Private Sicherheits-Unternehmen im
Irak: Zwischen Wachleuten und Söldnern

US-Armee lagert zahlreiche Tätigkeiten aus Misshandlungs- und Tötungsvorwürfe im Raum

Jeder Terroranschlag lässt die Kassen von privaten Sicherheitsfirmen klingeln. Vom Schutz für Ölplattformen in Nigeria bis zur Begleitung von Hilfskonvois in Afghanistan: Private Sicherheitsfirmen setzen jährlich rund 100 Milliarden Dollar (78,3 Mio. Euro) um. Am lukrativsten und zugleich umstrittensten ist der Einsatz dieser Unternehmen in dem im Chaos versinkenden Irak. Immer wieder gab es Vorwürfe, diese Firmen würden sich nicht nur beim Schutz von Gebäuden, Personen und Konvois engagieren, sondern auch in Kampfhandlungen eingreifen.

Unterschiedlichen Schätzungen zufolge sind 25.000 bis 50.000 private Sicherheitsleute im Zweistromland tätig. Damit stellen sie nach der US-Armee den zweitgrößten Wachkörper im Land. Mehr als 40 dieser Unternehmen sind in der "Private Security Company Association of Iraq" (PSCAI) zusammengeschlossen, die eng mit den US-Besatzern zusammenarbeitet und für ihre Mitglieder unter anderem eine strafrechtliche Immunität nach dem Vorbild der US-Armee ausgehandelt hat.

Der Markt wird von US-amerikanischen und britischen Sicherheitsunternehmen dominiert, irakische Firmen haben wegen schlecht ausgebildeter Mitarbeiter, mangelnder Ausrüstung und fehlender Kontakte zur US-Armee einen großen Wettbewerbsnachteil. Viele Mitarbeiter der Sicherheitsfirmen sind Ex-Soldaten, die oft fürstlich entlohnt werden. Frühere Angehörige der britischen Spezialmilitäreinheit SAS sollen mit Monatseinkommen bis zu 20.000 Euro geködert worden sein, andere gut ausgebildete westliche Ex-Soldaten verdienen 600 bis 1.200 Dollar täglich. Begehrt sind auch nepalesische Gurkhas sowie Soldaten und Spezialpolizisten aus Chile, Südafrika oder den Philippinen, die ihr Handwerk in Diktaturen gelernt haben und nicht so teuer sind wie westliche Kräfte.

Hohes Einkommen hat seinen Preis
Das hohe Einkommen hat natürlich auch ihren Preis. Mehr als 200 Mitarbeiter von privaten Sicherheitsfirmen sind seit Beginn des Irak-Krieges im Jahr 2003 getötet worden. Kritiker behaupten, die US-Armee würde durch den Einsatz von privaten Mitarbeitern ihre Totenstatistik schönen. Tatsächlich wurde der frühere US-Zivilverwalter Paul Bremer und die gesamte "Grüne Zone" in Bagdad von privaten Sicherheitsleuten geschützt, ebenso wie ein NATO-Trainingslager am Rand von Bagdad. Selbst die Ausbildung tausender irakischer Polizisten durch ihre westlichen Kollegen wurde an eine Privatfirma "ausgelagert".

"Wir sind nicht einfach eine 'private Sicherheitsfirma'", heißt es auf der Homepage eines der größten dieser Unternehmen, der US-Firma Blackwater. "Wir sind eine professionelle Firma für militärische, polizeiliche, friedenserhaltende und stabilisierende Operationen, die schlüsselfertige Lösungen anbietet." Gegründet wurde die Firma im Jahr 1997 von einem früheren Spezialsoldaten der US-Navy. "Er hat Blackwater gegründet im Glauben, dass sowohl Militär als auch Polizei zusätzliche Kapazitäten brauchen, um unsere tapferen uniformierten und nicht-uniformierten Männer und Frauen auf die Standards hin zu trainieren, die nötig sind, damit unser Land sicher bleibt."

Immer wieder gab es Gerüchte, die Wachebeamten seien auch im Kampfeinsatz gewesen, etwa bei den Unruhen in der schiitischen Widerstandshochburg Falluja im Jahr 2004. Auch ein beträchtlicher Teil der Misshandlungen in irakischen Gefängnissen soll auf ihr Konto gegangen sein, kritisierten Menschenrechtler. Für Aufsehen sorge im Jahr 2004 ein "Trophäen-Video" der britischen Sicherheitsfirma AEGIS. Darauf war zu sehen, wie Mitarbeiter der Firma von ihrem kugelsicheren Auto heraus mit Waffen Iraker auf der Straße jagten und töteten. "Sie spielten einfach Safari", empörte sich ein Vertreter von irakischen Nicht-Regierungsorganisationen. Ein Vertreter des irakischen Innenministeriums sagte der Londoner Tageszeitung "The Telegraph" im Vorjahr, es habe schon 50 bis 60 Zwischenfälle dieser Art gegeben. "Wenn Sicherheitsfirmen Menschen töten, fahren sie einfach weg und es wird nichts gemacht. Manchmal rufen wir sie an und sie streiten alles ab. Die Familien bekommen keinerlei Entschädigung."

(apa/red)