sich Zuckerberg täglich für ihre eigene Firma, allerdings mit in ihrer Wahrnehmung originelleren, vielseitigeren Projekten. "Ich starte meinen Tag mit einem etwas schrägen Mantra. Es besagt ,Arbeit, Schlaf, Fitness, Familie, Freunde - wähle drei davon'. Es lastet nämlich ein enormer Druck auf Frauen, täglich alles perfekt zu absolvieren. Ich erlaube es mir, jeden Tag drei Dinge davon wirklich gut zu machen. Es können drei andere am nächsten Tag sein -solange sich alle Bereiche auf lange Sicht ausbalancieren." Miss Yoda hat gesprochen. Dann bleibt nur noch eine Sache, an der die geschäftige Tech-Expertin feilen sollte: Ihren Tag beende sie gewöhnlich im Bett am Laptop, auf Social Media und am Telefon. "Alles zur gleichen Zeit." Diese Gewohnheiten bleiben zu lassen, sei "work in progress". Die Work-Life- Balance ist eben die schwierigste Aufgabe auf ihrer To-do-Listen-App.