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Prostatakrebs: Was
Sie wissen sollten

Die haarsträubendsten Mythen, Risikofaktoren und wie Mann vorbeugen kann

Prostata Symbolbild © Bild: iStockphoto

Das Prostatakarzinom ist in westlichen Industrienationen nach Hautkrebs die häufigste Krebsart bei Männern, in der Altersgruppe über 60 Jahren sogar die führende Diagnose. In Europa ist Prostatakrebs die dritthäufigste krebsbedingte Todesursache: Alles sechs Minuten stirbt ein europäischer Mann daran, das bedeutet mehr als 90.000 Todesfälle jährlich. In Österreich werden pro Jahr rund 4.500 bis 5.000 Neuerkrankungen verzeichnet, mehr als 1.100 Männer sterben daran - weit mehr als durch Verkehrsunfälle.

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Über die Hintergründe, Vorsorgemaßnahmen und Behandlungsmöglichkeiten des Prostatakarzinoms befragte Andreas Linhart den Spezialisten Prim. Dr. Wolfgang Loidl, Vorstand der urologischen Abteilung am Krankenhaus der Barherzigen Schwestern in Linz.

»Was ist und wo liegt die Prostata?«

Grobe Wissensmängel

Eine Umfrage brachte Erschreckendes zutage: So wissen 80 Prozent der Männer in Österreich nicht, wo die Prostata in ihrem Körper liegt und welche Funktion sie ausübt! Und vier Prozent der Befragten glaubten gar, sie könnten allein schon durch die Untersuchung ihrer Prostata impotent werden. Da wundert es nicht, dass nur jeder vierte Mann in Österreich zur Vorsorgeuntersuchung geht.

Also zur Sache: Die Prostata oder Vorsteherdrüse liegt unterhalb der Harnblase und umkleidet den Anfangsteil der Harnröhre. Aus diesem Grund kann es bei einer krankhaften Vergrößerung der Prostata zu Problemen beim Wasserlassen kommen. Die kastaniengroße Drüse produziert eine Flüssigkeit, die beim Samenerguss den in den Hoden gebildeten Samenzellen beigemengt wird. Die Prostata hat zwar keinen Einfluss auf die sexuelle Potenz, aber ihr Sekret ist ein Aktivierungs- und Transportmittel für die Spermien. Das Wachstum des Prostatagewebes steht unter dem Einfluss des männlichen Sexualhormons Testosteron, das in den Hoden produziert wird.

»Was sind Risikofaktoren für Prostatakrebs?«

Alter, Ernährung & Familie

Zu den wichtigsten Risikofaktoren für Prostatakrebs zählen das Lebensalter (ab dem 50. Lebensjahr steigt das Risiko rapid), ungesunde Ernährung (z.B. hoher Konsum von tierischen Fetten) und die familiäre Häufung. Wenn ein männlicher Blutsverwandter (Großvater, Vater, Onkel oder Bruder) an Prostatakrebs erkrankt ist, erhöht sich das Risiko, selbst ein Prostatakarzinom zu bekommen. Männer mit einer solchen erblichen Vorbelastung erkranken zudem in jüngeren Jahren als der Durchschnitt der Betroffenen und sollten daher frühzeitig (ab dem 40. Lebensjahr) die Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch nehmen.

»Welche Möglichkeiten der Früherkennung gibt es?«

Diagnose

Das Tückische am Prostatakrebs ist, dass er im Frühstadium nahezu immer symptomlos ist. Um einen bösartigen Tumor möglichst früh zu erkennen, raten Experten jedem Mann daher ab dem 45. Lebensjahr einmal jährlich zur Vorsorgeuntersuchung. Basismethode ist die rektal-digitale Untersuchung: Dabei wird die Vorsteherdrüse von der Innenwand des Mastdarms aus mit dem Finger abgetastet. So kann der Urologe Form, Größe und Konsistenz beurteilen. Eine Verhärtung oder Schwellung des Gewebes kann auf einen Tumor hinweisen.

Darüber hinaus gibt die Bestimmung des prostataspezifischen Antigens im Blut (PSA-Test) einen wichtigen Hinweis auf das Vorhandensein eines Prostatakarzinoms.

Weitere Untersuchungen zur Diagnose-sicherung sind die translokale Ultraschalluntersuchung (lokale Ausbreitung), eine Gewebeentnahme (Biopsie) bzw. Feinbiopsie/Stanzbiopsie. Die endgültige Diagnose wird durch die mikroskopische Untersuchung der Gewebeprobe gestellt. Das Ergebnis der Prostata-Biopsie (d.h. die Entnahme von acht bis zwölf Proben) entscheidet über weiterführende Untersuchungen wie Computertomographie (Ausbreitung) und Knochenszintigraphie (Ausbreitung in Knochen).

»Welche Therapieoptionen gibt es?«

Gute Heilungschancen

Frühzeitig erkannt und medizinisch richtig behandelt, bestehen gute Heilungsaussichten. So beträgt die Fünf-Jahres-Überlebensrate rund 90 Prozent. Je nach Alter des Patienten und dem Schweregrad der Erkrankung stehen unterschiedliche Therapieoptionen zur Auswahl:

Prostatektomie: Bei lokal begrenztem Prostatakarzinom ist eine operative Entfernung des Organs möglich.

Bestrahlung: Ist eine in vielen Studien belegte gleichwertige, nebenwirkungsärmere Alternative. Erfolgt entweder von außen (perkutane Strahlentherapie) oder durch "Spickung" (Brachytherapie) der Prostata mit radioaktivem Material.

Hormontherapie: Wird eingesetzt als palliative Therapie bei metastasierenden Tumoren (betrifft bis zu 40% der Patienten) oder ergänzend zu anderen Therapiemaßnahmen, um die Bildung bzw. Wirkung von Testosteron zu hemmen. Nach monate- oder jahrelanger Therapie werden viele Krebszellen allerdings "kastrationsresistent", der Androgen-Entzug verliert an Wirkung.

In diesem "kastrationsrefraktären" Stadium der Erkrankung gab es bis vor einem Jahrzehnt keine wirklich tauglichen Therapien. In den letzten Jahren wurde aber eine Vielzahl neuer, vorwiegend medikamentöser Behandlungsformen entwickelt, die an spezialisierten Zentren durchgeführt werden. Neben Chemotherapien kommen Therapien mit neuen Wirkmechanismen zur Anwendung. Am hoffnungsvollsten davon hat sich der einmal täglich oral einzunehmende Wirkstoff Enzalutamid erwiesen, der auf allen drei Signalwegen des Androgenrezeptors ansetzt. Eine Phase III-Studie, u.a. an österreichischen Kliniken durchgeführt, zeigte statistisch signifikante Vorteile beim Gesamtüberleben (37% geringeres Todesrisiko) und beim progressionsfreien Überleben sowie eine 17-monatige Verzögerung der Zeit bis zur Initiierung einer Chemotherapie.

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