Proteste dauern weiter an: Sarkozy will Tanklager-Blockaden auflösen lassen

Bereits mehr als 1.400 Personen festgenommen Gewerkschaft ruft zu Friedfertigkeit auf

Proteste dauern weiter an: Sarkozy will Tanklager-Blockaden auflösen lassen © Bild: Reuters

Nach tagelangen Massenprotesten gegen die Pensionsreform verschärft die französische Regierung den Ton. Präsident Nicolas Sarkozy kündigte die Räumung sämtlicher Treibstoffdepot-Blockaden an. "Wir werden so viele Depots wie nötig räumen", hatte Innenminister Brice Hortefeux kurz zuvor erklärt.

Im Großraum Paris kam es wieder zu Ausschreitungen. Im Vorort Nanterre warfen vermummte Jugendliche Fensterscheiben ein und schleuderten Steine auf Polizisten. Hortefeux drohte mit einem harten Vorgehen gegen die Randalierer: "Wir werden die Ganoven nicht ungestraft davonkommen lassen", sagte er. Die Gewalt sei "inakzeptabel".

Zu Krawallen kam es auch in Lyon, wo ein Auto in Flammen aufging. Bereits in den vergangenen Tagen hatten jugendliche Randalierer durch ihre Gewaltbereitschaft für Aufmerksamkeit gesorgt. Nach Angaben des Innenministeriums wurden innerhalb einer Woche mehr als 1.400 Personen festgenommen.

Etwa einem Drittel der 12.500 Tankstellen landesweit ist der Sprit ausgegangen. Betroffen sind auch zahlreiche Touristen, die die Herbstferien in Frankreich verbringen. Franzosen in grenznahen Gebieten weichen zum Volltanken nach Deutschland oder in andere Nachbarländer aus.

Schon in der Nacht zum Mittwoch ließ die Regierung Blockaden dreier großer Treibstofflager auflösen. Der Zugang zu drei von Demonstranten belagerten Depots in La Rochelle, Donge und Le Mans sei ermöglicht worden, sagte Hortefeux. Dadurch hätten Millionen Liter Benzin ausgeliefert werden können.

Kern des Protestes ist die von der Regierung geplante deutliche Anhebung des Pensionseintrittsalters. In den Protest mischt sich aber auch zunehmend eine allgemeine Unzufriedenheit mit der Regierung. Unter der Schlagzeile "Verhandeln Sie, Herr Präsident!", veröffentlichte die Zeitung "Liberation" eine Umfrage, wonach sich 79 Prozent der Befragten einen Dialog der Regierung mit den Gewerkschaften wünschen.

(apa/red)