Prozess gegen Saddam fortgesetzt: Ex-Diktator steht in Bagdad wieder vor Gericht

Richter stellt Hussein formell unter Mordanklage Wegen Tötung von neun Menschen vor Gericht

Im Prozess gegen den früheren irakischen Präsidenten Saddam Hussein hat der Angeklagte jede Aussage zu den gegen ihn erhobenen Anschuldigungen verweigert. Der Gerichtsvorsitzende Rauf Abdel Rahman hat den Ex-Staatschef formell unter Mordanklage gestellt. Dieser lehnte es ab, auf schuldig oder nicht schuldig zu plädieren. "So behandelt man nicht den Präsidenten des Irak", erklärte er und wiederholte, dass er das Gericht nicht anerkenne.

Saddam Hussein muss sich nun wegen der Tötung von neun Menschen sowie wegen Folter von Frauen und Kindern und der rechtswidrigen Verhaftung von 399 Personen verantworten. Die Vorwürfe beziehen sich auf die Ereignisse nach einem Mordanschlag auf den Diktator im Jahr 1982 in der Ortschaft Dujail. Nach dem fehlgeschlagenen Attentat in Dujail hatten Sicherheitskräfte mehrere hundert Bewohner des Ortes festgenommen, darunter ganze Familien. Zeugen sagten aus, sie seien im Gefängnis gefoltert worden. 148 Schiiten wurden zum Tode verurteilt. Obwohl Saddam Hussein die Urteile laut mehreren graphologischen Gutachten unterzeichnet hatte, wurde er in diesem Punkt nicht angeklagt. Die Mordanklage bezieht sich lediglich auf den Tod von neun Menschen, die in den ersten beiden Tagen der Vergeltungsaktion ums Leben kamen. Alle acht Angeklagten müssen sich im Zusammenhang mit dem Massaker verantworten. Ihnen droht die Todesstrafe. (apa/red)