Britisches Königshaus von

Bentley-Chef Wolfgang Schreiber: Die Queen ist verrückt nach uns

Das große Interview mit dem Boss der britischen Premiummarke

Queen im Bentley © Bild: VOLKER HARTMANN/AFP/Getty Images

Kaum ein Bürgerlicher, und noch dazu ein Deutscher, darf der Königin von England so nahe kommen wie er. Denn Wolfgang Schreiber, 56, hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber allen anderen normalsterblichen Bewunderern der Queen: Er ist Chef des britischen Luxuswagen-Herstellers Bentley. Und die britische Monarchin fährt ein ganz spezielles Modell der Marke.

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Dass der offizielle Dienstwagen der Queen, die State Limousine, aus Crewe kommt, macht den Bentley-Chef "natürlich sehr stolz. Aber die ganze königliche Familie fährt ja Bentley“, betont Schreiber. Vor allem begeistert ihn, dass die britische Königin "uns auf Augenhöhe begegnet.“ Sein Resümee nachdem Elisabeth II. der Marke einen Besuch abgestattet hatte: "Sie hat Bentley ganz offensichtlich ins Herz geschlossen.“

Nobel-SUV als Absatz-Turbo.

Aber nicht nur die Royals lieben Bentley, auch betuchte PS-Liebhaber finden mehr und mehr Gefallen an den schicken Karossen, für die man mindestens 200.000 Euro springen lassen muss. Im vergangenen Jahr lieferte die zu Volkswagen gehörende Luxusautoschmiede genau 10.120 Bentleys an ihre Kunden aus. "So viele wie noch nie in der Firmengeschichte“, freut sich Schreiber. Damit die Verkaufszahlen weiter stetig steigen, bringt die Marke 2016 einen Luxus-Geländewagen auf den Markt. Warum die Briten in den am rasantesten wachsenden Sektor des PS-Geschäfts einsteigen und was der Nobel-SUV können wird, verrät Schreiber im NEWS-Interview.

NEWS: Trotz einiger Nachwehen der Finanzkrise, trotz politischer Unruheherde in Ihren wichtigsten Märkten haben Sie das vergangene Jahr mit dem Rekordverkauf von 10.120 Autos abgeschlossen. Warum ist Bentley so erfolgreich?
Schreiber: Die Eigenschaften, die einen Bentley ausmachen, nämlich die einzigartige Kombination aus Luxus und Performance, sind weltweit gefragt. Und es gibt immer mehr wohlhabende Menschen, die sich für ihre harte Arbeit mit Luxusgütern belohnen wollen. Eine gute Methode, sich derart zu belohnen, ist der Erwerb eines Bentley.

Queen in Bentley
© MATT CARDY/AFP/Getty Images

NEWS: Sie wollen bis 2018 Ihre Absatzzahlen sogar auf 15.000 Autos hochfahren. Welche Klientel haben Sie im Focus?
Schreiber: Wir wissen, dass die Anzahl der Menschen, die grundsätzlich über die finanziellen Mittel verfügen, einen Bentley zu kaufen, stetig steigt. Und das weltweit. Wir sprechen zunehmend auch jüngere Käufer an, vor allem in aufstrebenden Industrieländern wie China, aber auch in unseren Traditionsmärkten.

NEWS: Haben Sie keine Bedenken, dass es gesellschaftlich inakzeptabel werden könnte, seinen Reichtum offensiv mit einem Wagen Ihrer doch sehr hochpreisigen Marke zur Schau zu stellen?
Schreiber: Im Moment kann ich das nicht feststellen. Wann immer ich in einem Bentley in meiner Wohngegend, das ist im Norden Deutschlands, unterwegs bin, habe ich das Gefühl, die Menschen freuen sich, wenn sie einen Bentley sehen. Die starke Nachfrage nach unseren Fahrzeugen spricht auch gegen diese These. Immerhin hatten wir im vergangenen Jahr ein Verkaufsplus von 19 Prozent.

»Sonderanfertigung für die Queen«

NEWS: Die wohl prominenteste Besitzer-in eines Bentley ist die Queen...
Schreiber: …und wir sind sehr stolz darauf, dass wir nicht nur die Queen, sondern auch andere Mitglieder des britischen Königshauses zu unseren Kunden zählen dürfen. Auch das offizielle Fahrzeug der Queen, die sogenannte State Limousine, ist ein Bentley. Es ist eine Sonderanfertigung, die auf dem Arnage basiert.

