Produkt "krankhafter Fantasie": Lawrow
zieht Sanktions-Pläne der EU ins Lächerliche

Seitenhieb auf den Westen und auf Saakaschwili Bernard Kouchner: "Sanktionen werden erwogen"<br>PLUS: Russland testet wieder Langstreckenraketen

Produkt "krankhafter Fantasie": Lawrow
zieht Sanktions-Pläne der EU ins Lächerliche © Bild: Reuters

Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat Überlegungen der EU, wegen der Kaukasus-Krise Sanktionen gegen sein Land zu verhängen, als ein Produkt "krankhafter Fantasie" kritisiert und ins Lächerliche gezogen. "Das ist eine Demonstration völliger Konfusion", erklärte Lawrow. Mit ironischem Unterton sagte der russische Außenminister hinzu, die EU sei "einfach nur irritiert, weil der kleine Liebling gewisser westlicher Hauptstädte (der georgische Präsident Michail Saakaschwili, Anm.) ihre Erwartungen nicht erfüllt hat".

Lawrow reagierte auf Äußerungen der französischen EU-Ratspräsidentschaft, wonach die Staats- und Regierungschefs auf dem Sondergipfel am kommenden Montag auch über die Möglichkeit von Sanktionen beraten wollen. Einzelheiten dazu nannte Außenminister Bernard Kouchner nicht. Neben Strafmaßnahmen hat "mein Freund Kouchner auch davon gesprochen, dass wir bald Moldawien, die Ukraine und die Krim angreifen werden. Aber das ist eine krankhafte Fantasie, und das gilt genauso für die Sanktionen", sagte Lawrow.

EU erwägt Sanktionen
"Sanktionen werden erwogen, neben anderen Maßnahmen", hatte der französische Außenminister Bernard Kouchner gesagt, dessen Land derzeit die EU-Ratspräsidentschaft hat. Forderungen vor allem osteuropäischer Staaten nach Strafmaßnahmen gegen Moskau hatte der Chefdiplomat bisher zurückgewiesen.

Kouchner sagte, er wolle den Beratungen der EU-Staats- und Regierungschefs am Montag nicht vorgreifen. Man wolle beim EU-Sondergipfel zum Kaukasus-Konflikt aber einen "starken Text" ausarbeiten, aus dem klar hervorgehe, "dass wir die Situation (in Georgien) nicht akzeptieren". Russland hatte am Dienstag die beiden abtrünnigen georgischen Provinzen Südossetien und Abchasien anerkannt und damit vollendete Tatsachen in dem Konflikt gesetzt. Der Westen hält an der territorialen Integrität Georgiens fest.

Saakaschwili: Putin will die Sowjetunion
Der georgische Präsident Michail Saakaschwili glaubt indes, dass der russische Ministerpräsident Wladimir Putin das Sowjet-Imperium wiedererrichten will. In einem Interview mit der baltischen Nachrichtenagentur BNS sagte Saakaschwili, auch andere ehemalige Sowjetrepubliken wie die Ukraine oder das Baltikum müssten mit militärischen Attacken Moskaus rechnen.

Putin habe zwei Dinge klar gemacht. Nämlich, dass ihn "niemand im Kaukasus bekämpfen und westliche Flugzeuge ihn nicht im Baltikum stoppen" würden. "Seine Pläne gehen über Georgien und den Kaukasus hinaus. Seine Pläne beinhalten die Ukraine, die baltischen Staaten, Zentralasien und - schlussendlich - die Wiederherstellung der Sowjetunion", so der georgische Präsident im BNS-Wortlaut. Der russische Premier wolle "Rache" üben für den Kollaps der Sowjetunion und für die Demütigung Russlands.

In Hinblick auf die Anfang der Woche erfolgte Anerkennung der Souveränität der beiden abtrünnigen georgischen Gebiete Abchasien und Südossetien durch Russland sagte Saakaschwili in dem Interview, Georgien würde "niemals" auf diese verzichten. Suchumi (die abchasische Hauptstadt, Anm.) sei für Georgien so wie Vilnius oder Kaunas für Litauen, zog der georgische Präsident einen Vergleich mit den beiden wichtigsten Städten des baltischen Landes.

(apa/red)