Radeln in Wien von

Experten-Absage für Kennzeichen

Bei einem NEWS.AT-Rundruf zeigt sich allgemeine Ablehnung für die Idee

Radeln in Wien - Experten-Absage für Kennzeichen © Bild: istockphoto

Nummerntafeln für Fahrräder seien eine "interessante Idee, die man nicht so schnell verwerfen sollte". Das ließ der Wiener Bürgermeister vergangene Woche verlauten. Bei den Freiheitlichen, die das seit Jahr und Tag im Kampf gegen die "Radrambos" (O-Ton Verkehrssprecher Mahdalik) fordern, fiel dieser Vorstoß auf fruchtbaren Boden, beim Grünen Koalitionspartner eher nicht. Doch was sagen eigentlich Verkehrsexperten zu dem Thema? NEWS.AT hat sich umgehört und ist dabei auf eine Front der Ablehnung gestoßen.

Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) lehnt jeglichen zusätzlichen Hürden für Fortbewegung aus Muskelkraft ab. Ohnehin könnten Konflikte zwischen Fußgängern und Radfahrern nicht auf diese Weise gelöst werden. Diese entstünden aus Platzmangel und dementsprechend brauche es "Infrastrukturmaßnahmen und ein klares Bekenntnis der Politik zum Fahrradfahren", so VCÖ-Sprecherin Heike Hochhauser. Sowieso sei es nicht nachvollziehbar, warum von Seiten des Bürgermeisters auf dieses Thema plötzlich eingegangen wird und der VCÖ geht auch nicht davon aus, dass die Nummerntafel-Pflicht kommen wird.

Überregulierung
Auch beim Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) ist man nicht begeistert über Häupls Gedankenspiel. "Es ist wichtig, dass Fahrradfahren unkompliziert und kostengünstig bleibt. Anstatt einer Überregulierung sollte ein vernünftiges Miteinander aller Verkehrsteilnehmer angestrebt werden", sagt Armin Kaltenegger, Bereichsleiter für Recht und Normen beim KFV.

"Unadministrierbar"
Speziell der enorme Verwaltungsaufwand und die dadurch entstehenden Kosten sprechen für alle Befragten gegen die Fahrrad-Nummerntafeln. Andrzej Felczak von der Fahrradlobby ARGUS hält die Einführung von Kennzeichen für Fahrräder für "unadministrierbar". "Man bräuchte für jedes Fahrrad einen Zulassungsschein und jeder Lenker bräuchte einen Führerschein, um Lenkererhebungen durchführen zu können." Außerdem stellt sich für Felczak die Frage, wie man mit Citybikes oder Fahrrad-Touristen umgehen würde.

Populistischer Vorstoß
Alec Hager von der IG Fahrrad zeigt sich sehr verwundert, dass Häupl mit einem derartig populistischen Vorstoß aufhorchen lässt. So eine Maßnahme wäre überhaupt nicht sinnvoll, ein riesiger Verwaltungsaufwand und auch die Niederschwelligkeit des Zugangs zum Fahrradfahren würde unter einer Nummerntafel-Pflicht leiden. In dieses Horn stößt auch Felczak. Fahrradfahren sei sanfte und damit wünschenswerte Mobilität, verpflichtende Kennzeichen für Räder würden diese aber stark behindern.

Mehr Bewusstseinsbildung
Zu guter Letzt ist auch Martin Blum, Fahrradbeauftragter der Stadt Wien, gegen die Nummerntafel-Pflicht, denn: "Würden Kennzeichen helfen, das Verhalten im Straßenverkehr positiv zu beeinflussen, gäbe es auch im Autoverkehr keine Verstöße". Blum wäre vielmehr daran gelegen, die Wogen dieser emotionalen Debatte zu glätten und zu einem friedlichen Miteinander zu finden. Auch Felczak spricht sich für mehr Bewusstseinsbildung aus und nennt die "Tschuldigen"-Kampagne der Stadt Wien als positives Beispiel. Er könnte sich auch mehr Fahrradpolizisten vorstellen, diese hätten "eine beruhigende Wirkung".

Einzig Martin Blum konnte Häupls Vorstoß etwas Positives abgewinnen. Zumindest liege das Thema jetzt am Tisch und könne offen diskutiert werden.

Kommentare

RobOtter

Sehr interessante Taktik... ....da das Parkpickerlthema zu heiß wurde, lenkt am einfach auf ein anderes heißes Thema. Dass damit die Kluft zwischen Radfahrer und Autofahrer nicht geringer wird, da das Thema in Wirklichkeit gar nicht angegriffen wird sollte dem Rathausmichl aber auch bewusst sein.

war ja nichts anderes zu erwarten wir autofahrer dürfen blechen,und diese vollidioten haben alle rechte auf der strasse.

