Mord-Prozess von

Pistorius: Psychiaterin
bescheinigt eine Angststörung

Auf Kindheit des Sprintstars verwiesen - Staatsanwalt stellt Kompetenz infrage

Oscar Pistorius © Bild: 2014 Getty Images/Pool

Eine Psychiaterin hat dem wegen Mordes angeklagten südafrikanischen Sprintstar Oscar Pistorius eine "Angststörung" bescheinigt. Angesichts seiner Familiengeschichte und weiterer Stressfaktoren in seinem Leben gehe sie davon aus, dass der unterhalb der Knie amputierte 27-Jährige unter krankhafter Angst und Panik leide, sagte die Expertin Meryll Vorster vor Gericht in Pretoria.

Nach ihren Angaben hatte sie nicht nur mit dem Angeklagten gesprochen, sondern auch mit engen Freunden und Familienangehörigen. Nach Einschätzung Vorsters begann die Störung, als Pistorius' Eltern ihn dazu ermutigten, sich trotz seiner Behinderung als völlig "normal" anzusehen und zu verhalten. Langfristig könne dies zu beständiger Unruhe und Ängstlichkeit führen. Die Alkoholabhängigkeit der Mutter und ihre Angewohnheit, stets mit einer Waffe unter dem Kopfkissen zu schlafen, könne diese Ängste weiter verschärft haben, sagte die Gerichtspsychiaterin: "Die Kinder wuchsen mit dem Konzept auf, dass die Außenwelt bedrohlich ist". Mit dem frühen Tod der Mutter habe Pistorius dann sein einziges erwachsenes Vorbild verloren.

Pistorius wurde rot

Von dem Vater, der damals schon längst von seiner Frau getrennt war, habe er sich endgültig mit 21 Jahren losgesagt. Dank seiner vielversprechenden Sprintkarriere sei Pistorius schon damals finanziell unabhängig gewesen. Kurz darauf habe er sich auch seine erste Waffe zugelegt. "Menschen mit Angststörungen arbeiten hart daran, ihre Umwelt unter Kontrolle zu haben". Das harte Training könne ihm geholfen haben, seine Ängste zu mildern. Während der Aussage der Psychiaterin lief Pistorius rot an, seine Schwester Aimee wirkte wie versteinert.

Die Aussage der Psychologin soll Angaben der Verteidigung untermauern, dass sich Pistorius während der Tat extrem verletzlich und panisch fühlte.

Staatsanwalt stellte Experten-Kompetenz infrage

Im Mordprozess gegen den Paralympics-Star Oscar Pistorius hat Staatsanwalt Gerrie Nel die Kompetenz und die Neutralität des Ballistik-Experten Thomas Wolmarans angezweifelt. Dieser hatte die mögliche Bahn des Geschosses berechnet.

Wolmarans musste im Kreuzverhör am Montag vor dem Gericht Pretoria zugeben, dass er manche Tests am Tatort erst vor wenigen Wochen auf Wunsch der Verteidigung gemacht habe. Zudem habe er sich mit anderen Experten der Verteidigung vor seiner Vernehmung über die Aspekte der Tat unterhalten.

Wolmarans hatte am Freitag berichtet, dass der behinderte Profisportler keine Prothesen getragen habe, als er am 14. Februar 2013 die tödlichen Schüsse auf seine Freundin Reeva Steenkamp abgab. Dies würde den Aussagen des 27 Jahre alten Angeklagten entsprechen. Wenn Pistorius hingegen Prothesen getragen hätte, könnte das darauf hindeuten, dass er Zeit hatte, sie anzulegen - er also mit Vorsatz handelte.


Allerdings sagte der Experte auch, dass Steenkamp bekleidet gewesen sei, sie also nicht auf der Toilette gesessen ist, als Pistorius durch die Tür schoss. Das könnte bedeuten, dass sie mit ihm sprach. Pistorius beteuert, er habe geschossen, weil er hinter der Tür einen Einbrecher vermutete.

Pistorius muss sich seit Anfang März wegen Mordes vor Gericht verantworten. Er hatte in der Nacht zum Valentinstag vergangenen Jahres seine Freundin Reeva Steenkamp durch die geschlossene Toilettentür seines Hauses erschossen. Pistorius beteuert, sie für einen Einbrecher gehalten zu haben. Die Staatsanwaltschaft geht hingegen davon aus, dass er das Model nach einem Streit getötet hatte. Der Prozess, der am Montag den 30. Verhandlungstag hatte, geht in die Schlussphase. Er soll noch im Mai zu Ende gehen.

Kommentare

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Ich denke es war ein heftiger Streit, Sie ist auf die Toilette geflüchtet, Er hat einen Wutanfall bekommen und kam dann drauf, dass Wutanfälle mit einer Waffe in der Hand ziemlich blöd enden können.

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das Denken würde ich den Pferden überlassen, die haben einen größeren Kopf!

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