Prozess in Wien: Hochstapler schmückte sich mit Adelstitel 'Prinz Seyn-Wittgenstein'

Mittelloser Betrüger heißt "Alois" - Vier Jahre Haft Namensänderung sogar auf Magistrat durchgebracht

Ein vorgeblicher Prinz Seyn-Wittgenstein ist im Wiener Straflandesgericht wegen gewerbsmäßigen schweren Betrugs zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Der Mann, bei dem es sich in Wahrheit um einen armen Alois aus Tirol handelt, hatte sich im vergangenen Herbst in der Bundeshauptstadt als zahlungskräftiger Immobilienhändler bzw. Chefpilot ausgegeben und mit dieser Masche 60.000 Euro erschlichen. Der Hochstapler weist mehrere einschlägige Vorstrafen aus, so dass das Urteil recht streng ausfiel.

Zusätzlich wurden nämlich zwei offene Bewährungsstrafen im Ausmaß von weiteren drei Jahren widerrufen, so dass der 40-jährige Tiroler insgesamt sieben Jahre absitzen muss. Er war mit dem Urteil einverstanden. Staatsanwalt Gerhard Jarosch gab dagegen vorerst keine Erklärung ab, so dass der Schuldspruch vorerst nicht rechtskräftig ist.

Unter anderem hatte der angebliche Adelige einen Depotauflösungsschein über 580.000 Euro vorgelegte, um damit seinen Reichtum zu dokumentieren. Nichts davon stimmte: Das Dokument war gefälscht, der Mann hatte keinen einzigen Kunden, sondern war erst wenige Wochen zuvor aus einer mehrjährigen Haft entlassen worden - und Prinz war er auch keiner. In Wahrheit heißt der Mann schlicht Alois, und auch seinem richtigen Familiennamen würde man unter keinen Umständen eine "blaublütige" Abstammung zuschreiben.

Allerdings hatte der Betrüger in einer Zeitung eine Annonce entdeckt, in der eine Vertreterin des Geschlechts Seyn-Wittgenstein Interessenten eine Adoption versprach, falls diese im Gegenzug ihre Obsorge "bis ins hohe Alter" übernehmen würden. Der Mann meldete sich bei der älteren Dame und gab vor, er könne auf Hinterlassenschaften in England und der Schweiz zugreifen und sei Geschäftsführer eines 70 Hubschrauber umfassenden Luftfahrt-Unternehmens. Er werde sich gern um sie kümmern, wenn sie ihn zum Prinzen mache.

Die Dame hatte naturgemäß keine Ahnung, dass sich der Tiroler zu diesem Zeitpunkt als Lkw-Fahrer verdingte und dafür so wenig bezahlt bekam, dass er schließlich kündigte und die "Arbeitslose" vorzog. Spanisch kamen ihr seine Geschichten aber schon vor, so dass sie nichts unterschrieb.

Trotzdem schaffte es der Tiroler, dass die im Dezember 2005 von ihm beantragte Namensänderung durchging, weil offensichtlich der betreffende Magistratsbeamte die vorgelegten und vermutlich getürkten Unterlagen zu wenig prüfte. So wurde aus dem Mann scheinbar ein Seyn-Wittgenstein, und sofort schmückte er sich mit dem Familienwappen und ließ Visitkarten drucken, die ihn als Adeligen auswiesen.

"Ich wollte einfach diesen Namen führen", erläuterte er nun vor Gericht, wo er sich zu den angeklagten Betrügereien weitgehend geständig zeigte. Die angemieteten Luxusfahrzeuge - darunter ein Range Rover und ein Audi A6 - hatte er eben so wenig bezahlt wie Computer- oder Handyrechnungen. Er lebte im Wesentlichen von seinen Kreditkarten, die er einfach überzog. Um einen besseren Durchblick zu haben, ließ er sich am Auge operieren. Den Großteil der dafür angefallenen Kosten blieb er schuldig.

Dafür versuchte er am Ende, mit einer gefälschten Lohnbestätigung eine Kredit von 60.000 Euro zu ergaunern, um - so zumindest seine Absichten - auf Mallorca eine Privatbank zu gründen. Als der Schwindel aufflog auf, wurde der Hochstapler wieder ein Mal in Haft genommen.

(apa/red)