Premiere von

"Reporter ohne Grenzen":
Peter Klien ein leibhaftiges Erlebnis

Bühnenshow des Interview-Satirikers feierte Premiere im Rabenhof

Peter Klien war da - und er hat (fast) niemandem ein Mikro unter die Nase gehalten. Im Rabenhof hat die Interview-Legende aus "Willkommen Österreich" am Mittwoch die Premiere seiner Show "Reporter ohne Grenzen" gefeiert. Der Mann, dessen Erscheinen auf der Bühne bejubelt wurde wie der Auftritt eines Superstars, ist live so wie im Fernsehen: pseudo-seriös und echt lustig.

Bisher musste man zum Beispiel Goldie Hawn, Prinz Charles, Christian Kern, Frau Lugner oder (im schlimmsten Fall) ein ahnungsloser Parteitagsbesucher sein, um in den Genuss einer Begegnung mit dem unverschämten Außenreporter Peter Klien zu kommen. Nun hat er erstmals die Highlights seines Schaffens geballt präsentiert, wobei sich das Geschehen nicht nur auf der Leinwand abspielte. Gewandet in den Dienstanzug (mit der obligatorischen roten Krawatte) fungierte der Kult-Reporter auch als Moderator und Kabarettist. Er erläuterte Hintergründe der Drehs, verriet bisher gut gehütete Geheimnisse, zeigte Postings von Fans und kommentierte das politische Geschehen.

"Wenn man sich regelmäßig mit Politik beschäftigt, verliert man irgendwann das Desinteresse daran", gestand er. Seine Feuertaufe erlebt er bei der (ersten) Bundespräsidentenwahl. Alexander Van der Bellen hat er schließlich auch zur Angelobung begleitet. Einer der höchsten Bundesheeroffiziere des Landes rief damals angesichts des frechen TV-Menschen ("Das Bundesheer steht hier bei minus ein Grad Celsius. Befinden wir uns schon im Kalten Krieg?") sogar nach der Militärpolizei.

Oft werde er gefragt, warum er diese dann aus dem Beitrag herausgeschnitten habe, erzählte Klien. Die Antwort sei simpel. Er habe das nicht getan: "Sie ist einfach nicht gekommen." Und ein weiteres Rätsel wurde gelöst, jenes nach dem Beinahe-Rauswurf. Gewalt wurde ihm bisher nur einmal angedroht - von einem äußerst betrunkenen Anhänger bei einer Veranstaltung der FPÖ, von der sich das Team dann freiwillig zurückzog. Und auch die einzige Sequenz, die laut Klien vom ORF nicht erlaubt wurde, hat mit den Blauen zu tun. Rabenhof-Besucher können die inkriminierte Passage nun sehen, in der der Interview-Anarchist von Ursula Stenzel wissen möchte, was für ihre Lebensplanung wichtiger sei: "Heim ins Reich oder reich ins Heim?"

Meist liegt es an der Überfülle an Material, dass es Interviews nicht in die Beiträge schaffen. An der Qualität liegt es nicht, wie sich zeigt, denn eine Auswahl davon ist im Stück zu sehen. Aus, wie Klien im Vorfeld berichtete, produktionstechnischen Gründen wurde auch nie über die Grüne Wiener Landesversammlung aus dem Frühsommer berichtet, wo er zugegen war. Das wird auf der Theater-Leinwand nun nachgeholt. Der Film ist quasi ein zeitgeschichtliches Dokument - nicht zuletzt wegen des Noch-Grünen Peter Pilz, der sich beklagt: "Die grauen Haare habe ich von der Natur und von meiner Partei."

Selbstverständlich kommt auch Sebastian Kurz nicht zu kurz. Der ÖVP-Chef verweigert sich dem Satire-Reporter beharrlich und eilt davon, sobald er seiner ansichtig wird. Dem kann Peter Klien aber auch positive Seiten abgewinnen: "Durch mich weiß er jetzt wenigstens, wie es sich anfühlt, ein Flüchtling zu sein."

Peter Klien bewährt sich eindeutig als Kabarettist, seine Kommentare sind mindestens so böse wie seine Fragen. Das erfreut nicht zuletzt Hardcore-Fans, die nach Neuem lechzen. Denn natürlich wird auch viel bekanntes Material dargeboten, das wahre Klien-Jünger schon in- und auswendig kennen. Das Fragen ließ der selbst ernannte "Robin Hood der Gebührenzahler" am Premierenabend übrigens weitgehend sein - lediglich zwei Personen in der ersten Reihe werden auf ihre Schlagfertigkeit getestet. So gesehen kann die Show relativ gefahrlos besucht werden. Wer noch keine Karten hat, muss sich aber ohnehin gedulden: Sie ist bis ins kommende Frühjahr ausverkauft.

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