Musiker verstorben von

Prodigy-Sänger
Keith Flint ist tot

Keith Flint, der Sänger von The Prodigy, ist tot. Der 49-Jährige wurde tot in seinem Haus in der englischen Grafschaft Essex gefunden.

Punk-Frisur, schwarzer Kajal um die Augen und Piercings: Kritiker haben Keith Flint oft als Ikone der harten elektronischen Musik bezeichnet. In den 90ern stürmte er mit seinen Band-Kollegen von The Prodigy die Charts. "Ich bin wie ein Haus mit einem Flur", hat Flint einmal über sich geschrieben. "Du denkst, Du seiest schon drinnen, doch dann muss man für das echte Ich noch eine Tür öffnen - und das kann zu etwas Gutem oder Schlechtem führen." Am Montag ist der britische Sänger tot aufgefunden worden. Er wurde 49 Jahre alt.

The Prodigy: Wegweisend für elektronische Musik

The Prodigy, die im englischen Braintree zusammenfanden, sahen zwar aus wie Punks - allen voran Flint mit damals an grüne Teufelshörner erinnernder Frisur. Sie setzten aber nicht auf Gitarre und Schlagzeug, sondern auf Samples. Es entstand eine Musikrichtung irgendwo zwischen Hardcore, Techno und Rock. "Ich bin wie der Kerl, der bei einem Auftritt aus dem Publikum auf die Bühne springt und sich nicht vertreiben lässt", beschrieb es Flint. "Auch für diesen Kerl spielen wir."

Eigentlich war Flint als Tänzer zu der Gruppe gestoßen. Später übernahm er aber dazu Gesang und Rap. Auch sein Text machte den Song "Firestarter" zu einem Meilenstein. Sein Auftritt als verrückt umherzappelnder Teufel im dazugehörigen Schwarz-Weiß-Musikvideo blieb in den Köpfen einer Generation hängen.

© APA/HERBERT P. OCZERET

Brachialer Klang, heftige Videos und als anstößig empfundene harsche Wortwahl brachte der Band Kritik, aber eben auch viel Aufmerksamkeit und Erfolg ein. Flint wurde mit seinen energiegeladenen Auftritten zum Gesicht der Gruppe. In einem Beitrag für die Zeitung "The Guardian" schrieb er über sich selbst: "Die Leute denken oft, dass dieses ganze Energiegeladene nur für die Bühne ist, aber das bin einfach ich." Seiner punkigen Art wegen sei er schon von der Schule geflogen.

Flint war nicht nur Motorradfahrer. Dem Adrenalinjunkie gehörte auch ein Motorsport-Team, mit dem er sogar einige Siege verbuchen konnte. "Ich kann recht selbstzerstörerisch sein, wenn man mich allein lässt, darauf muss ich achten", schrieb er für den "Guardian". Er sei immer durstig nach mehr - würde er nichts tun, er würde explodieren.

Erst im Oktober erschien neues Album

Erst im Oktober war das siebente Album von The Prodigy erschienen. Für dieses Jahr standen weltweit schon zahlreiche Konzerttermine an. In Österreich hatten sie zuletzt am Nova Rock im vergangenen Juni eine mitreißende Show geliefert.

Die Band hat Flints Tod inzwischen bestätigt. "Zutiefst geschockt und mit Traurigkeit bestätigen wir den Tod unseres Bruders und Freundes Keith Flint", teilte The Prodigy per Kurznachrichtendienst Twitter mit.

Die Polizei in der englischen Grafschaft Essex hatte zuvor mitgeteilt, ein 49-Jähriger Mann sei am Morgen leblos in seinem Haus gefunden worden. Berichten zufolge soll es sich dabei um Flint handeln. Zur Todesursache äußerte sich die Polizei zunächst nicht. Von einem Verbrechen wird aber nicht ausgegangen.

Prodigy-Mitgründer spricht von Selbstmord

Prodigy-Mitgründer Liam Howlett postete auf Instagram, dass Flint Selbstmord begangen habe. "Unser Bruder Keith hat sich am Wochenende das Leben genommen. Ich bin geschockt, scheißwütend, verwirrt und mein Herz ist gebrochen. R.I.P Bruder Liam."

Die Band würdigte den exzentrischen Sänger in einer Mitteilung als "wahren Pionier, Innovator und Legende". Flint werde "für immer vermisst werden". The Prodigy entstammte der Szene der illegalen Rave-Partys in London und kreierte eine einzigartige Mischung verschiedener Musikstile.

Ihre größten Erfolge feierte die Gruppe in den 90er-Jahren mit Songs wie "Firestarter" und "Breathe" und dem skandalträchtigen "Smack My Bitch Up". Flints Markenzeichen waren seine zu Hörnern gestylten Haare, schwarz geschminkten Augenhöhlen und exzentrischen Tanzeinlagen, die für ein minderjähriges Publikum anfangs als zu furchteinflößend eingestuft wurden. Die Musikvideos von The Prodigy wurden von einigen TV-Sendern in Großbritannien daher zunächst nur am späten Abend ausgestrahlt.

Ed Simons von dem Elektronik-Duo Chemical Brothers zeigte sich betroffen vom Tod Flints. "Mein Gott, so traurig von Keith Flint zu hören", schrieb Simons auf Twitter. "Großartiger Mann."

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Wer Suizidgedanken hat, sollte sich an vertraute Menschen wenden. Oft hilft bereits das Sprechen über die Gedanken dabei, sie zumindest vorübergehend auszuräumen. Wer für weitere Hilfsangebote offen ist, kann sich an die Telefonseelsorge wenden: Die Psychiatrische Soforthilfe bietet unter 01/31330 rund um die Uhr Rat und Unterstützung im Krisenfall. Die österreichweite Telefonseelsorge ist ebenfalls jederzeit unter 142 gratis zu erreichen.

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