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Prozess gegen Welpendealer:
Paar droht Haftstrafe

Anklage wegen Betrugs und Tierquälerei. Angeklagte einschlägig vorbestraft.

Drei der geretteten Hundewelpen aus Wien Donaustadt gestorben © Bild: Wiener Tierschutzverein

Ein Paar aus Wien-Donaustadt soll über Jahre hindurch mit teils todkranken Welpen aus dem Osten gehandelt haben. Die beiden Angeklagten müssen sich deshalb am Donnerstag vor dem Landesgericht für Strafsachen in Wien verantworten. Sascha und Petra K. (Namen geändert) , beide 31, sind wegen schweren Betrugs, Tierquälerei und des Vergehens der Gefährdung des Tier- oder Pflanzenbestandes angeklagt. Ihnen drohen bis zu zehn Jahre Haft.

Der Fall ist im Dezember 2012 von der Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" aufgedeckt worden: Die Tierschützer haben die Machenschaften der Welpenhändler mit versteckter Kamera gefilmt. In der Wohnung des Paares fanden die Tierschützer, die sich als Käufer getarnt haben, 13 Welpen aus der Slowakei mit gefälschten Impfpässen, die übers Internet zum Verkauf angeboten wurden.

Die Tierschützer haben umgehend die Polizei eingeschaltet, nun müssen sich die Welpenhändler vor Gericht verantworten.

Ein verstecktes Video deckte den illegalen Welpenhandel auf:

© Video: VIER PFOTEN

Ein beauftragter Sachverständiger stellte bereits vor Gericht fest, dass es Tierquälerei sei, einen Welpen vom Muttertier wegzunehmen, bevor er acht Wochen alt ist, wie "Vier Pfoten" in einer Aussendung mitteilt. Für "Vier Pfoten"-Kampagnenleiterin Indra Kley bestätigt das Expertenurteil die Forderung der Organisation, "dass hier unbedingt auch der Tatbestand der Tierquälerei zu berücksichtigen ist" - abgesehen von den restlichen Anklagepunkten.

Gefälschte Impfpässe

Auch die Frage nach gefälschten Impfpässen steht bei dem Prozess im Raum: Die geladene Tierärztin der Angeklagten hat am ersten Prozesstag dazu laut Tierschützern ausgesagt: "Über Impfpässe weiß ich jetzt nichts". Die Herkunft der Hunde sei für sie nie ein Thema gewesen. Die Frage, ob sie Impfpässe überprüfe, bejahte sie. Der Anwalt von "Vier Pfoten", Josef Unterweger, legte dem Gericht daraufhin Kopien von Impfpässen vor, die bei den Angeklagten gefunden worden waren. Darin sind etwa als Name "Hund", als Nachname "Malteser" und als Postleitzahl "Langhar" (sic!) eingetragen. Zum Gesundheitszustand hat die Ärztin angegeben, die Hunde hätten auf sie "immer einen guten Eindruck gemacht".

Doch mit den Tieren war etwas ganz und gar nicht in Ordnung. Das beweist die traurige Tatsache, dass einige der verkauften Welpen inzwischen aufgrund des schlechten Gesundheitszustandes eingeschläfert werden mussten. Die Angeklagten haben schon Erfahrung mit dem lukrativen Geschäft, sie wurden wegen Welpenhandels zu 18 Monaten bedingter Haft verurteilt. Dennoch haben die Welpenhändler ihr Vorgehen vor dem Prozess im Interview mit NEWS verteidigt: "Wir sind keine Schwerverbrecher. Wir haben niemals bewusst etwas Böses getan", sagt Sascha K.

"Absolut erschreckend war jedoch, dass die Tierärztin keine Ahnung hatte, welche Impfungen für Welpen verpflichtend vorgeschrieben sind", sagt Indra Kley. Sie habe nicht angeben können, wann Hunde gegen Tollwut geimpft werden und wie lange es dauert, bis der Impfschutz wirklich vorhanden ist. Diese Ignoranz sei wirklich mehr als fahrlässig.

Welpendealer-Prozess: Vier Pfoten legt Kopien der vermutlich gefälschten Impfpässe vor.
© Vier Pfoten Die Kopie einer Seite aus einem slowakischen Impfpass

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"Wir hoffen, dass das Gericht am 6. März zu einem Urteil im Sinne der Anklage und letztendlich im Sinne des Tierschutzes kommt", teilt Kley mit, denn "Welpenhandel ist kein Kavaliersdelikt".

Welpenhandel-Prozess: Geschädigte sprechen

Weiterführender Link:

Vier Pfoten: Stoppt die Welpendealer

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fuerTiere

Tierschützer schätzen den Umsatz, der pro Jahr mit dem Handel von Hundewelpen aus Massenzuchten erwirtschaftet wird, auf fast 400 Millionen Euro jährlich‑ allein in Deutschland. Die Welpen, die auf Wochenmärkten oder in Annoncen angeboten werden, stammen zumeist aus Massenzuchten, Tierfabriken im osteuropäischen Ausland. Schon nach wenigen Wochen viel zu früh von den Mutterhündinnen getrennt, können die Kleinen nicht selten gerade erst laufen. Doch je kleiner und hilfloser das Hündchen wirkt, desto größer ist die Chance des Händlers, es zu verkaufen. Fast alle dieser Welpen sind krank, viele überleben nur wenige Wochen.

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