Promoviert mit Plagiat: In Österreich wurde
jeder dritte akademische Titel erschlichen

NEWS: Ein Plagiatsjäger fahndet nun nach Sündern Steirische Studentin kupferte Hälfte ihrer Arbeit ab

Zuerst tagelanges Literaturstudium an der Unibibliothek. Danach nächtelanges Verweilen vor dem Computer, nur wach gehalten von einer Tasse Kaffee nach der anderen. Konzepte werden aufgestellt und wieder verworfen, später vom Professor noch in letzter Minute Änderungen in die fast fertige Arbeit hineinreklamiert. Ein wochen-, ja oft monatelanger monotoner Trott, angetrieben nur von einem einzigen Ziel: dem Abschluss der Diplomarbeit und dem Erwerb eines begehrten akademischen Titels.

So verläuft nach landläufiger Meinung ein Studium in der Schlussetappe. Doch immer mehr Magister und Doktoren in spe haben mittlerweile einfachere Wege zu akademischen Weihen entdeckt.

Mickymaus-Forschung
So auch eine 28-jährige Steirerin, die an der Universität Klagenfurt Medien-und Kommunikationswissenschaft studierte. Elisabeth N. widmete sich in ihrer Diplomarbeit der TV-Kinderserie "Wickie und die starken Männer". 121 Seiten benötigte die angehende Akademikerin, um letztendlich zum Schluss zu kommen, dass - Zitat - "Kinder Wickie gerne sehen, weil die Sendung lustig und spannend ist".

"Noch konnte keiner ahnen", erklärt der Salzburger Medienwissenschaftler Stefan Weber, "dass diese Arbeit, die ohnedies so schon mehr Mickymaus-Forschung als Wissenschaft darstellt, großteils abgekupfert war."

Doch so viel Fäulnis hätte selbst Weber nicht erwartet: "Es reicht, einen Satz aus ihrem Theorieteil zu googeln, und man gelangt automatisch auf eine Diplomarbeitsbörse im Netz." Dort dürfte die angehende Frau Magistra für zehn Euro eine Arbeit erworben und diese großteils übernommen haben - ohne auch nur ein einziges Mal ein Zitat anzugeben. Resultat: 50 Seiten der Diplomarbeit sind eins zu eins aus dem WWW abgekupfert.

Jeder Dritte kupfert ab
Für Weber ist die Klagenfurter Causa nur die Spitze des Eisbergs: "Landesweit dürfte es Tausende ,falsche' Akademiker geben, da anzunehmen ist, dass jede dritte Arbeit Plagiate enthält."

Auch an der mit 63.000 Studierenden größten heimischen Hochschule, der Universität Wien, ist man sich des Problems bewusst. "Ab dem kommenden Wintersemester setzen wir eine 20.000 Euro teure Software ein", erläutert Studienpräses Brigitte Kopp, "um Arbeiten auf Plagiate hin zu überprüfen." Für den Fall des Entdeckens will VP-Wissenschaftssprecherin Gertrude Brinek noch im Herbst strengere Strafen durchsetzen: "Denn derzeit kann ein Titel nur nachträglich aberkannt werden. Man sollte hingegen die Studierenden bei entdeckten Abkupferungsversuchen von der Uni verweisen können, so wie das auch in den USA praktiziert wird."

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