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"Dunkler Schatten" über Purgstall

Nach Horror-Unfall mit fünf Toten - Beisetzung am Freitag

Zugunfall in Purgstall © Bild: APA/Paul Plutsch

Über Purgstall a.d. Erlauf (Bezirk Scheibbs) lag zu Pfingsten ein "dunkler Schatten": Fünf Menschen waren am Freitagabend auf einem Bahnübergang in der Mostviertler Marktgemeinde ums Leben gekommen, unter ihnen zwei Buben (7 und 8) und ein Mädchen (11). Zwei Mädchen (4 und 5) und ein Bub (12) wurden in Krankenhäuser eingeliefert.

Nach dem verheerenden Unfall hat es zu Wochenbeginn eine zumindest positive Nachricht gegeben. Der Zustand des schwer verletzten Zwölfjährigen, der in St. Pölten "intensivmedizinisch behandelt" wird, war laut Landeskliniken-Holding NÖ stabil. Der Bub war notoperiert worden. Der Zustand zweier Mädchen (4 und 5) galt bereits seit dem Wochenende als stabil. Die beiden Kinder werden in Linz behandelt.

Lenker hatte vor Bahnübergang nicht angehalten

Zum Unglückshergang ging die Polizei davon aus, dass der 26-Jährige am Steuer des mit acht Personen besetzten Seat Alhambra vor dem Bahnübergang in der Heimatgemeinde Purgstall der Familie nicht angehalten hatte. Er starb beim Zusammenprall mit dem aus zwei Triebwagen bestehenden Zug 7028 der Erlauftalbahn wie seine Lebensgefährtin (32). Drei der sechs Kinder in dem Auto waren ebenfalls auf der Stelle tot.

Ein Augenzeuge und Ersthelfer bestätigte in der ORF-Nachrichtensendung "Niederösterreich heute" vom Samstagabend, dass der Lenker "ohne stehen zu bleiben" auf den Bahnübergang gefahren und der Zug "im Bruchteil von Sekunden" da gewesen sei. Der Triebwagen habe das Auto buchstäblich "aufgespießt" und weggeschoben. Er habe sofort einen Notruf abgesetzt, berichtete der Zeuge. Laut Polizei war der Seat mehr als 90 Meter weit mitgeschleift worden. Der Pkw wurde völlig zertrümmert.

Trauer um Unfallopfer

Kerzen und Blumen am Bahndamm erinnerten am Wochenende an die folgenschwere Karambolage. Die etwa 6.000 Einwohner zählende Gemeinde stand unter Schock. Ein "dunkler Schatten" liege über Pfingsten angesichts des tragischen Unglücks, hieß es in der Sonntags-Predigt in der Pfarre Purgstall. Die Kerzen, das Kreuz, die Osterkerze sollen "ausdrücken, was wir nicht in Worte fassen können". Auch eine Fürbitte galt den Opfern: "In tiefer Betroffenheit tragen wir betend die Schwerverletzten Martin, Julia, Nadine und die tödlich Verunglückten des Freitagabend-Zugunglücks zu dir: Mutter Anita P., Jasmin, Christian, Sebastian und Vater Patrick Z."

Darauf angesprochen, dass sich acht Personen in dem für sieben Insassen zugelassenen Seat befunden hatten, stellte NÖ Polizeisprecher Johann Baumschlager fest: "Das wird aufgrund der Tragödie zur Nebensache." Es habe sich um "ein furchtbares Bild" und um "ein schreckliches Szenario" gehandelt, sagte Franz Resperger, Sprecher des Landesfeuerwehrkommandos NÖ. "Wir sind an unsere Grenzen gestoßen", erklärte Franz Ditzer, Kommandant der FF Purgstall. Von einer "Tragödie, die ihresgleichen sucht", sprach Purgstalls Bürgermeister Christoph Trampler (ÖVP).

"Aus Rücksicht auf Angehörige und Einsatzkräfte verzichten wir auf einen Bericht zu diesem tragischen Ereignis", schrieb die FF Purgstall noch am Freitagabend auf ihrer Website. Nachsatz: "Danke für ihr Verständnis!" Nicht nur Verwandte und Bekannte der Opfer, sondern auch Helfer mussten von Kriseninterventionsteams betreut werden.

Beisetzung am Freitag

Die fünf Todesopfer des verheerenden Unfalls werden am Freitag zu Grabe getragen. Das Requiem in der Pfarrkirche für Anita P., Patrick Z. und die Kinder Jasmin, Christian sowie Sebastian beginnt um 13.30 Uhr. Anschließend erfolgt die Beisetzung auf dem Ortsfriedhof Oberndorf, teilte die Pfarre am Dienstag auf Anfrage mit.

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