Prozess im Fall Nadina von

Mädchen nach OP behindert

Innsbrucker Klinik: Eltern von Vierjähriger klagen Krankenanstaltenbetreiber Tilak

Prozess im Fall Nadina - Mädchen nach OP behindert

Die kleine Nadina ist seit einer Hüftoperation im Landeskrankenhaus Innsbruck schwerbehindert, jetzt muss sich der Krankenanstaltenbetreiber Tilak vor Gericht verantworten. Die Eltern verlangen eine Entschädigung von knapp 363.000 Euro, wie die Arbeiterkammer Tirol mitteilte. Das heute vierjährige Mädchen war am 4. Jänner 2008 im Alter von sechs Wochen operiert worden. Bei der Behandlung kam es zu Komplikationen, die mit einem massiven Gehirnschaden des Kindes endeten.

Das Mädchen leidet laut dem Anwalt der Familie, Thomas Juen, unter anderem an tiefgreifenden Entwicklungs- und komplexen Wahrnehmungsstörungen, einer zerebralen Sehstörung und einer schweren Epilepsie mit therapieresistenten Krampfanfällen.

"Wir wollen die Wahrheit wissen, wir wollen den Kampf bis zu Ende führen", sagten Nadinas Eltern im November 2011 gegenüber dem ORF. Behandelnde Ärzte sowie die ärztliche Direktion dementierten stets, dass ein Behandlungsfehler vorliege, heißt es in einer Aussendung der Tiroler Arbeiterkammer (AK). Nach Angaben der Ärzte weise alles auf eine angeborene Stoffwechselerkrankung hin, die vor der Operation zu keinen Auffälligkeiten geführt habe.

Die Tiroler AK unterstützt die Familie seit Anfang 2010 in ihrem Kampf.
"Da die Eltern bei der Suche nach den Hintergründen für die schwere Behinderung ihrer Tochter weder von der Schiedsstelle in Arzthaftpflichtfragen noch von der Patientenanwaltschaft unterstützt wurden, haben wir uns des Falles angenommen", so die Arbeiterkammer.

Tilak zahlt Soforthilfe von 70.000 Euro
Die Eltern haben schließlich am 25. August 2011 eine zivilrechtliche Schadenersatzklage eingebracht. Daraufhin hat die Tilak im September 2011 eine erste Soforthilfe von 70.000 Euro an das schwerbehinderte Mädchen bezahlt. "Diese 70.000 Euro klingen ohne Hintergrundwissen nach viel Geld", sagt der Anwalt der Familie. De facto decke diese Summe aber nicht einmal Nadinas Pflegeaufwand für ein Jahr, berechnete der Jurist. Neben der Schadenersatzklage fordert Juen daher auch die Haftung der Tilak für künftige Schäden der Operation.

Gutachten ortet Behandlungsfehler
Seit März 2011 liegt laut AK Tirol ein Sachverständigengutachten von Jochen Strauß, Chefarzt der Klinik für Anästhesie der Georg-August-Universität Göttingen, vor. Das vom Anwalt der Eltern in Auftrag gegebene Gutachten unterstützt die Schadenersatzklage. Der Chefarzt stellt darin fest, dass das Kind vor der Operation völlig gesund war. Damit widerspricht er - ebenso wie zwei weitere Gutachten - den Angaben der Ärzte. Außerdem zweifelt der Sachverständige an der Richtigkeit des geführten Anästhesieprotokolls und weist auf mögliche Behandlungsfehler hin.

Ein zuvor im Schiedsverfahren eingeholtes anästhesiologisches Gutachten kritisiert Juen als offensichtlich lückenhaft und unseriös.