Propaganda-Zentralen: So unterschiedlich sind die Headquarters von SPÖ und ÖVP

Hier leiten Darabos und Lopatka den Wahlkampf FORMAT über die verschiedenen Wahlkampfstrategien

Propaganda-Zentralen: So unterschiedlich sind die Headquarters von SPÖ und ÖVP

Zwei Parteien, zwei Wahlkampfstrategien. Die unterschiedlichen Eingangstüren sind der erste Unterschied. Der erste von mehreren, aber einer, der ins Auge sticht. Will man dieser Tage Einblick erhalten in die Wahlkampfzentralen von ÖVP und SPÖ, müssen selbst Journalisten die richtige Tür erst einmal finden.

Die Sozialdemokraten haben sich für die Zeit des Wahlkampfs bis zum 1. Oktober in einem modernen Großraumbüro auf 600 Quadratmeter im ersten Wiener Gemeindebezirk eingemietet. Die Adresse lautet Bäckerstraße 1, 1. Stock. Dort sucht man vergeblich nach einem roten Logo oder Pickerl, einem Gusenbauer-Lächeln oder zumindest nach einem Türschild. Als sich schließlich doch noch eine Tür öffnet, gibt ein junger Parteimitarbeiter den Weg frei ins Reich von Norbert Darabos, den 42-jährigen Wahlkampfleiter der SPÖ.

An Reinhold Lopatka, Darabos' Pendant auf ÖVP-Seite, kommt man derzeit nicht vorbei. Der 46-jährige Steirer hat seine Kommandozentrale wie eh und je in seinem Büro in der Lichtenfelsgasse 7, der Parteizentrale der Bundes-ÖVP. Davor beruhigt ein überdimensionaler Wolfgang Schüssel die Österreicher auf seinen Sommerplakaten, die ja zurzeit auch in ganz Österreich zu sehen sind: "Hier geht es uns gut" und "Gute Aussichten" will Lopatka via Schüssel den Österreichern damit sagen.

Weil die SPÖ dazu mehrheitlich eine diametral entgegengesetzte Meinung vertritt und die baulichen Gegebenheiten in der roten Bundesgeschäftsstelle in der Löwelstraße nach Ansicht der Parteistrategen keine reibungslose Kommunikation über mehrere Stockwerke zulässt, musste ein Großraumbüro "zu marktüblichen Preisen" angemietet werden. Die Lage in der Wiener City ist hervorragend, der Eissalon Zanoni am Lugeck in Ruf-und Sichtweite. Ein Wiener Immobilienmakler schätzt gegenüber FORMAT den Mietwert auf zirka 9.500 Euro pro Monat, ohne Betriebskosten.

Bis zu 70 Mitarbeiter sollen hier in der Hochphase des Wahlkampfes für die SPÖ arbeiten, aufgeteilt auf verschiedene Bereiche wie Frauen, Jugend, Internet oder Werbung. Derzeit sind es maximal 40 Personen, neben Parteiangestellten und zwei Vertrauensleuten des US-amerikanischen SPÖ-Beraters Stanley Greenspan tippen hier auch Studentinnen wie die Tochter des Schauspielers Erwin Steinhauer in ihren Ferien an Presseausendungen, arbeiten an der Gestaltung von Plakaten oder beobachten und analysieren die Winkelzüge des politischen Gegners. Wie auch umgekehrt die ÖVP.

Kurz vor der Pressekonferenz von SPÖ-Spindoktor Darabos zwängt sich auch der Besitzer der Dogge "Nathan" unter die Journalisten und holt seinen Notizblock samt Tonband aus der Tasche. "Nathan" lungert tagsüber in der Lichtenfelsgasse herum, zwei Stockwerke über dem Büro von Reinhold Lopatka. Der Besitzer des Hundes ist einer von 40 Mitarbeitern, die in der Wahlkampfzentrale der ÖVP arbeiten. Aussendungen müssen geschrieben, Fotos bearbeitet und die ÖVP-Homepage auf aktuellem Stand gehalten werden. Und das alles ohne Klimaanlage, die man in den Juli-Hundstagen wohl schmerzlich vermisst hat.

Im Gegensatz zur SPÖ fehlt in der schwarzen Wahlkampfzentrale das kommunikative Element. Als Lopatka zum Fotoshooting im dritten Stock auftaucht, wird er mit den Worten begrüßt: "Besuchst du uns auch einmal!" Erklärt wird das Verzichten auf ein eigens angemietetes Wahlkampfbüro mit der föderalen Struktur der Volkspartei. Die Landesparteien würden weitgehend autonom handeln, eine zentralistische Steuerung à la SPÖ sei nicht zielführend, meint Lopatka, bevor er weiter zum nächsten Termin muss: Ein Tageszeitungsgründer wartet bereits im Büro zwei Stockwerke tiefer.

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