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Ramadan, bitte warten!

Fastenmonat fällt fast komplett in die Euro-Zeit - wie lässt sich das vereinbaren?

Peter Pelinka © Bild: NEWS

Diese Woche hat für die 1,6 Milliarden Moslems weltweit der Ramadan begonnen. Der für die Gläubigen besonders wichtige Fastenmonat ist mit der einst von vielen Christen ähnlich ernst genommenen Fastenzeit ab Aschermittwoch vergleichbar. Von den 600.000 Muslimen in Österreich werden etwa vier Fünftel die strengen Gebote einhalten, wonach zwischen Sonnenauf- und -untergang nichts gegessen, getrunken, geraucht werden darf; Sex ist sowieso tabu. Heuer fällt der Ramadan fast komplett in die Euro-Zeit.

Wie geht damit die gar nicht so kleine Zahl muslimischer Spitzenfußballer um? Einer ihrer bekanntesten Vertreter bei der Europameisterschaft hat vorgesorgt: Mesut Özil, türkischstämmiger deutscher Starspieler, ließ sich vor zwei Wochen in Pilgerkleidung vor dem islamischen Heiligtum in Mekka ablichten. Wohl auch, um Glaubensbrüder zu besänftigen, die ihm sein "Geständnis" übel genommen haben könnten, er werde sich während der Euro nicht an das Fastengebot halten können: "Das Wetter ist im Sommer zu warm. Da ist es für mich unmöglich, zu fasten." Differenzierter äußerte sich Franck Ribéry, 2002 zum Islam konvertiert, der zwar nicht mehr in Frankreichs Nationalteam spielt, aber noch immer Star von Bayern München ist: "An freien Tagen faste ich. Wenn ich spiele, dann nicht." Dabei ist Ribéry sehr fromm: Nach einer Meisterfeier warf er Mitspieler Boateng vor, ihn mit Bier übergossen und damit sein Fastengebot verletzt zu haben. Was dieser wenig glaubwürdig dementierte: "Wir feiern nur mit alkoholfreiem Bier." Weniger zum Schmunzeln ist eine Story von Ex-Austria-Wien-Star Nacer Barazite: Der Niederländer marokkanischer Abstammung, inzwischen in Utrecht aktiv, weigerte sich kürzlich, einer Reporterin nach dem Interview die Hand zu geben.

Im Ramadan berufen sich viele Sportler auf eine Ausnahmeklausel: Sie seien Arbeitnehmer mit höchsten körperlichen Anforderungen und damit ähnlich wie Schwangere oder Kranke befreit. Außerdem könnten sie ihre Fastenzeit ja außerhalb des Ramadan nachholen. Da haben die anderen Moslems eines ihrer größten Feste, die drei Tage des Fastenbrechens, schon hinter sich.

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