"profil": Bawag-Prüfbericht dokumentierte 2001 Teile der verlustreichen Karibik-Deals

Investment über 350 Mio. in OeNB-Bericht dargestellt Darstellung der Investments von OeNB angezweifelt

Wie das Nachrichtenmagazin "profil" in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, wurden in jenem Bericht, der im Jahr 2001 von der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) über eine im Auftrag des Finanzministeriums erfolgte Prüfung der Bawag verfasst worden war, Teile der verlustreichen so genannten Karibik-Geschäfte ausführlich analysiert.

Finanzminister Karl-Heinz Grasser hat in der Nationalratsdebatte vom 29. März behauptet, dass im Bawag-Prüfbericht der OeNB "kein Wort über ein Engagement der Bawag in der Karibik" und "kein Wort über ein weiteres Engagement von 350 Millionen Euro im Jahr 2000 enthalten ist".

Auf Seite 24 des Erhebungsberichts der OeNB ist unter Punkt 7.4, der den Titel "Performanceabhängige Anleihen" trägt, freilich vermerkt: "Die Bawag hat sich zu Beginn des Geschäftsjahres 2000 mit einem Volumen von EUR 350 Mio an einer von der Investmentfirma International Asset Management Limited mit Sitz auf Bermuda angelegten Konstruktion, die sich aus sieben unterschiedlichen Fonds (davon sind sechs Fonds Off-Shore domiziliert) zusammensetzt." Dabei handelte es sich um exakt jene 350 Millionen, die unter der Gestion von Wolfgang Flöttl im Oktober mittels Yen-Zinsenswaps verspekuliert wurden.

Gegenüber den OeNB-Prüfern hatte die Bawag die eingetretenen Verluste verheimlicht und behauptet, die Investments seien zum Zeitpunkt der Prüfung, die im Dezember 2000 begonnen und im Februar 2001 geendet hatte, bereits wieder rückgeführt gewesen. Weiters hatte die Bawag behauptet, dass "sowohl die einzelnen Fonds als auch die Fondsgesellschaften ... rechtlich selbstständig und voneinaner unabhängig" gewesen seien.

Letztere Behauptung wurde im Bericht erheblich angezweifelt, wie "profil" berichtet. Den OeNB-Prüfern war aufgefallen dass die "Fonds" trotz ihrer angeblichen Unabhängigkeit und Selbstständigkeit, praktisch idente Wertentwicklungen aufwiesen: "Insofern kann/konnte eine ein Klumpenrisiko nicht ausgeschlossen werden." Und handelte es sich tatsächlich um "ein einziges Engagement ..., wäre weiteres auch die Großveranlagungsgrenze ... überschritten worden", folgerten die Prüfer.

Bei einer nochmaligen, tiefer gehenden Prüfung, welche das Finanzministerium anordnen hätte können, wäre vermutlich auch entdeckt worden, dass dass International Asset Management Limited eine Gesellschaft ist, die dem Einflussbereich von Wolfgang Flöttl zuzurechnen ist. Was die von der Bawag gegenüber der OeNB abgegebene Erkärung, mit Wolfgang Flöttl, "in keiner laufenden Geschäftsbeziehung zu stehen", in einem anderen Licht erscheinen hätte lassen.

Der profil vollständig vorliegende Bericht listet zudem eine Vielzahl weiterer Mängel beziehungsweise Unzulänglichkeiten sowie eine Reihe von Verstößen gegen das Bankwesengesetz (BWG) auf. Besonders scharf bemängelten die OeNB-Prüfer die Unzulänglichkeiten der Internen Revision der Bawag. Die Dienstanweisungen der Innenrevision waren "völlig unaktuell"; in eigesehenen Kontrollberichten waren zu bestimmten Geschäftsbereichen "keinerlei Prüfungshandlungen ... dokumentiert"; "eine Prüfungsfunktion" war "daher nicht gegeben"; der 1994 abgegebenen Verpflichtung, die "Sondergeschäfte" in der Karibik "jährlich zu prüfen", war "zumindest seit dem Oktober 1998 nicht mehr nachgekommen" worden.

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