Rätselraten im Mordfall Deubler: Fünf ungerauchte Zigaretten werfen Fragen auf

Kein Foto von Auffindung des Packerls am Tatort

Im Salzburger Mordfall Deubler stand die am Tatort aufgefundene Zigarettenpackung "Lucky Strike" abermals im Rampenlicht des fortgesetzten Schwurprozesses. Der forensische Molekularbiologe Franz Neuhuber erläuterte das Gutachtenergebnis, wonach das DNA-Profil "zweifelsfrei" mit dem zweitangeklagten Daniel N. übereinstimme. Nicht beantworten konnten pensionierte Kriminalisten im Zeugenstand, woher die fünf ungerauchten Zigaretten stammen.

Im Text der Tatortmappe der kriminaltechnischen Untersuchungsanstalt steht, dass die Zigarettenschachtel bei der Auffindung am Tatort kurz nach dem Mord an der Salzburger Taxilenkerin Claudia Deubler im Juli 1993 leer war. In der untersuchten Packung, an deren innerer Kante vorige Woche der erste DNA-Beweis festgestellt wurde, "befanden sich aber fünf ungerauchte Zigaretten", erklärte die Vorsitzende Richterin Bettina Maxones-Kurkowski.

Warum das so ist, konnte der damalige Sachbearbeiter der KTU nicht erklären. "Normal schau ich rein, was drinnen ist, mache ein Foto und sichere das Beweisstück im Kunststoffsackerl."

Welcher Exekutivbeamter die Zigarettenpackung zur KTU gebracht hatte und warum kein Foto vom Auffindungsort gemacht bzw. der Tatortmappe beigelegt wurde, konnte auch der ehemalige Leiter der KTU nicht beantworten. "Um die 200 Fotos wurden vom Tatort und der Obduktion gemacht, aber kein Foto ist von der Lucky Strike darunter", schüttelte die Vorsitzende den Kopf.

Was passierte mit der Packung?
Irgendwann wurde doch ein Negativ von der bereits verschweißten Schachtel angefertigt, laut dem pensionierten KTU-Chef vermutlich kurz vor der Übergabe der Packung am 21. Juni 1999 an den Untersuchungsrichter.

Zuvor lag das Beweisstück in einem Karton in der KTU. Anfragen von "irgendwelchen Personen", welche die Packung ansehen wollten, seien ihm nicht bekannt, so der ehemalige Sachbearbeiter. "Daniel N. war nicht hier." Privatbeteiligtenvertreter Franz Mahr legte ein entwickeltes Foto vor, darauf ist die Schachtel geschlossen und nicht deformiert. Jetzt ist sie "plattgedrückt und an einer Kante offen", erläuterte Neuhuber.

In dem Geschworenenprozess ist Daniel N. (29) wegen Beitrages zum schweren Raub, Tomi S. (30) wegen schweren Raubes und Mordes an Claudia Deubler in der Nacht auf 6. Juli 1993 in Wals-Käferheim (Flachgau) angeklagt. Wenige Tage nach dem Mord war der Gmundner Peter Heidegger verhaftet worden. Er legte mehrere Geständnisse ab, widerrief diese aber kurz darauf und beteuerte dann stets seine Schuldlosigkeit. Dennoch wurde er 1994 zu 20 Jahren Haft verurteilt, 2003 schließlich wegen erwiesener Schuldlosigkeit im zweiten Prozess rechtskräftig freigesprochen. Er erhielt 950.000 Euro Schadenersatz.

(apa/red)