Pröll und Faymann im Mehrfrontenkampf: Druck für Parteichefs aus eigenen Reihen

NEWS über Sackgassen bei Regierungsverhandlungen Faymanns Troubles und Pröll vor der Zerreißprobe

Pröll und Faymann im Mehrfrontenkampf: Druck für Parteichefs aus eigenen Reihen © Bild: APA/Schlager

Derzeit haben es ja beide Herren nicht leicht. Der eine, Werner Faymann, hat sich bereits klar auf die rot-schwarze Koalition als einzige Möglichkeit eingeschworen. Der andere, Josef Pröll, kämpft hingegen mit einer äußerst aufmüpfigen Basis. Und beiden gemeinsam ist, dass sie in einer inhaltlichen Frage nicht allzu viel Spielraum haben.

Die unterschiedlichen EU-Positionen von SPÖ und ÖVP, die schon die letzte Koalition letztlich über die Klinge hatten springen lassen, erschweren nun auch dem SPÖ-Vorsitzenden und dem schwarzen Chef das politische Leben.

Ursprünglich waren beide Herren ja zuversichtlich, in nur wenigen Wochen eine Regierung schmieden zu können. Mittlerweile greift wieder Misstrauen um sich. „Was, wenn die Roten uns nur linken wollen und dann doch eine Minderheitsregierung machen?“, sorgt sich etwa ein Schwarzer. Was, „wenn die ÖVP wieder nur zu streiten beginnt und überhaupt nicht kompromissbereit ist?“, kontert ein Roter. In der Tat sind die Regierungsverhandlungen kein Spaziergang sans souci.

Faymanns Sorgen
SPÖ-Chef Werner Faymann muss schließlich die Fehler seines Vorgängers an der Parteispitze vermeiden. Das heißt, dass er sowohl bei den Studiengebühren – die die ÖVP wieder einführen will – als auch in der Frage einer Volksabstimmung bei neuen weit reichenden EU-Verträgen keinesfalls nachgeben darf. Würde er einer neuerlichen Einführung der Studiengebühren zustimmen, wäre ihm eine Parteirevolte, ähnlich wie sie Alfred Gusenbauer erlebt hat, sicher. Würde er seine EU-Position aufgeben, würde ihm wohl die Freundschaft mit „Krone“- Chef Hans Dichand sehr rasch abhanden kommen.

Prölls Zerreissprobe
Denn noch kritischer schaut es derzeit für Josef Pröll aus. Immerhin hat seine Partei das Wahldesaster noch nicht verdaut. Weite Kreise der schwarzen Basis scheuen eine Neuauflage der großen Koalition wie der Teufel das Weihwasser und wollen bloß zustimmen, wenn „wir wirklich viel dafür bekommen“. Hermann Schützenhöfer, der steirische VP-Landeschef, wagt sich als (vorläufig) einziger Parteigrande aus der Deckung: Seine Bürgermeister und die Parteibasis lehnten die Gespräche mit der SPÖ zu 84 Prozent (!) ab. Schützenhöfer: „Die ÖVP braucht Zeit. Es darf nicht der Eindruck erweckt werden, es gehe uns nur um ein paar Posten, wir wollten so rasch wie möglich den Teppich über all das, was nicht aufgearbeitet ist, drüberlegen. Das wäre der Humus der nächsten Niederlage!“

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