Promi-Anwalt von

Burkhard Benecken: "Gina-Lisa
Lohfink hatte nicht die geringste Chance"

Promi-Anwalt - Burkhard Benecken: "Gina-Lisa
Lohfink hatte nicht die geringste Chance" © Bild: Boris Roessler/dpa/apa

Burkhard Benecken vertritt als Anwalt zahlreiche Prominente, darunter den Starkoch Frank Rosin oder Gina-Lisa Lohfink. Gibt es vor Gericht einen "Promi-Bonus"?

Burkhard Benecken ist Strafverteidiger und "Promi-Anwalt". Seine wohl bekannteste Mandantin war die Reality-Darstellerin Gina-Lisa Lohfink. Ihr Prozess ging durch die Medien. Gut fünf Jahre nach einer angeblichen Vergewaltigung wurde der Prozess gegen Lohfink 2017 endgültig abgeschlossen.

© Kay Nietfeld / POOL / AFP Anwalt Burkhard Benecken mit seiner Klientin Gina-Lisa Lohfink

Auch Sterne-Koch Juan Amador, der in Wien zwei Restaurants besitzt, nahm die Dienste von Benecken in Anspruch - "Wir haben uns über einen gemeinsamen Freund kennen und schätzen gelernt", berichtet Amador. Es sei eine "außergewöhnlich entspannte Atmosphäre gewesen", beschreibt der Koch die Zusammenarbeit mit dem Anwalt.

Doch was macht den Reiz für Benecken aus mit Promis zu arbeiten und denkt er als Strafverteidiger auch an die Gegenseite, die Opfer?

News: Herr Benecken, Sie vertreten als Strafverteidiger Mörder, Drogendealer, man kann sagen die harte Sorte. Wieso tut man sich das als Anwalt an?
Burkard Benecken: In einem Rechtsstaat gibt es einen Anspruch auf Verteidigung. Diesen Auftrag führe ich mit viel Leidenschaft aus. Dabei spielt es für mich nicht die geringste Rolle, was meinen Mandanten vorgeworfen wird.

»Ich bewundere die Kreativität, die einigen Verbrechen zugrunde liegt«

Bewundern Sie eigentlich Verbrecher?
Ich bewundere nicht die Verbrecher, aber die Kreativität, die einigen Verbrechen zugrunde liegt. Wenn diese Menschen ihre Fähigkeiten in vernünftige Bahnen lenken würden, könnten es teilweise sehr erfolgreiche Unternehmer sein.

Gibt es denn so etwas wie das perfekte Verbrechen?
Ja, es gibt das perfekte Verbrechen. Das ist so perfekt, dass es kein Strafverfahren gibt, weil man es nicht einmal bemerkt. Ich habe Mandanten kennengelernt, die mir von ihren nie entdeckten, "perfekten" Verbrechen wie Mord oder dem Millionen-Drogen-Deal berichtet haben.

»Für Mitgefühl ist in Strafverfahren kein Raum«

Können wir prinzipiell alle zum Verbrecher werden?
Jeder Mensch kann in einer Ausnahmesituation zum Verbrecher werden, insbesondere gilt dies für Affekttaten.

Schauen wir auf die andere Seite. Auf der Gegenseite stehen oftmals die Opfer, ihre Familie. Sehen Sie diese Seite eigentlich auch?
Mein Job ist es nicht, die Opfer zu betreuen. Das muss man professionell angehen, für Mitgefühl ist in Strafverfahren kein Raum.

Sie vertreten als Anwalt auch zahlreiche Prominente: Würden Sie sich auch selbst als Promi-Anwalt bezeichnen?
Der Begriff "Promi"-Anwalt wird teilweise falsch verstanden, nämlich arrogant im Sinne von: Der Anwalt ist der Star. Dabei bedeutet dieser Begriff, dass man als Anwalt Prominente vertritt. Ebenso nennt man den Anwalt des Geschädigten "Opfer-Anwalt".

»Der Promi-Anwalt ist fast ein Priester«

Was unterscheidet die Arbeit mit Prominenten von nicht-Prominenten?
Prominente sind dem Anwalt fast immer gegenüber sehr offen, weil der Anwalt zur Verschwiegenheit verpflichtet ist. Promis trauen oft nicht mals Ihrem Partner, weil sie im Streitfalle Weitergabe pikanter Informationen an die Medien fürchten. Daher ist der Promi-Anwalt fast ein Priester, die Kanzlei wird nahezu zum Beichtstuhl.

Was reizt Sie an der Arbeit mit Promis?
Promis vertreten kann nicht jeder Anwalt, weil man insbesondere im Umgang mit den Medien sehr erfahren sein sollte: Ein falsches Statement im Zusammenhang mit einem Strafverfahren, und das Image des Promis kann angekratzt sein.

