"Quo vadis EM 2008?" Hickersberger und
Co. mit düsterer Momentaufnahme zur EURO

'Nicht davon überzeugt, ob Viertelfinale realistisch ist' Teamchef will künftig keine dubiosen Spieler-Absagen

In einer prominent besetzten Podiumsdiskussion im Atrium des ORF-Zentrums unter dem Motto "Quo vadis EM 2008? Österreich auf dem Weg zur Heim-EM" sind einmal mehr die Chancen des österreichischen Fußball-Nationalteams bei der Heim-Europameisterschaft beleuchtet worden. Teamchef Josef Hickersberger, Sportstaatssekretär Karl Schweitzer, Rapid-Sportdirektor Peter Schöttel und Salzburg-Nachwuchschef Heimo Pfeifenberger lieferten in dem von WM-Organisator Heinz Palme moderierten Gespräch eine etwas düstere Momentaufnahme, gaben aber auch ihrer Hoffnung Ausdruck, dass sich die Situation bis zum EM-Start am 7. Juni 2008 noch verbessert.

Das große Ziel des ÖFB-Teams beim Heimturnier sei das Erreichen des Viertelfinales, bekräftigte Hickersberger. Allerdings hatte die 0:2-Heimniederlage gegen Kanada beim Teamchef Spuren hinterlassen. "Im Moment bin ich noch nicht sicher davon überzeugt, ob die Zielsetzung realistisch ist", gab der Niederösterreicher zu.

Februar 2007 Länderspiel und Mini-Trainingslager
Der ungünstige Zeitpunkt der Kanada-Partie habe ihn in seiner Einschätzung bestätigt, wonach Länderspiele zu einer Zeit, in der die Teamkicker wenig oder keine Spielpraxis haben, eine undankbare Aufgabe darstellen. "Aber auf dem Weg zur EURO 2008 wird uns nichts anderes übrig bleiben, als solche Termine in Kauf zu nehmen." So steht Anfang Februar 2007, wenn die Bundesliga-Rückrunde wahrscheinlich noch nicht einmal begonnen hat, ein Länderspiel samt Mini-Trainingslager auf Malta auf dem Programm.

Das Trainingscamp ist nur ein Teil der gesamten Terminplanung, die derzeit auf Hochtouren läuft. "Wir wollen in der Saison 2007/08 früher aufhören als die internationalen Ligen, um mehr Zeit zur Vorbereitung zu haben", meinte Hickersberger.

"Hicke" will keine dubiosen Spieler-Absagen mehr
Der Teamchef legt im Hinblick auf die Heim-EM sein Hauptaugenmerk nicht nur auf den körperlichen Bereich. "Es gilt, eine gute Atmosphäre zu schaffen, in der sich die Spieler wohl fühlen." Dubiose Spieler-Absagen sollen der Vergangenheit angehören.

Neben der Arbeit mit dem A-Team misst der Ex-Rapid-Coach auch dem ÖFB-Nachwuchs große Bedeutung bei. Hickersberger strebt in den Jugend-Auswahlen einen "kontinuierlichen Spielaufbau" an. "Wir wollen nicht weite Bälle nach vorn schlagen, sondern Kombinationsfußball spielen und in der Defensive Raumdeckung praktizieren."

Außerdem plädierte der 57-Jährige für eine Abkehr vom Prinzip, vor allem die körperliche Arbeit mit den österreichischen Jung-Kickern zu forcieren. "Die Ausbildung der Spieler steht im Mittelpunkt. Ich habe schon früher Bedenken gehabt, wenn im Nachwuchs die Resultate das Wichtigste waren."

Bedenken hat Rapid-Sportdirektor Schöttel, was die Einstellung der heimischen Talente betrifft. "Es fehlt ihnen ein bisschen der Hunger, in Österreich geht es ihnen zu gut." Pfeifenberger kritisierte in diesem Zusammenhang die Bundesliga-Nachwuchsregelung in der Ersten Liga, wonach auf dem Spielbericht zumindest je drei U21- und U23-spielberechtigte Österreicher aufscheinen müssen - in der kommenden Saison wird diese Regelung auf vier U21-Kicker ausgeweitet, dafür fällt die U23-Vorgabe. "Das bedeutet, dass vier Spieler einen Freibrief haben, die es sich vielleicht gar nicht verdienen, und ich muss Spieler weggeben, die hungriger sind." (apa/red)