Prozess zu Madrider Terroranschlägen: Angeklagte beteuerten erneut ihre Unschuld

Urteil wird jedoch erst für Mitte Oktober erwartet Attentate kosteten 2004 191 Menschen das Leben

Zum Abschluss des Prozesses um die Madrider Terroranschläge vom 11. März 2004 haben mehrere der 28 Angeklagten nochmals ihre Unschuld beteuert. Der als Chefideologe der Attentäter beschuldigte Ägypter Rabei Osman al-Sayed bestritt jede Beteiligung an dem Blutbad. "Ich bitte das Gericht um Gerechtigkeit", sagte der 35-Jährige in seinem Schlusswort.

Auch der als weiterer Drahtzieher geltende Marokkaner Hassan al-Haski sagte: "Ich bin total unschuldig." Sein Landsmann Jamal Zougam, einer der mutmaßlichen Bombenleger, verurteilte die Attentate, ein anderer Angeklagter versicherte, er teile das Leid der Angehörigen der Opfer.

In einer Marathonsitzung hatten die Beschuldigten die Gelegenheit, sich ein letztes Mal vor dem Gericht zu äußern. Der mutmaßliche Sprengstoffbeschaffer, der spanische Ex-Bergarbeiter José Emilio Suárez, machte nicht von diesem Recht Gebrauch. Für ihn, Al-Sayed, Al-Haski, Zougam und vier weitere Hauptangeklagte fordert die Staatsanwaltschaft jeweils fast 40.000 Jahren Haft. Davon müssten sie nach spanischem Recht höchstens 40 Jahre absitzen.

Die Anklage sieht es als erwiesen an, dass die Bombenanschläge auf vier Madrider Pendlerzüge mit 191 Toten und mehr als 1800 Verletzten das Werk einer von El Kaida inspirierten islamistischen Terrorzelle waren, die von einer Gruppe früherer spanischer Bergarbeiter um Suárez den Sprengstoff erhielt. In dem viereinhalb Monate dauernden Prozess haben mehr als 300 Zeugen und rund 100 Sachverständige ausgesagt. Das Urteil wird für Mitte Oktober erwartet.

Am 57. und letzten Verhandlungstag hatte die Verteidigung zuvor den Freispruch des mutmaßlichen Chefideologen El Sayed gefordert. Die Anklage gegen ihn sei auf der Grundlage haltloser Indizien und illegal abgehörter Telefonate aufgebaut worden, sagte dessen Anwalt in seinem Schlussplädoyer. Der 35-Jährige sei kein Extremist und habe mit dem islamistischen Terrorismus nichts zu tun. "Mein Mandant ist ein einfacher Einwanderer, der zur Arbeitssuche nach Europa kam." Mit falschen Behauptungen habe die Polizei ihn jedoch als Terroristen dargestellt.

Al-Sayed, alias "Mohammed, der Ägypter", war im November 2006 in Italien wegen terroristischer Aktivitäten zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Die Anklage gegen ihn in Madrid beruht auf Telefongesprächen, die im April 2004 von der italienischen Polizei abgehört worden waren. "Die Sache in Madrid war mein Ding", sagte er darin unter anderem. Die Übersetzung aus dem Arabischen sei fehlerhaft, machte die Verteidigung geltend. Zudem sei Al-Sayed damals nicht vorbestraft und die Abhöraktion daher unzulässig gewesen.
(apa/red)