Pühringer ... jetzt noch eine Spur größer:
LH hält mit kleinem Plus klar ersten Platz

Auch mysteriöses Landeskonto war kein Problem Vom "kleinen Sepp" zu einem Politprofi geworden

Pühringer ... jetzt noch eine Spur größer:
LH hält mit kleinem Plus klar ersten Platz © Bild: APA/Rubra

Josef Pühringer ist nach der Landtagswahl in Oberösterreich weiter gewachsen. Der ÖVP-Spitzenkandidat baute laut ersten Hochrechnungen seine 43,42 Prozent auf 45 Prozent aus. Das in den letzten Wahlkampftagen aufgetauschte mysteriöse Geschäft mit einem 140-Millionen-Landeskonto konnte der ÖVP offenbar nichts anhaben. Fraglich ist nun, ob Pühringer die bisherige Koalition mit den Grünen fortsetzen wird, wenn diese wieder in die Landesregierung einziehen.

Seit 14 Jahren ist der quirlige 59-Jährige schon im Amt, und weitere stehen bevor. Ob er dabei in der Proporzregierung, in der nun auch die FPÖ vertreten ist, ein Koalitionsabkommen schließen wird, ließ Pühringer vorerst offen. Wenn die Grünen ihren Regierungssitz verlieren, könnten sich entsprechende Verhandlungen schwierig gestallten. Denn ÖVP und SPÖ sind sich im Land ziemlich feindlich gesinnt. Einem Bündnis mit den Blauen stand Pühringer stets skeptisch gegenüber, er hat sich diese Option allerdings offen gelassen.

Pühringer ist von seinem katholischen Elternhaus geprägt. Privat-und Berufsleben trennt er, sein Familienleben bringt er nur insofern an die Öffentlichkeit, als man weiß: Er ist verheiratet, hat drei Kinder und verbringt gerne Zeit mit der Familie. Camping am Mondsee ist für ihn Tradition, Sauna und Essen sind Leidenschaften.

Vom "kleinen Sepp" zum Politprofi
Pühringer wirkt wie ein Energiebündel und gewinnt durch seine unkomplizierte Art. Bekannt ist er auch für seine Wippbewegungen vor der Kamera. Selbst beschreibt er sich als zielstrebig, teamfähig, aber auch ungeduldig. Bei seinem Amtsantritt 1995 noch als "kleiner Sepp" belächelt ist der aus Traun stammende Pühringer schnell aus dem Schatten seines Mentors Josef Ratzenböck getreten und ist mittlerweile ein Politprofi. Auch mit seiner Körpergröße von 1,69 Metern hat er zu kokettieren gelernt: "Ich bin eben ein glaubwürdiger Vertreter der kleinen Leute."

Sein großes Gewicht in der Bundes-ÖVP spielt er so gut wie nie öffentlich aus. Aber hinter verschlossenen Türen hält er mit seiner - mitunter gegenteiligen - Meinung nicht hinter dem Berg. So machte er auch keinen Hehl aus seiner Aversion gegen eine Neuauflage der Koalition mit Jörg Haiders FPÖ und stimmte 2003 im ÖVP-Vorstand gemeinsam mit LH Erwin Pröll gegen Schwarz-Blau II, auch wenn er 2000 bei den Verhandlungen zwischen ÖVP und FPÖ noch als Verhandler am Tisch saß.

Fan der Großen Koalition
Pühringer ist prinzipiell ein Großkoalitionär, auf Landesebene ist er allerdings mit der SPÖ auf Kriegsfuß. Der letzte Wahlkampf 2003 war von Diskussionen um die Pensionsreform und heftigen Attacken der Sozialdemokraten wegen der Voest-Privatisierung dominiert. Auch diesmal haben sich ÖVP und SPÖ im Wahlkampf nichts geschenkt.

Pühringer wurde am 30. Oktober 1949 in Traun als Sohn eines Schneidermeisters, der selbst fast 20 Jahre lang in der Gemeindepolitik tätig war, geboren. Pühringer selbst startete seine politische Karriere bei der Jungen ÖVP. Nach der Mittelschule war er Religionslehrer und studierte daneben Jus an der Universität Linz. Danach arbeitete er in der Kulturabteilung des Amtes der oberösterreichischen Landesregierung. Er war kommunalpolitisch in seiner Heimatgemeinde Traun tätig. 1979 wurde er als Abgeordneter in den Landtag gewählt, 1987 wurde er Landesrat. Am 2. März 1995 erfolgte die Wahl Pühringers zum Landeshauptmann. Nach der Landtagswahl 2003 schmiedete Pühringer mit seinem Team das österreichweit erste Bündnis von Schwarz-Grün in einer Landesregierung.

(apa/red)

Kommentare

Ehrlicher Mann Der Köder, den man gelegt hat (ominöses Konto), hat nicht gezogen. Gut so. Mögen auch in Zukunft solche oder ähnliche Wahlknüller als das erkannt werden, was sie sind.

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