Homosexualität von

Promis über ihr Outing

Conchita Wurst, Uwe Kröger, Thomas Klein, Alfons Haider und Co. erzählen davon

Conchita Wurst © Bild: APA/Hochmuth

Der Hype um Wurst, der bevorstehende "Life Ball" - bloß Momentaufnahmen der Toleranz? Hier sprechen sieben Prominente in berührender Offenheit über die schwierigste Phase ihres Lebens. Jene Zeit, in der ihre Homosexualität öffentlich wurde.

Conchita Wurst, 25, Song-Contest-Superstar

Mein Outing vor meiner Familie war 2007. Ich war damals gecastet worden, um bei "Starmania“ aufzutreten. Ich bin mit 14 Jahren von zu Hause ausgezogen, um in Graz in die Schule zu gehen, habe dort alles offen gelebt, weil ich mir dachte: Das ist so weit weg, meine Eltern erfahren das nie. Ich hatte einen Freund, es ging mir großartig. Da stand ich vor der Wahl: Outest du dich daheim im Ort nicht, so bietest du ihnen wie früher in der Schule eine Angriffsfläche.

Und da habe ich mich dann entschieden, es zu tun. Diese Befreiung war so überwältigend, dass ich auch den anfänglichen Frust meiner Eltern gut verstanden habe. Es ist nicht leicht, wenn man in einem kleinen Dorf ein Gasthaus hat. Aber ich werde von ihnen bedingungslos geliebt - und das kann ich nur jedem wünschen.

Die schwerste Zeit nach meinem Outing war, als ich sah, wie schwer meine Eltern das zu Beginn genommen haben - und zu hören, wie sie angegriffen wurden und immer noch angegriffen werden. Auch wenn sie jetzt sehr cool damit umgehen, tut es mir weh, dass sie das abbekommen. Ich würde so gerne alles auf mich nehmen und sie da raushalten. Unter dem Deckmantel der Anonymität schreiben die Menschen leider alles ins Internet. Und bis jetzt hatten in den letzten Jahren gerade einmal fünf Menschen die Eier, mir ins Gesicht zu sagen, was sie von mir halten.

Ganz oft passiert es, dass sie bei mir vorbeigehen und in Hörweite noch einen Satz fallen lassen. Dass ich jetzt so ein Selbstbewusstsein habe, war ein Entwicklungsprozess. Man muss zuerst lernen, sich selbst zu lieben und zu wissen, was man im Leben will - und dann entwickelt man eben die Stärke, dass einem die Anfeindungen anderer Menschen nichts mehr anhaben können.

Uwe Kröger, 49, Musical-Star

Beim Zivildienst hat sich erstmals ein Mann für mich interessiert. Ich dachte: Aha, ich bin auch attraktiv für Männer. In Berlin, als Student bei einem Engagement in den Kammerspielen, habe ich mich dann zum ersten Mal in einen Mann, Greg, verliebt. Er war neun Jahre älter, bildschön und danach sieben Jahre lang mein Freund. Die Kollegen fanden es toll, haben uns unterstützt. Ich habe mich gefragt: Bin ich jetzt homosexuell oder bisexuell? Lange wollte ich dem Ganzen keinen Namen geben. Irgendwann sagte ich mir: Ich war mit Frauen zusammen, aber jetzt liebe ich einen Mann, und er ist toll. Punkt.

Mit meiner Familie habe ich nie darüber gesprochen. Ich habe Greg eines Tages einfach mit nach Hause genommen und ihn vorgestellt: "Das ist mein Freund.“ Meine Eltern haben nicht nachgefragt. Ich dachte: Solange ihr nicht fragt, mache ich es nicht zum Thema. Aber ich wusste immer: Meine Mutter liebt mich, egal, wie ich lebe.

Den Schritt an die Öffentlichkeit habe ich nie gemacht, das haben 2003 Zeitungen für mich übernommen. Wir wollten aus Respekt vor der Familie meines Freundes nicht aktiv an die Öffentlichkeit, obwohl es kein großes Geheimnis mehr war. Ein Journalist hat es dann geschrieben. Es hat mein Leben aber nicht verändert, denn mein Umfeld und meine Fans hatten es längst akzeptiert. Mancher Produzent sorgte sich, ob er mich besetzen kann. Ich dachte nur: Aha, interessant, na schauen wir mal. Das ist dann das Problem der anderen, nicht meines.

Uwe Kröger am Life Ball
© APA/Herbert P. Oczeret

Thomas Klein, 50, Almdudler-Erbe

Ich habe mich zwischen 20 und 25 Jahren sexuell zwischen Mann und Frau bewegt. Als ich 27 war, habe ich Rosa, meine spätere Frau, kennengelernt und war mir sicher, dass sie mein Leben bestimmt. Nach der Geburt unserer jüngsten Tochter habe ich aber bemerkt, dass ich sexuell doch mehr an Männern interessiert bin. Aus Angst, meine Frau und unsere drei Kinder für immer zu verlieren, habe ich jedoch lange versucht, dieses Gefühl in mir zu unterdrücken.

Als der psychische Druck immer größer geworden ist, habe ich mich meiner Frau dann doch irgendwann anvertraut. Und ich hatte das große Glück, dass Rosa meine Homosexualität akzeptieren konnte. Allerdings ist sie mit unseren Kindern von Wien nach Mallorca übersiedelt, hat sich dort mit ihnen ein neues Leben aufgebaut. Das alles war Arbeit, die von Tränen und sehr viel Toleranz begleitet war. Heute jedoch haben wir es als Familie geschafft, uns alle so zu akzeptieren wie wir nun einmal sind. Rosa ist mein Lebensmensch geworden.

Thomas Klein und Christina Stürmer
© APA/Almdudler

Alfons Haider, 56, Entertainer

Kurz vor meinem 40. Geburtstag hat mir ein Unbekannter per Brief gedroht: "Wenn du nicht aufhörst, du schwule Sau, dann outen wir dich“. Deshalb habe ich das bei einer Gala der Aids-Hilfe, die ich moderiert habe, einfach selbst getan, und allen, die dort waren, diesen Brief vorgelesen.

Ich hätte nie gedacht, dass ich mit meinem Coming-out dann auf die Cover von NEWS, profil oder Spiegel komme. Auch heute noch werde ich nach jedem Auftritt angefeindet, ernte massive Beschimpf-ungen. Eines ist wichtig: Man muss lernen, das alles nicht an sich heranzulassen. Doch das ist mir selber am Anfang sehr schwer gefallen.

Alfons Haider
© APA/ANDREAS PESSENLEHNER

Die ganze Geschichte mit weiteren Outings finden Sie im aktuellen NEWS in Ihrem Zeitschriftenhandel oder als E-Paper-Version.

Kommentare

es zeigt, dass viele menschen zu wenig über dieses thema wissen und genau das macht angst und lässt menschen grausam darüber reden...

Es schockiert mich wirklich extrem dass noch heute homosexuelle Menschen öffentlich (oder auch in kleinem Rahmen) angefeindet werden. Ist das Wien, die Weltstadt????

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