Pyramiden ohne Nepp: Lästige Händler und Kameltreiber sind in Giza bald ganz verboten

200 Videokameras sollen Areal sicherer machen Die Jagd auf Bakschisch muss diskreter werden

Pyramiden ohne Nepp: Lästige Händler und Kameltreiber sind in Giza bald ganz verboten © Bild: its

Es sind keine guten Zeiten für Ahmed, den Kameltreiber, und Ali, den Kutschenfahrer. Bis vor kurzem waren die zahlreichen Touristen, die sich die Pyramiden von Giza ansehen wollten, quasi ihr Freiwild. Penetrant wie Kletten machten sie sich an ihre "Opfer" heran. Schamlos trieben sie den Lohn für ihre Dienstleistungen in die Höhe, je nachdem, wie nachgiebig oder feilschsicher die Kundschaft war. "Jetzt lässt man uns nicht mehr so richtig ran", klagen sie unisono.

Denn seit ein paar Wochen gelten bei den Pyramiden am Rand der Millionenstadt Kairo neue Regeln. Die Altertümerverwaltung, Ägyptens höchste Behörde für das kulturelle Erbe des Nillandes, wollte nicht mehr länger mit ansehen, wie sich Besucher aus aller Welt in einem Spießrutenlauf den Weg zu dem Weltwunder bahnen mussten. Die neuen Maßnahmen fügen sich in ein neues Konzept ein, das die Sehenswürdigkeiten von Giza insgesamt sicherer und für den Besucher komfortabler machen soll.

8,3 Mio. für mehr Sicherheit
"In der ersten Stufe haben wir knapp 65 Millionen Pfund (8,3 Millionen Euro) investiert", erklärte Mohammed Schiha, der Generalinspektor der Ausgrabungsstätte von Giza. Ein 18 Kilometer langer Zaun, der stellenweise sechs Meter hoch ist, läuft rund um das Areal, auf dem sich die Cheops-, die Chephren- und die Mykerinos-Pyramide und die Große Sphinx als steinerne Zeugen einer 5000 Jahre zurückliegenden Vergangenheit erheben. Fast 200 Videokameras sind die "Augen" der Männer in der neuen, rund um die Uhr besetzten Überwachungszentrale. Ihnen entgeht nichts. Grab- und Antiquitätendiebe haben keine Chance mehr.

Areal bald Autofrei
"Das Plateau von Giza war in der Zeit der Pharaonen Teil einer riesigen Gräberstadt", erklärte Essam Schihab, ein junger Archäologe, die Anziehungskraft dieses Ortes für Krummfinger. "Wo immer du hier gräbst, findest du etwas." Seit der Zaun und die Kameras stehen, sei praktisch nichts passiert, gab Sicherheitschef Mohammed al-Atta zu Protokoll. Abgesehen von ein paar Touristen, die beim Röntgen an den Sicherheitsschleusen mit einem Taschenmesser auffielen.

In zwei weiteren Ausbaustufen, sagt Generalinspektor Schiha, sollen Autos, Busse und Höckertiere völlig vom Areal verschwinden. Die Kameltreiber bekommen allerdings einen Platz am Rand zugewiesen, von dem aus die Pyramiden gut sichtbar sind. Viele Touristen wollen dieses Motiv auf den Fotos und Videos von ihren Kamelausritten im Schatten der Monumente verständlicherweise nicht missen. "Das Panorama bleibt gewahrt", versprach Schiha.

Diskrete Jagd auf Bakschisch
Auch eine neue Kartenverkaufsstelle am Eingang erhöht den Komfort der Besucher. Lange Schlangen dürften der Vergangenheit angehören. Die Jäger des Bakschisch (Trinkgeld) haben jedoch noch nicht ganz ausgedient. Ahmed, der Kameltreiber, und Ali, der Kutschenfahrer, dürfen weiter ihre Dienste anbieten, müssen es aber diskreter tun, weil sie sonst die Touristen-Polizei in die Schranken weist.

Aus für Hobby-Fremdenführer
So wie die jungen Männer aus der Umgebung, die sich als selbst ernannte "Fremdenführer" verdingen. Als drei Busse zu sehen waren, die den Anfahrtsweg hochfuhren, gerieten sie in helle Aufregung und lieferten sich Schreiduelle mit der Touristen-Polizei. Essam Schihab, der Archäologe aus Liebe zum Fach, zeigte eine Mischung aus Mitleid und Verachtung. "Klar, das sind arme Teufel", meinte er, "aber sie haben nicht die geringste Ahnung von den Stätten hier und erzählen den Touristen hanebüchenen Unsinn".

Da könne die Sphinx, das rätselhafte Wesen mit dem Leib eines Löwen und dem Kopf eines Gottes oder Pharaos, schnell zur "verführerischen Frau" werden, empörte sich Schihab. Dabei sei niemand auf diesen fragwürdigen Dienst angewiesen, fügte er hinzu. Denn die Altertümerverwaltung stellt junge Archäologen und Studenten als kompetente Führer zur Verfügung - zum Null-Tarif. (apa/dpa/red)