NEWS: Schwieriger als Kunden zu gewinnen, ist sie zu halten. Gilt das auch für die Queen?
Schreiber: Wir haben die Queen als unkomplizierten Kunden kennengelernt. Vergangenen Sommer durften alle Haus- und Hoflieferanten anlässlich der 60-jährigen Krönungsfeier der Queen ihre Produkte im Garten des Buckingham Palastes ausstellen. Bentley war natürlich auch dabei. Die Queen interessierte sich sehr für unsere Fahrzeuge und hat unseren Stand viel länger als geplant besucht. Sie ist eine beeindruckende Persönlichkeit und sie ist sicher eine ganz besondere Kundin, aber sie lässt uns das nicht spüren!

NEWS: Wie ist Prinz Charles als Kunde?
Schreiber: Auch mit ihm ist das ein ganz natürliches Miteinander. Er hat einen Flying Spur bestellt, hat davor die Farben und die Ausstattung ausgewählt. Bei der Übergabe hat er sich kurz einweisen lassen und das war’s dann auch schon.

»Großes Echo auf Konzeptauto«

NEWS: Die Entscheidung ist kürzlich gefallen: Bentley bringt als vierte Baureihe einen SUV. Passt so ein Auto zum Image der Marke?
Schreiber: Unsere Kunden sagen ja. Das Echo auf das Konzeptauto, das wir vor zwei Jahren auf dem Autosalon in Genf gezeigt haben, war enorm: Wir haben rund 2.000 Vororder. Es gibt ja in allen Marktsegmenten hoch erfolgreiche SUVs - nur nicht in der Luxusklasse. Der neue Bentley SUV wird der luxuriöseste und leistungsstärkste SUV. Er wird da beginnen, wo die Premium SUVs von Marken wie Range Rover oder Mercedes aufhören. Bentley wird mit seinem SUV ab 2016 einen neuen Markt eröffnen - den Markt für Luxus-SUVs. Wir kalkulieren konservativ mit 3.000 bis 3.500 Einheiten jährlich über die Laufzeit. Aber vielleicht ist der Bedarf auch größer.

NEWS: Wo soll der Allrad für den neuen SUV herkommen, welche Motoren sind für dieses Fahrzeug geplant, und gibt es schon einen Namen?
Schreiber: Wir sind mit unseren Acht- und Zwölfzylindermotoren sowie unserer Allradtechnik hervorragend aufgestellt. Allrad-Antrieb ist für einen SUV und erst recht für einen SUV von Bentley ein Muss. Der SUV wird ab 2017 das erste Fahrzeug mit einem Plug-in-Hybrid sein. Diese Technik entspricht unserem Anspruch an Luxus und Performance. Sie bietet mehr Leistung und die zusätzliche Möglichkeit, elektrisch zu fahren, ohne dass die Kunden auf den Luxus, den sie von einem Bentley zurecht erwarten, verzichten müssen. Derzeit prüfen wir auch den Einsatz von Dieselmotoren. Eine Entscheidung ist aber noch nicht gefallen. Den Namen für den SUV können wir Ihnen noch nicht verraten. Da müssen Sie sich noch etwas gedulden.

NEWS: Was haben Sie von Ihrem vorhergehenden Job als Chef der VW-Nutzfahrzeuge zum Chef der Luxusmarke Bentley mitgenommen?
Schreiber: Egal, ob Supersportwagen oder leichtes Nutzfahrzeug, Sie müssen wissen, was der Kunde will. Wissen Sie das, kann man Sie sowohl für den einen wie für den anderen Job einsetzen, so unterschiedlich die auch sein mögen.

NEWS: Wie überzeugen Sie einen potenziellen Kunden, sich für einen Bentley und gegen einen Rolls Royce oder Mercedes zu entscheiden?
Schreiber: Ich denke, die Kombination aus Luxus und Performance ist bei uns einzigartig, daher würde ich eine Probefahrt vorschlagen. Ich denke, danach wäre alles klar.

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