Proteste in Ägypten bedrohen Wirtschaft: Tourismus & Ölpreis leiden durch Unruhen

Jeder achte Ägypter ist im Tourismus beschäftigt Ölpreis steigt erstmals seit 2008 auf über 100 Dollar

Proteste in Ägypten bedrohen Wirtschaft: Tourismus & Ölpreis leiden durch Unruhen
© Bild: Reuters/Salem

Wegen der nach wie vor anhaltenden Massenproteste in Ägypten gegen den seit 30 Jahren herrschenden ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak, hat das österreichische Außenministerium eine formelle Reisewarnung für die ägyptischen Städte Kairo, Alexandria, Suez und Ismailia und das gesamte Niltal herausgegeben. Reisende sollten auch die Zentren anderer Städte in Ägypten meiden. Die Unruhen bedrohen nicht nur den ägyptischen Tourismus, dessen Einnahmen entscheidend für das Land sind, sondern auch den Ölpreis, der wieder deutlich nach oben steigt.

2009 besuchten etwa 12,5 Millionen Urlauber Ägypten und sorgten dort für einen Umsatz von 10,8 Milliarden Dollar. In den ersten neun Monaten 2010 belief sich der Umsatz bereits auf mehr als neun Milliarden Dollar.

Jährlich urlauben rund 200.000 Österreicher in dem nordafrikanischen Staat. Die meisten Ägypten-Urlauber kommen jedoch aus Russland, Italien, Frankreich, Deutschland und Großbritannien. Jeder achte Bewohner des bevölkerungsreichsten Landes der arabischen Welt ist im Tourismus beschäftigt. Laut Angaben der ägyptischen Regierung machen die Einnahmen aus der Tourismus-Branche elf Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus und sind die Hauptquellen für Devisen.

Strände und Kairo beliebt
Touristen schätzen vor allem die Urlaubsorte fernab der übervölkerten Großstädte. Sie zieht es vor allem nach Hurghada und Sharm el-Sheikh am Roten Meer, wo sie an den Stränden das ganze Jahr über warme Temperaturen genießen können. Zusätzlich lockt es Millionen von Touristen jährlich in die Hauptstadt Kairo, in der die Pyramiden von Gizeh und das Ägyptische Museum für Besucheranstürme sorgen. Im Süden des Landes konzentrieren sich die Touristen vor allem auf die Städte Luxor und Assuan.

Nicht die erste Herausforderung für Tourismus
Die derzeitigen Unruhen sind nicht die erste Krise, die es für den Tourismus in Ägypten zu bewältigen gilt. 1997 wurden beu einem Anschlag auf den antiken Tempel in Luxor 58 Touristen und vier Ägypter erschossen. Anschläge wie jene vom 11. September 2001 auf das World Trade Center in New York, die zweite palästinensische Intifada sowie eine ganze Reihe von Bombenanschlägen in Urlaubsorten auf dem Sinai zwischen 2004 und 2006 wirkten sich ebenfalls negativ auf den Tourismus aus. Die Reisebuchungen gingen daraufhin zwar zurück, die Buchungszahlen erholten sich jedoch jeweils recht schnell wieder. Der Zehn-Jahres-Trend zeigt jedenfalls nach oben.

Ölpreis steigt
Nach oben geht derzeit auch der Öl-Preis. Zum ersten Mal seit Oktober 2008 stieg der Preis für Brent-Öl wieder auf über 100 Dollar pro Fass (159 Liter). Ägypten ist zwar kein Öllieferant, kontrolliert jedoch den Suez-Kanal und damit die kürzeste Seeverbindung zwischen Europa und Asien. Über ihn läuft fast ein Zehntel des weltweiten Seehandels, darunter ein erheblicher Teil an Öllieferungen.

Anleger befürchten nun, dass die Krise in Ägypten den ganzen Nahen Osten in eine instabile Lage versetzen könnte, wodurch die Öllieferungen über den Suez-Kanal ausfallen könnten.
EU-Energiekommissar Oettinger sieht trotz der Krise in Ägypten die sichere Ölversorgung für Europa nicht gefährdet, denn "Ägypten ist für das Thema Öl eine überschaubare Größe".

(apa/red)

Kommentare

blockade des suezkanals kein problem, wirtschafsembargo gegen ägypten. aber, es gehört geprüft, ob wirklich blockaden, oder spekulation!

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