Prodi erwägt das Amt des Justizministers:
Mastella selbst unter Korruptionsverdacht

Interimslösung für Ministerpräsident vorstellbar Bereits 2007 Ermittlungen gegen Ehepaar Mastella

Prodi erwägt das Amt des Justizministers:
Mastella selbst unter Korruptionsverdacht © Bild: AP/Cito

Der italienische Ministerpräsident Romano Prodi überlegt, die Leitung des Justizministeriums interimistisch zu übernehmen. Prodi will sich zu diesem Schritt entschließen, nachdem italienische Medien über die Verwicklung von Justizminister Clemente Mastella in einen ausgedehnten Korruptionsskandal in seiner Heimatregion Kampanien berichtet hatten.

Prodi könnte das Ressort vorübergehend führen, bis die Vorwürfe gegen Mastella, Chef der christdemokratischen Regierungspartei Udeur, geklärt seien, verlautete aus Regierungskreisen in Rom.

Korruptionsvorwurf gegen Mastella
Der 60-jährige Mastella, der wegen eines Ermittlungsverfahrens gegen seine Frau Sandra Lonardo ein Rücktrittsgesuch eingereicht hat, steht selbst im Zentrum dieser Untersuchung. Das Ehepaar gehöre zu einer Gruppe von 23 Personen, gegen die das Gericht der Stadt Santa Maria Capua Vetere wegen Korruption und Unterschlagung ermittle, verlautete aus Justizkreisen. Sandra Lonardo war am Mittwoch unter Hausarrest gestellt worden. Prodi hatte Mastellas Demissionsgesuch zwar abgelehnt und den Minister aufgefordert, seine Entscheidung zu überdenken. Eine Verwicklung in das Ermittlungsverfahren dürfte Mastellas Verbleib in dem Regierungsamt jedoch unwahrscheinlich machen.

Konkret wird Mastella vorgeworfen, einen Angehörigen auf einen einflussreichen Posten manövriert zu haben. Er soll deswegen den Präsidenten der Region Kampanien, Antonio Bassolino, erpresst haben. Dieser bestritt jedoch, Opfer Mastellas zu sein. Anhänger der Udeur-Partei riefen zu einer Solidaritätskundgebung mit Mastella vor dem Polizeisitz der kampanischen Stadt Benevento auf. Mastella sei Opfer einer Verfolgungsaktion vonseiten politisch stark beeinflusster Richter.

Logische Konsequenz?
Ein Rücktritt Mastellas erschien in den vergangenen Tagen aus anderen Gründen schon immer wahrscheinlicher. Gegen den Politiker waren im vergangenen Jahr bereits Ermittlungen wegen des Vorwurfs der Bereicherung bei europäischen Hilfsprogrammen eingeleitet worden. Er bestritt damals alle Vorwürfe und hielt an seinem Amt fest.

Mastellas katholische Partei Udeur repräsentiert landesweit nur 1,4 Prozent der Wähler. In Kampanien im Süden des Landes verfügt sie jedoch über Rückhalt. Mastellas Partei stellt drei Senatoren und trägt damit zur knappen Mehrheit von Prodis Koalition in der zweiten Kammer des Parlaments bei. Wegen seiner häufigen Parteiwechsel und einer umstrittenen Amnestie, die er 2006 über die Bühne gebracht hatte, gehört Mastella zu den unbeliebtesten Minister der Regierung Prodi. (apa/red)