Provisionsskandal in der Shopping City:
Zahlten Händler für Standorte Millionen?

NEWS über den Einkaufstempel im Süden Wiens Neuer Eigentümer beendete dunkle Machenschaften

Ein Skandal erschüttert Österreichs größten Einkaufstempel. Jahrelang flossen Millionen an Provisionen rund um die Shopping City Süd (SCS). Jetzt räumen die neuen Eigentümer auf und wollen ein „sauberes“ Geschäftsmodell. Ein Topmanager musste nach langjähriger Tätigkeit deshalb gehen. Und so wie die täglich gut 100.000 SCS-Besucher sollte auch die Öffentlichkeit nichts von dem Skandal mitbekommen. Doch seit der langjährige SCS-Vorstand Christoph Adamek, dessen Vertrag noch bis Sommer 2010 gelaufen wäre, vor kurzem vorzeitig abtrat, brodelt die Gerüchteküche.

Provisionsskandal in der Shopping City:
Zahlten Händler für Standorte Millionen?

Die SCS, das sind 330 Geschäfte auf 225.000 Quadratmetern, die zu den begehrtesten Handelsflächen im Land zählen. Der Kampf um diese Flächen uferte in ein Provisionsunwesen aus, das von den Händlern lange zähne knirschend hingenommen wurde. Sie mussten in Summe Millionen zahlen, um gute Geschäfte mieten zu können.

Daraus hat sich offenbar ein Geschäftsmodell entwickelt, bei dem viele mitmachten und manche ganz gut verdienten. Zahlreiche Händler, mit denen NEWS im Zuge der Recherchen redete, sprechen von einem skandalösen Provisionsunwesen. Damit machen die neuen Eigentümer aber endgültig Schluss. Die Händler reagieren erleichtert. „Die neuen SCS-Eigentümer haben es jetzt gut im Griff. Das erleichtert die Situation für uns“, erklärt Juwelier Thomas Ellert, dessen Familie seit Eröffnung der SCS ebendort ein feines Geschäft betreibt.

Ein Aufdecker
Als die börsennotierte holländische Immobiliengesellschaft Unibail-Rodamco die SCS im Mai letzten Jahres um 607 Millionen Euro kaufte, ahnten die neuen Hausherren noch nichts vom lukrativen Provisionsgeschäft. Tatsächlich soll erst ein Händler den Stein ins Rollen gebracht haben, weil er keine Provision zahlen wollte. Er beschwerte sich beim neuen Management über hohe Forderungen. Da erst entdeckte man das System. Als Konsequenz wurden sämtliche Makler und Provisionäre vom Gelände der SCS verbannt: Wer ein Geschäft in der SCS mieten will, kann dies nur noch direkt über den Eigentümer bzw. das offizielle Management machen.

Der klare Schnitt betraf schlussendlich auch den langjährigen Manager Adamek, der als Vorstand für die Vermietung zuständig war. Adamek wehrt sich. „Das Ablösesystem ist schon so alt wie die SCS selbst“, entgegnet Adamek im Gespräch mit NEWS möglichen Vorwürfen. „Es war schon immer so: Wer einen guten Standort haben wollte, der hat sich einen guten Standort gekauft“, erklärt er. „Ich selbst habe nie Provisionen angenommen. Da wäre ich ja erpressbar gewesen“, entgegnet Adamek. „Es ist klar, dass jene, die nicht zum Zug gekommen sind, nicht meine Freunde sind und möglicherweise Gerüchte streuen.“

Markus Pichler, Geschäftsführer und als solcher Vertreter von Unibail- Rodamco in Österreich, bestätigt zwar, dass Adamek immer nur für eine befristete Übergangsphase als Vorstand geplant war, lässt aber auch seinen Unmut über das Provisionsunwesen erkennen. „Unter den alten Eigentümern hat es diese Dinge gegeben“, erklärt er im Gespräch mit NEWS. „Das war aber alles vor der neuen Zeit, und es hat wenig Sinn, sich im Detail damit zu beschäftigen. Wichtig ist, dass wir einen klaren Schnitt gemacht haben“, so Pichler zu NEWS. Und weiter: „Ich distanziere mich klar von solchen Geschäftspraktiken. Wir machen unsere Geschäfte sauber.“ Besonders ärgern dürfte es Pichler, dass die Provisionszahlungen ohne eine gewisse Duldung des SCS-Managements so nicht funktioniert hätten. Bis heute dürfte kaum jemand das ganze System klar durchblicken, wenn es denn ein großes System war, wie Adamek es angesprochen hat. Jedenfalls dürften sämtliche Provisionsfälle rechtlich korrekt über Dritte abgewickelt worden sein. Strafrechtliche Tatbestände wurden jedenfalls bislang nicht entdeckt oder bekannt.

Lesen Sie im aktuellen NEWS 49/09, was Schöps-Käufer Jamal Abdul Al-Wazzan mit dem Provisionsunwesen zu tun hat