Psycho-Krieg vor Viertelfinal-Schlager: Deutsche reizen bei Fußball-WM Argentinier

Lahm, Schweinsteiger und Co. setzen Nadelstiche Argentinien-Coach Maradona bewahrt kühlen Kopf

Psycho-Krieg vor Viertelfinal-Schlager: Deutsche reizen bei Fußball-WM Argentinier © Bild: Reuters

Es herrscht also dicke Luft vor dem Viertelfinal-Schlager Argentinien gegen Deutschland: Beim Countdown für die Kraftprobe mit Argentinien zeigen sich die deutschen Kicker verbal angriffslustig. Kapitän Philipp Lahm & Co. versuchen die als heißblütig bekannten "Gauchos" vor dem Spiel am Samstag zu provozieren. Argentiniens Teamchef Diego Maradona gab sich dagegen zurückhaltend.

"Wir wissen, dass die Südamerikaner sich sehr impulsiv und temperamentvoll verhalten und nicht wirklich verlieren können. Ich hoffe, dass wir am Samstag erleben, wie sie diesmal mit der Niederlage umgehen", tönte Lahm in Anspielung auf die Tumulte nach dem deutschen Sieg nach Elfmeterschießen im WM-Viertelfinale vor vier Jahren.

Einen Tag nach den Attacken von Bastian Schweinsteiger, der den Argentiniern allgemein einen Hang zur Provokation unterstellt hatte ("Es geht schon vor dem Spiel los, wie sie gestikulieren und versuchen, den Schiedsrichter zu beeinflussen. Das ist respektlos, aber die Argentinier sind so"), legte Oliver Bierhoff im DFB-Quartier in Erasmia nach. "Die Argentinier sind herzliche, gesellige, freundliche Menschen - aber wenn es auf den Platz geht, vergessen sie dies. Es gibt immer Diskussionen und Provokationen", sagte der Teammanager und nannte als Konsequenz: "Wir sollten kühlen Kopf bewahren."

"Schweinsteiger. Bist du nervös?"
Kühlen Kopf bewahrte Maradona im Psycho-Spielchen. "Wir haben keine Zeit an Schweinsteiger zu denken. Meine Burschen denken nur an das Spiel und die Möglichkeit, eine Revanche zu haben", sagte Argentiniens Trainer mit Blick 2006. Dennoch: Im Stile eines Staatsmannes fragte Maradona direkt in die TV-Kamera: "Was ist mit dir los, Schweinsteiger. Bist du nervös?"

Für die erhoffte Revanche steht Maradona jedenfalls vom Papier her noch mehr Angriffswucht zur Verfügung. Zauberer Lionel Messi hat zwar noch immer kein Tor erzielt, ist aber der erhoffte Regisseur und wünscht sich sehnlichst sein erstes WM-Tor bei diesem Turnier.

Locker trat die "Albiceleste" im Training auf. Nach dem Spiel über das halbe Feld wurde wieder "bestraft". Die Verlierer mussten ihren Hintern für die Schüsse der Teamkollegen auf der Torlinie stehend zur Verfügung stellen; dann wurde vom 16er stramm geschossen. Gelächter hier, ein paar Klagerufe dort - und Tausende Bilder für die unzähligen Fotografen am Trainingsplatz.

Bei aller Stichelei, der Respekt vor Messi und Co. ist im deutschen Lager groß. "Wir haben weniger Fehler als bei den Engländern entdeckt", verriet Bierhoff nach intensiven Video-Sitzungen. Chefscout Urs Siegenthaler nannte die Argentinier "einen überragenden Gegner". Aber man habe ein Konzept entworfen, um auch einen Weltstar wie Messi in den Griff zu bekommen, versicherte er. Teamchef Jogi Löw meinte: "Argentinien versteht es, den Gegner in Sicherheit zu wiegen und dann zuzuschlagen. Man darf sich nicht viele Fehler erlauben."

(apa/red)