Was der Alki sagt und die Kuh sch..... ...ist alles das SELBE - nämlich DRECK!!!!

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Fahrrad Wann werden die Grünen & div. Radfahrerclubs beschliessen alle Radler unter Denkmalschutz zu stellen, damit man ihnen ja nichts antut ! ! ! Auch eine Prämie für jeden abgeschossenen Fussgänger sollten sie beantragen ! ! !

christian95 melden

Re: Fahrrad Im vergangenen Winter in Wien:

In einer belebten Straße fahren am Abend Radfahrer ohne Licht, auf Gehsteigen, auf Zebrastreifen, auf der Straße, gegen die Fanhrtrichtung, auf Grünstreifen .... ohne dass ein Polizist einschreitet.

So funktioniert das "Grüne Verkehrskonzept" - und der VCÖ lobt immer wieder diesen "Fortschritt".

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Also weder als Autofahrer noch als Fußgänger hatte ich bis jetzt Probleme mit Radfahren... Mit anderen Autofahrern aber fast
täglich. im übrigen fahre ich 200 km wöchentlich mit dem Rad hatte selbst auch
noch kein einziges Problem weil ich ev. "egoistisch" unterwegs wäre, ich glaub
da schreiben sich ein paar Autohändler ihren Frust von der Seele. Ideal wäre
ein sekundäres Verkehrsnetz (im Burgenland ginge das hervorragend auf dem
Güterwegenetz wenn dort nicht ständig Autofahrer im Fahrverbot unterwegs wären).
Wird schon werden, bei den Autos ging ja auch ein Zuwachs von Millionen Autos
in ein paar Jahrzehnten.

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Re: Also weder als Autofahrer noch als Fußgänger Also, leider beobachte ich als Fußgängerin sehr häufiges Fehlverhalten von Radfahrern, die einfach rote Ampeln ignorieren und teilweise auf Gehsteigen weiterfahren, ohne wirklich auf Fußgänger Rücksicht zu nehmen. Aber ich schätze, die Anzahl der Fehlverhalten der Radfahrer gleichen etwa dem der Autofahrer (oder sind noch darunter). Gleichzeitig sind mir aber auch wirklich vorbildliche Radfahrer aufgefallen: bei extrem schlechten Wetterverhältnissen mit heller Kleidung (von weitem sichtbar), mit Helm und Licht. Ihr zweiter angesprochener Punkt: sekundäres Verkehrsnetz: da bin ich vollkommen Ihrer Meinung. Manchmal greife ich mir auf den Kopf, wie und wo die Radfahrer z.B. in Wien fahren (müssen). Teilweise ist das Radewegekonzept sehr schlecht durchdacht.

Kennzeichen für Radfahrer Das wäre für den Anfang doch überlegenswert! Allerdings nur in Verbindung mit einer verpflichtenten Haftpflichtversicherung.Die Leute welche maulen überlegen anscheinend nicht, wieviel Geld dem Staat es kostet die Schäden von flüchtigen Radfahrern zu bezahlen. Die Skeptiker welche sich wieder einmalauf die Bürokratie ausreden, denen sei gesagt dass der ganze bürokratische Aufwand von den Versicherungen getragen werden muss. Genau wie beim Auto. Können sie sich ein Auto ohne haftpflichtversicherung vorstellen? Ich nicht! darum auch für die Radfahrer.

Bevor man über Taferln diskutiert... ... sollte man nachdenken, ob nicht generelle Helmpflicht, vor allem aber Lichter an den Fahrrädern verpflichtend sein sollten. Viele sind ohne Licht unterwegs, leider auch bei Nacht bzw. Dämmerung.
Dass sich sehr viele über jegliche Ampeln und sonstige Regeln hinwegsetzen, könnte nur durch die - radelnde - Exekutive verhindert werden, indem eine Zeit lang heftig gestraft wird.

wheeler1

Einmal hat der Häupl eine gute Idee... ...und schon sind,s dagegen. Dass der VCÖ gegen die Taferln beim Rad sind ist eh klar, so dunkelgrün die sind... Aber viele (ich sage nicht alle) Radfahrer sind Egoisten. Ich-Menschen (vielleicht auch "Gutmenschen") sind sie auch, denn sie denken: "Ich fahre Rad und nicht mit diesen "stinkenden" Autos??, und dann kann ich mir alles erlauben, denn ich schau ja soooo auf die Umwelt. Nein, so nicht, liebe Leute. So funktioniert das in unserer Stadt nicht. Man kann nicht bei Rot über die Strasse fahren und wie ein Berserker durch die Fussgänger, aber auch Autofahrer schiessen. Das geht so nicht. Man muss sich auch als Radfahrer an die Gesetze halten-oder man lässt es bleiben. Oder glaubt Frau Vasilaku, dass ältere Menschen, die nicht mehr radfahren können sich noch ein Radl kaufen wollen???

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