Geht es ihnen aber nicht auch darum Schlagzeilen zu machen?
In den meisten Promi-Mandanten dringt nie ein Wort an die Presse. Wenn man allerdings regelmäßig als Anwalt in spektakulären Prozessen aktiv ist, wird einem natürlich vorgehalten, man selbst wolle Schlagzeilen produzieren. Strafverteidiger Rolf Bossi hatte dies in seiner einzigartigen Karriere regelmäßig. Mit diesem Vorwurf kann ich gut leben, sonst dürfte ich keine Promis mehr verteidigen.

Lesen Sie eigentlich Klatschzeitschriften?
Ich bin ein großer und bekennender Fan von "Klatsch-Journalismus". Ich entspanne, wenn ich nach harten Strafverfahren einfach mal etwas völlig banales lesen kann.

...Ganz insgeheim, gibt es einen Promi den sie gerne vertreten wollen würden?
Ich wollte früher immer einen großen Schauspieler anwaltlich vertreten, ohne eine konkrete Person vor Augen zu haben. Seitdem ich Nastassja Kinski anwaltlich beraten habe, hat sich dieser Wunsch erfüllt.

»Unser Gehirn hält Promis für "Familienmitglieder"«

Der Titel ihres Buches lautet „Stars zwischen Macht und Ohnmacht“. Wie drückt sich diese Macht aus und wann sind Stars ohnmächtig?
Das Rampenlicht birgt ständig Situationen zwischen Macht und Ohnmacht. Promis sind oft einerseits den Sternen nah, anderseits droht häufig der tiefe Fall.
TV Koch Frank Rosin beispielsweise hat sich einen starken Namen, eine Marke, aufgebaut, und dann kommt ein Betrüger und missbraucht die Marke "Rosin", indem er einer ahnungslosen Dame vorspiegelt, er sei Rosins Kooperationspartner für ein neues Restaurant. In Solchen Situationen ist ein Promi regelrecht ohnmächtig.
Oder Fußballprofi Ralf Fährmann...

...Was war da los?
Da sitzt er ahnungslos beim Friseur, er hatte seinen Wagen auf einem Motorradparkplatz vor dem Salon geparkt, und da macht ein Klatsch-Reporter ein Photo von Fährmanns Ferrari aus verzerrter Perspektive, und am nächsten Tag folgt die (falsche) Schlagzeile: Ferrari Fährmann parkt in der Feuerwehrausfahrt.
Selbst wenn Du juristisch gegen die Zeitung gewinnst, die Meldung ist draußen und es bleibt immer etwas hängen. Da ist der Promi ohnmächtig. Bei Otto-Normalverbraucher würde es keinen Menschen interessieren, ob er sein Auto falsch parkt oder nicht.

Sie haben gesagt "in uns steckt im Grunde noch immer der Höhlenmensch, der in prominenten Gesichtern mächtige Clanmitglieder sieht und sein Verhalten darauf einstellt“ – Was meinen Sie genau damit?
Psychologische Studien haben herausgefunden, dass wir uns deshalb so für Klatsch & Tratsch interessieren, weil wir die Gesichter der Promis so häufig sehen, Sie wieder erkennen und unser Gehirn sie daher für "Familienmitglieder" hält. Der Urzeitmensch in uns schaut deshalb genau hin, was Promis machen, weil wir in der steinzeitlichen Höhle von unseren Clanmitgliedern durch Imitation gelernt haben. Ich finde es beeindruckend, dass uralte Programmsätze in uns wirken und unser scheinbar oberflächlich und peinlich wirkendes Interesse an Prominenz erklären.

»Lohfink hat juristisch verloren, sie hatte nicht die geringste Chance«

Kommen wir auf den Reality-TV-Star Gina-Lisa Lohfink zu sprechen. Frau Lohnfink war einer ihrer bekanntesten Fälle. Wenn Sie zurückblicken, würden Sie heute etwas anders machen?
Lohfink hat juristisch verloren, sie hatte nicht die geringste Chance. Ich hatte vor dem Verfahren mit Richterin und Staatsanwältin gesprochen und habe Lohfink gesagt: Wenn wir in diesen Prozess gehen, wird es schwer bis unmöglich, die meines Erachtens eindeutig bestehende Unschuld Lohfinks herauszuarbeiten. Lohfink war und ist bis heute froh, dass sie sich nicht einem offensichtlich gegen Sie eingestellten Berliner Justizapparat gebeugt hat. Und: Moralisch ist sie nicht nur deshalb die große Gewinnerin: Sie hat durch diesen Strafprozess erst das "Nein heißt Nein"-Gesetz ermöglicht. Deshalb hat sich unser Kampf absolut gelohnt.

© APA/dpa-POOL/Jörg Carstensen Das Model Gina-Lisa Lohfink kommt mit ihren Anwälten Christian Simonis (li.) und Burkhard Benecken am 08.08.2016 ins Amtsgericht Tiergarten in Berlin.

Was war Frau Lohfink für eine Klientin?
Frau Lohfink ist privat sehr sensibel und eine Gerechtigkeitsfanatikerin. Bis heute kann sie es nicht akzeptieren, dass sie ersichtlich ohne ein Motiv für eine angebliche Falschverdächtigung verurteilt wurde. Sie sagt zu Recht: "Wenn ich wirklich ein Spektakel auf juristischem Gebiet hätte veranstalten wollen, hätte ich nicht zwei Nobodies aus dem Berliner Nachtleben, sondern einen weltbekannten Fußballprofi fälschlich eines Sexualdeliktes verdächtigt".

