Premier im Verteidigungsressort: Mit Darabos erstmals Zivildiener als Minister

SP-Wahlkampf-Stratege wollte lieber Innenressort 42-Jähriger erbt nun das Eurofighter-Problem

Premier im Verteidigungsressort: Mit Darabos erstmals Zivildiener als Minister

Mit Norbert Darabos (42) wird erstmals ein Zivildiener Verteidigungsminister. Der sanftmütig wirkende Burgenländer hat sich mit seinen erfolgreichen Wahlkämpfen für Bundespräsident Heinz Fischer und Neo-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer einen Namen als roter Meisterstratege geschaffen. Gedankt wird ihm dies nun nicht mit seinem Wunschjob als Innenminister, sondern mit der wenig reizvollen Aufgabe, den Eurofighter billig zu machen.

Der Burgenland-Kroate galt in seinem Heimatbundesland schon lange als große Zukunftshoffnung. Sein Meisterstück lieferte der damalige Landesgeschäftsführer, als er der SPÖ im Jahr 2000 trotz Bank-Burgenland-Skandals den Landeshauptmann-Sessel rettete - und das mit dem damals eher unbekannten und unscheinbaren Bürgermeister von Frauenkirchen, Hans Niessl, der in die Presche springen musste, weil sonst niemand mehr wollte. Darabos organisierte ihm den Wahlkampf und legte damit die Basis für stabile rote Verhältnisse im Burgenland. Heute ist die Landes-SPÖ wieder die erfolgreichste Landesorganisation der Sozialdemokraten.

Dass Darabos dann 2003 nach Wien wechselte, überraschte angesichts seines Rufs kaum. Als man ihn dann sah, war so mancher Wiener Polit-Journalist schon verblüffter. Der meist blasse Burgenländer mit der vor allem in der Anfangsphase möglichst sachlichen Argumentationslinie sollte jener Mann sein, der das rote Schiff wieder ins Kanzlergewässer führt, fragten sich nicht wenige.

Und er tat's doch. Gerade diese nach außen gezeigte Sanftmut mag dazu geführt haben, dass Darabos unterschätzt wurde. Ob den Wahlkampf für Fischer oder jenen für Gusenbauer, er zog jeweils die richtigen Fäden - einmal staatstragend, einmal polemisch, beides ging auf. Überdies schaffte es der leutselige Burgenländer auch, sich mit seiner Co-Bundesgeschäftsführerin Doris Bures zu arrangieren, eine Aufgabe, vor der andere gezittert hätten.

Darabos verstand es auch geschickt, während der letzten Jahre Kontakte zur ÖVP wieder aufzubauen, was für den Großkoalitionär in den Wochen der zähen Regierungsverhandlungen nicht von Nachteil gewesen sein dürfte. Mit der am Silvestertag verstorbenen Innenministerin Liese Prokop (V) konnte Darabos außerordentlich gut, gemeinsam verhandelte man Zivildienstverkürzung und das auch in der eigenen Partei alles andere als unumstrittene Ausländer-Paket.

Der neue Minister entstammt eher bescheidenen Verhältnissen im burgenländischen Kroatisch Minihof. Sein Vater war Anstreicher und bundesland-typisch Pendler nach Wien, ebenso die Mutter als Hilfsarbeiterin in einer Fabrik. Und da es der Bub einmal besser haben sollte, wurde er ins Privatgymnasium Marianum in die Bundeshauptstadt geschickt. Dort maturierte er mit Auszeichnung, ebenso tadellos verlief das Geschichte- und Politikwissenschaftsstudium. Die Diplomarbeit widmete er seiner Volksgruppe, deren Sprache sich Darabos übrigens erst im Erwachsenen-Alter aneignete.

Gerade einmal 23 war Darabos, als er in der Kaderschmiede der burgenländischen SPÖ, dem örtlichen Renner-Institut, zum Chef avancierte. Landeshauptmann Karl Stix, sein größter Förderer und ein väterlicher Freund, holte ihn als Büroleiter, von wo aus er zum Landesgeschäftsführer und später eben zum Bundesgeschäftsführer weiter auf der Karriere-Leiter hochkletterte.

Die eigentliche Liebe des passionierten Tischtennis- und Fußball-Spielers gilt freilich weiter dem Burgenland. Frau Irene und die beiden Kinder - Sohn Ralph und Tochter Hannah, jeweils im Teenager-Alter - leben unverändert dort. Darabos ist folgerichtig ein Pendler geblieben, schließlich muss er ja auch noch seine Aufgabe als Präsident des Fußball-Klubs Kroatisch Minihof bewältigen. Mag sein, dass es mit dem Pendeln doch irgendwann ein Ende nimmt. Denn als Darabos' Traumziel gilt der Posten des Landeshauptmanns.

(apa)