Rail Cargo wird den Sparstift ansetzen:
ÖBB-Tochter muss 150 Mio. € Kosten kürzen

Frachtvolumen ging im 1. Quartal um Fünftel zurück Personal mit Verzicht auf Nachbesetzungen reduziert

Rail Cargo wird den Sparstift ansetzen:
ÖBB-Tochter muss 150 Mio. € Kosten kürzen © Bild: ÖBB

Auch an der Rail Cargo Austria (RCA), Güterverkehrstochter der BB, geht die Krise nicht spurlos verbei. Im ersten Quartal ist das Frachtvolumen um rund ein Fünftel zurückgegangen und es wird nicht mehr ausgeschlossen, dass das der Rückgang im Gesamtjahr stärker ausfällt, als die bisher prognostizierten -15 Prozent. Der Aufsichtsrat habe daher vor zwei Wochen ein 150 Mio. Euro schweres Sparpaket abgesegnet, sagte Rail-Cargo-Vorstandschef Friedrich Macher. Dass die Gütertochter zu spät mit dem Sparen begonnen habe, wie das interne Kritiker behaupten, bezeichnet er als "absoluten Bullshit". Bereits seit Oktober werde gegengesteuert.

Nur so sei es gelungen, das operative Ergebnis 2008 - ohne Einmaleffekte - trotz der Rückgänge im Frachtgeschäft im letzten Quartal auf Vorjahresniveau zu halten, sagte Macher. 2007 hatte die Rail Cargo ein Betriebsergebnis (EBIT) von 24,67 Mio. Euro erwirtschaftet. Unter Einrechnung der bilanztechnisch notwendigen Sonderabschreibungen sackte das EBIT 2008 allerdings auf minus 40 Mio. Euro ab, das Vorsteuerergebnis drehte sogar von 13,4 Mio. Euro (2007) auf minus 301,78 Mio. Euro.

Im ersten Quartal 2009 habe sich das Ergebnis zum Vergleichszeitraum verschlechtert, räumt der Rail-Cargo-Chef ein. Grund dafür sei nicht zuletzt, dass die Kostensenkungen erst zu wirken begannen.

Erfolge untergegangen
Er bedauere, dass die "strategischen Erfolge" im Güterverkehr in der Aufregung um die ÖBB-Bilanzverluste untergegangen seien, sagte Macher. Die Rail Cargo sei durch die Übernahme der MAV Cargo Marktführer in Osteuropa und auf dem Weg zur mengenmäßigen Nummer 2 im europäischen Güterverkehrsmarkt, hinter der französischen Bahn.

Am stärksten, konkret um 70 bis 80 Mio. Euro, sollen laut Macher die variablen Kosten wie die Ausgaben für Verschub, Traktion oder Energie sinken, einerseits wegen des geringeren Geschäftsvolumen, andererseits etwa durch bessere Zugplanung.

Der Personalstand soll durch den großräumigen Verzicht auf Nachbesetzungen auch heuer "um einige Hundert" verringert werden, sagte Macher. Auch eine weitere Verschiebung von Mitarbeitern in den Infrastrukturbereich, wo sie dringend gebraucht werden, sei denkbar. 2008 beschäftigte die Güterverkehrssparte der ÖBB im Schnitt 9.989 Mitarbeiter, um 130 weniger als im Jahr davor, die MAV Cargo hatte stabil 3.845 Beschäftigte.
(apa/red)