Probleme mit dem Uni-Zugang: Von Klage über Neuregelung bis zu neuem Verfahren

Österreichische Medizin-Quote beschäftigt auch EU

Im Anschluss eine Chronologie der Probleme mit dem Uni-Zugang - von der Klage der EU-Kommission über den Wettlauf um die Medizin-Studienplätze bis zur Neuregelung.

31. März 2003: Die EU-Kommission klagt Österreich wegen der Diskriminierung anderer EU-Bürger beim Universitätszugang. Anders als österreichische Studenten, die nur die Matura vorweisen müssen, brauchen Schulabgänger mit Reifeprüfungszeugnissen aus anderen EU-Mitgliedstaaten auch eine Zugangsvoraussetzung zur gewünschten Studienrichtung in ihrem Heimatland, etwa eine Aufnahmeprüfung oder eine Mindestnote für den Numerus clausus (NC).

20. Jänner 2005: Der Generalanwalt des EuGH beantragt die Verurteilung Österreichs.

13. Juni: An der Medizinischen Universität Wien beginnt die Vorerfassung für einen der 1.560 Studienplätze im Wintersemester 2005/06 nach dem Motto "Wer zuerst kommt mahlt zuerst". Die Inskription beginnt am 4. Juli.

7. Juli 2005: Das EuGH-Urteil ergeht: Österreich habe nicht sichergestellt, dass die "Inhaber von in anderen Mitgliedstaaten erworbenen Sekundarschulabschlüssen" unter den gleichen Voraussetzungen wie österreichische Maturanten studieren dürfen. Nach dem Urteil müssen nun EU-Studenten und Österreicher gleich behandelt werden, sprich: Zugangsbeschränkungen für alle oder für niemanden.

8. Juli 2005: Der Nationalrat eröffnet mit Koalitionsmehrheit den Hochschulen die Möglichkeit, in acht Fächern (Medizin, Zahnmedizin, Veterinärmedizin, Biologie, Psychologie, Pharmazie sowie Betriebswirtschaftslehre und Publizistik) Studienplatzbeschränkungen einzuführen.

11. Juli 2005: Auf Grund des großen Andrangs bricht die Medizin-Uni Wien die Vorerfassung ab. Zu diesem Zeitpunkt sind bereits mehr als 1.000 Personen fix inskribiert, um die letzten etwa 500 Plätze konkurrieren knapp 1.700 Vorangemeldeten, davon 1.300 Deutsche.

- Bereits nach dem ersten Wochenende gehen an der Medizin-Uni Innsbruck knapp 600 Bewerbungen für die 550 Anfänger-Studienplätze ein, mehr als die Hälfte davon aus Deutschland.

18. Juli 2005: Sämtliche 1.560 Studienplätze an der Medizin-Uni Wien sind vergeben. Von den 1.560 Studienanfängern sind 1.127 Österreicher (72 Prozent), 267 Deutsche (17 Prozent) und 166 (elf Prozent) sonstige Ausländer. An der Medizin-Uni Graz beginnt die Vorerfassung für alle Erstsemestrigen.

20. Juli 2005: An der Medizin-Uni Graz sind schon rund 1.450 Personen (rund 700 davon aus Deutschland, rund 640 aus Österreich, rund 110 aus anderen Staaten) vorangemeldet. Die Vorerfassung wird für einige Tage ausgesetzt. Am Schluss sind mehr als 3.400 Studienwerber vorerfasst, wovon sich knapp 1.500, die Hälfte davon aus Deutschland, auch tatsächlich inskribieren.

25. August 2005: Ende der Bewerbungsfrist an der Medizin-Uni Innsbruck: Rund 75 Prozent der 1.720 gültigen Bewerbungen für 550 Studienplätze stammen aus Deutschland. Nach Abschluss des Verfahrens bleiben nur rund 40 Prozent Deutsche übrig - 55 Prozent der Plätze gehen an Österreicher.

3. Oktober 2005: An der Veterinärmedizinischen Universität Wien (VUW) gehen die 283 Anfänger-Studienplätze zu 56 Prozent an Österreicher, zu 38,5 Prozent an Deutschen und zu 5,5 Prozent an andere ausländische Studenten. Nach der Voranmeldung waren noch mehr als 60 Prozent der Studienwerber aus Deutschland.

11. November 2005: In Wien tagt erstmals eine europäische Arbeitsgruppe, die Grundlagen für eine politische Lösung beim Uni-Zugang finden soll.

16. Jänner 2006: Über 1.000 der knapp 1.500 Inskribierten treten an der Medizinischen Universität Graz (MUG) zum Aufnahmetest für den Aufstieg in das zweite Semester an. 100 Plätze werden vergeben: 57 Österreicher, 40 Deutsche und drei Studierende aus anderen Ländern setzen sich durch.

13. Februar 2006: Österreich präsentiert eine neue Zugangs-Regelung für die Medizin-Universitäten. Ab dem Wintersemester 2006/07 sind an den Medizin-Unis 75 Prozent der Anfänger-Studienplätze für Studenten mit österreichischem Reifezeugnis reserviert, 20 Prozent für Studenten mit in einem anderen EU-Land ausgestellten Reifezeugnis und fünf Prozent für solche mit einem Maturazeugnis aus einem Nicht-EU-Land. In den anderen beschränkten Fächern gibt es keine Änderungen.

7. Juli 2006: Beim Eignungstest für Medizin-Studenten in Wien und Innsbruck treten 3.645 Personen an, die um 1.140 Plätze rittern. Auf Grund der Quotenregelung gehen 75 Prozent der Plätze an Österreicher - rein nach den Testergebnissen wären es nur 46 Prozent gewesen.

1. September 2006: Beim Aufnahmetest der Medizin-Uni Graz kämpfen 685 Bewerber um 160 Plätze. Die 75-Prozent-Quote "rettet" erneut viele österreichische Bewerber - ohne Quote wären nur rund 60 Prozent der Studienplätze an Österreicher gegangen.

24. Jänner 2007: Die EU-Kommission will über die Zulässigkeit der österreichischen Quotenregelung entscheiden . Allgemein wird die Einleitung eines EU-Verfahrens gegen Österreich erwartet.

(apa)