Haben Sie noch Kontakt zu Frau Lohfink?
Der Kontakt zu Frau Lohfink hat sich durch das Verfahren intensiviert. Sie ist sehr froh, dass ich ihr offen von Anfang an meine Meinung gesagt und alles probiert habe, was juristisch möglich war. Und die Berliner Justiz war nicht grundlos so sauer auf Lohfink und mich; wir haben mit aller Deutlichkeit die Befangenheit der Mitwirkenden Protagonisten betont: Angefangen von der Staatsanwältin über die Richterin bis hin zur Pressesprecherin, die eine falsche Geschichte über uns Verteidiger erfunden und vor der Presse kundgetan hat. Genugtuung hatten wir aber durch den Richter in der Revisionsinstanz: Der hat aus seiner Befangenheit gar keinen Hehl gemacht und Lohfink und mich wüst beschimpft. Er hat all das bestätigt, was wir vorher moniert hatten.

»Justitia ist nicht blind, wenn es um Promis geht«

Welche Rolle spielen die Medien in solchen "Promi-Prozessen"?
Medien sind die vierte Staatsgewalt und beeinflussen meines Erachten auch gerichtliche Entscheidungen.

Wie das?
Es heißt oft genug, dass es bei der Justiz einen Promi-Bonus gäbe. Genau das führt meines Erachten dazu, dass Justitia nicht blind ist, wenn es um Promis geht. Die Justiz fasst daher nach meinem Erleben Promis viel härter an als "Otto-Normal-Verbrecher".

Und das war bei Gina-Lisa Lohnfink auch der Fall?
Bei Lohfink war es ein Paradebeispiel, fast schon eine Komödie:
1. Lohfinks Einkommen für die Höhe der Geldstrafe hat die Staatsanwaltschaft der Klatschpresse entnommen.
2. Lohfinks Verfahren wurde nur geführt, weil sie die Vermutung geäußert hatte, sie habe Ko-Tropfen bekommen. Dies ist juristisch zulässig, als man das auf unseren Einwand in Berlin erkannte, wurde einfach die Begründung ausgetauscht.
3. Die Richterin sagte am ersten Gerichtstag vor versammelter Presse: Sie kennen meine Meinung doch schon aus dem Strafbefehl, also dem vorab ergangenen Urteil im schriftlichen Verfahren.
Wir haben zwei weitere Frauen gefunden,die ein und denselben Herren auch der Vergewaltigung bezichtigt hatten. Immer die gleiche Staatsanwältin hat allen drei Frauen inklusive Lohfink nicht geglaubt und den Herrn laufen lassen. Ein Verfahren wegen falscher Verdächtigung ist aber nur gegen die Prominente Person Lohfink eingeleitet worden.
4. Die Pressesprecherin war-wie die gesamte Justiz- mit dem Verfahren ersichtlich überfordert & hat uns Verteidiger wahrheitswidrig unterstellt vor versammelter Presse, wir hätten angeblich Störenfriede ins Gericht bestellt, um unsere eigene Mandantin beleidigen zu lassen. Unfassbar, aber wahr!
5. Weil die Richterin sich meines Erachten uns Verteidigern verbal unterlegen fühlte, hat sie den Saal gewechselt & wir bekamen im neuen Saal, der riesig und mit Mikrofonen ausgestattet war, nur dann das Wort, wenn die Richterin das Mikrofon einschaltete. Genüsslich sagte sie zu uns Verteidigern: "Jetzt müssen Sie um das Wirt bitten"
6. Der Richter in der Revisionsinstanz wollte meines Erachtens den stark lädierten Ruf der Berliner Justiz retten & redete sich um Kopf und Kragen. Er bezeichnete die von mir unterschriebene Revisionsschrift vor der Presse als "anfängerhaft". Tatsächlich hatte eine der renommiertesten deutschen Revisionsrechtler die hervorragende Revision für mich geschrieben. Durchsichtiger geht es kaum.

Welches Fazit ziehen Sie daraus?
Traurig an diesem unseriösen Auftritt des Richters sind die Folgen: Ich habe viele Zuschriften und Anrufe von Frauen bekommen, die Opfer eines Sexualdeliktes geworden sind. Mehrere sagten mir, dass sie sich nach den Worten dieses "schäumenden" Richters nicht mehr zur Polizei trauen würden zur Anzeigenerstattung. Überhaupt hätten sie nach dem Umgang mit Frau Lohfink Angst, selbst später auf der Anklagebank zu sitzen. Mit dieser Verantwortung wird dieser Richter und die Berliner Justiz leben müssen.

© Goldegg-Verlag "Stars zwischen Macht und Ohnmacht" von Burkhard Benecken ist im Goldegg-Verlag erschienen.

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