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Befehl zur Annexion
der Krim: Putin spricht

Russischer Präsident äußert sich in TV-Dokumentation zu umstrittener Aktion

Ukraine - Befehl zur Annexion
der Krim: Putin spricht © Bild: © Corbis. All Rights Reserved.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat in einem Interview überraschend offen über seinen Befehl zur Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim vor einem Jahr gesprochen. Nach einer nächtlichen Sitzung im Februar 2014 habe er zu Vertretern der Sicherheitskräfte gesagt: "Wir müssen beginnen, die Krim zurück nach Russland zu holen", sagt Putin in einem Trailer für eine Dokumentation.

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"Wir beendeten die Sitzung etwa um sieben Uhr morgens", erzählt der Präsident in dem Film "Die Krim - Die Rückkehr nach Hause", dessen Trailer das russische Staatsfernsehen seit Sonntag ausstrahlte, über die Sitzung mit Leitern der russischen Sicherheitsdienste in der Nacht auf den 23. Februar 2014. "Als wir uns trennten, sagte ich zu meinen Kollegen: Wir müssen beginnen, die Krim zurück nach Russland zu holen." Einen Sendetermin für den gesamten Dokumentarfilm gab der Staatssender "Rossija 1" zunächst nicht bekannt.

Vier Tage später übernahm eine schwer bewaffnete Kommandoeinheit die Kontrolle über das Regionalparlament der Krim. Die Parlamentarier stimmten daraufhin in einer kurzfristig angesetzten Sitzung für die Abhaltung eines Referendums über den Anschluss an Russland. Die Ukraine warf Moskau daraufhin eine "Invasion" der Halbinsel vor.

Moskau bestritt direkte Beteiligung

Obwohl sich die Hinweise mehrten, dass es sich bei den Truppen ohne Hoheitskennzeichen, die strategische Orte auf der Krim besetzten, um russische Soldaten handelte, bestritt Moskau zunächst eine direkte Beteiligung. Nach der umstrittenen Volksabstimmung wurde die Krim am 18. März von Russland offiziell annektiert - ein Schritt, der von Kiew und dem Westen bis heute als rechtswidrig betrachtet wird. Später gab Putin zu, auf der Krim russische Truppen eingesetzt zu haben.

In dem Film spricht Putin auch über die Flucht des ukrainischen Ex-Präsidenten Viktor Janukowitsch und einen russischen Einsatz zu seiner Rettung, der bei der Nachtsitzung im Februar 2014 geplant wurde. Janukowitsch war am 22. Februar nach heftigen Straßenkämpfen in Kiew ins ostukrainische Donezk geflohen. "Er wäre getötet worden", sagt Putin. "Wir bereiteten uns vor, ihn per Land, per Wasser oder per Luft aus Donezk herauszuholen." Es seien schwere Maschinengewehre installiert worden, um "nicht zu viel reden" zu müssen.

"Die Krim - Die Rückkehr nach Hause"

Janukowitsch tauchte später im südrussischen Rostow am Don auf. Seitdem ist der Ex-Präsident nicht wieder in die Ukraine zurückgekehrt, wo er stark an Rückhalt verloren hat. Wie Janukowitsch letztlich außer Landes gebracht wurde, erzählt Putin in dem Trailer nicht. In der Dokumentation "Die Krim - Die Rückkehr nach Hause" ist Putin bei einem Interview in seinem Büro zu sehen, zwischendurch werden auch Bilder von Kampfhubschraubern und Panzern gezeigt.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und der japanische Regierungschef Shinzo Abe sehen unterdessen wegen der Ukraine-Krise derzeit keine Möglichkeit für eine Rückkehr Russlands in den Kreis der großen Industriestaaten. Im Hinblick auf den G-7-Gipfel im Juni in Deutschland betonte Merkel am Montag in Tokio: "Ungelöst darf natürlich auch nicht das Thema der Krim bleiben." Abe sagte, die G-7 und Russland seien jetzt nicht in der Lage, ein inhaltliches Gespräch zu führen. Er warnte, der Ukraine-Konflikt sei kein regionales, sondern ein globales Problem.

Russland aus G-8 ausgeschlossen

Wegen der Annexion der Krim war Russland 2014 aus der damals G-8 genannten Gruppe ausgeschlossen worden. Angesichts der dramatischen Eskalation in der Ostukraine war zwischenzeitlich der Eindruck entstanden, der Westen könnte die Annexion der Krim hinnehmen. Der G-7 gehören die USA, Kanada, Deutschland, Japan, Frankreich, Italien und Großbritannien an.

Merkel sagte erneut, Russland missachte die territoriale Integrität der Ukraine - auch durch die Unterstützung prorussischer Separatisten. Die internationale Sicherheitsarchitektur sei gefährdet. Abe würdigte Merkels Verhandlungen in Minsk über einen Friedensplan. "Ich schätze den großen Einsatz." Beide betonten, sie setzten weiterhin auf eine diplomatische Lösung mit Moskau.

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