Psychiater Haller: "Rosemarie F. ist eine
sich unterordnende, anspruchslose Frau"

Top-Psychiater Reinhard Haller im NEWS-Interview Über die zerstörte Seele der Ehefrau des Josef F.

Im Interview mit NEWS spricht der Psychiater Reinhard Haller über den Zustand von Rosemarie F., der Ehefrau des im Inzest-Fall von Amstetten Beschuldigten Josef F. Haller vermutet, "dass sie sich bei ihrem Ehemann nichts zu hinterfragen traute"- und zieht Vergleiche mit dem Fall Franz Fuchs.

NEWS: Niemals soll Rosemarie F. von dem Verlies im Keller ihres Hauses geahnt haben. Und nun ist klar, dass ihr Ehemann, nur wenige Meter von ihr entfernt, die eigene Tochter 24 Jahre lang gefangen gehalten und auf perverseste Art gequält hat. Wie schätzen Sie Frau Fs derzeitige psychische Situation ein?

Reinhard Haller: Die Frau muss derzeit ein ganz schweres Psychotrauma durchleben. Sie ist in etwas Unfassbares hineingestoßen worden. Ich denke, sie wird sich in ihrem Leben ganz neu orientieren müssen. Ich glaube, dass sie und auch die anderen Angehörigen des Täters aufgrund des Geschehenen, für das sie ja alle nichts können, ein großes Schamgefühl entwickelt haben.

NEWS: Wie ist es möglich, dass sie die ganze Zeit von dem Kellerverlies nichts wusste?

Haller: Es scheint glaubwürdig, dass sie tatsächlich nichts von dem Kerker wusste. Das haben ja auch die Kriminalisten bis dato so ermittelt. Es lag am starken Despotentum ihres Mannes, dass sie sich, wie ich glaube, nichts zu hinterfragen traute. Josef F. war ja nicht nur körperlich stärker als seine Gattin, er ist auch gebildeter und finanziell besser gestellt gewesen als sie.

NEWS: Wie skizzieren Sie die Persönlichkeit der Frau?

Haller: Sie wird vor Jahrzehnten, als sie Josef F. kennen gelernt hat, einen vordergründig netten jungen Mann angetroffen haben. Die Probleme dieses Menschen sind dann erst im Lauf der Jahre manifest geworden. Sie hat durch die Identifikation mit dem Gewalttätigen diese Situation bewältigt. Ich denke, sie ist eine sich äußerst unterordnende, anspruchslose Frau, die sich kaum jemals zur Wehr setzte. Sie fand ihre Erfüllung im Leben durch die Kinder und deren Erziehung. Sie traute sich nicht, eigene Ansprüche zu stellen und hat sich an alles und jeden angepasst. Allein die Tatsache, dass sie sich nicht von ihrem Mann trennte, als er wegen Vergewaltigung eingesperrt wurde, zeigt, wie sehr er über sie verfügen konnte.

NEWS: Viele Menschen sagen heute, es sei unmöglich, dass niemand von Josef Fs Verbrechen etwas bemerkt habe …

Haller: Das erinnert mich sehr an den Fall Franz Fuchs (Briefbombenattentäter, Anm.): Damals konnte auch niemand glauben, dass hinter der Küchenwand einer ordentlichen und liebevollen Familie das Bombenhirn, vor dem sich ganz Österreich fürchtete, seine Sprengfallen bastelte. Und zwar unbemerkt.

Lesen Sie das ganze Interview im aktuellen NEWS 20/2008!