Premier League von

Ein Fuchs unter Füchsen

ÖFB-Kapitän freut sich auf "Foxes" von Leicester City und schwärmt von Coach

TRAINING DER …STERREICHISCHEN FUSSBALL-NATIONALMANNSCHAFT: FUCHS © Bild: APA/Jäger

Müde, aber erleichtert ist Christian Fuchs im Camp der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft in Stegersbach eingetroffen. In den Stunden davor hatte der ÖFB-Kapitän seinen Wechsel zum Premier-League-Club Leicester City fixiert - nun gilt die ganze Konzentration des Niederösterreichers dem EM-Qualifikationsmatch am 14. Juni in Moskau gegen Russland.

"Es war mir ein Bedürfnis, dass alles schon jetzt unter Dach und Fach ist", erklärte Fuchs und bedankte sich bei Teamchef Marcel Koller, der ihm die Erlaubnis zum London-Trip erteilt hatte.

Englischer Fußball kommt Fuchs entgegen

Nun freut sich der Linksverteidiger auf den Neubeginn in England. "Die Premier League ist eine attraktive Liga, ich wollte diese Erfahrung, dort zu spielen, einfach machen", erzählte Fuchs. Ob es sich in England um die stärkste Meisterschaft der Welt handelt, wollte der 29-Jährige nicht beurteilen. "Im internationalen Vergleich setzen sich einmal die Clubs aus dem einen oder dem anderen Land durch, das hält sich die Waage."

Die Anforderungen des englischen Fußballs würden ihm entgegenkommen, meinte Fuchs. "Es wird geradlinig, schnell und körperbetont gespielt, das liegt mir", sagte der nunmehrige Ex-Deutschland-Legionär.

Mehr Einsatzzeit bei den "Foxes"

An die vergangenen Wochen bei Schalke denkt Fuchs nicht allzu gern zurück - sein bisher letztes Pflichtspiel absolvierte er am 5. April. Zudem gab es nach Saisonschluss keine Verabschiedung. "Es ist nicht so, dass ich das brauche - aber da hat man vier Jahre seines Lebens dort verbracht, und dann gibt es nicht einmal ein Tschüss."

Im Gegensatz zur Endphase in Gelsenkirchen winkt bei Leicester deutlich mehr Einsatzzeit, schließlich setzt Coach Nigel Pearson zumeist auf eine Dreierkette. Bei Schalke und auch in seiner Anfangszeit bei Mattersburg fand sich Fuchs in einem System als linker Flügel neben drei Innenverteidigern blendend zurecht.

"Das 3-5-2 kommt mir sehr zugute, aber wir werden auch in einem 4-4-2 spielen, und da sieht mich der Trainer auch links hinten", erklärte der 66-fache Internationale (1 Tor), der mit Leicester vom 12. bis 17. Juli im Zuge eines Vorbereitungscamps in Bad Radkersburg gastiert.

Familiäre Füchse

Das Gespräch mit Pearson am Mittwoch empfand Fuchs als äußerst positiv. "Er hat mich von der Philosophie des Clubs überzeugt, geht sehr auf seine Spieler ein, ist offen und geradlinig und zählt auf die Meinung der Spieler - und er sagt ihnen auch direkt seine Meinung", lobte Fuchs seinen neuen Betreuer.

Der Verein werde sehr familiär geführt, berichtete der Teamspieler, der den Dreijahres-Vertrag quasi bei seinen Namenskollegen unterschrieb - der Spitzname von Leicester City lautet nämlich "The Foxes". "Das hat den Club-Verantwortlichen gefallen, als wir sie darauf hingewiesen haben", berichtete Fuchs.

Sein neuer Arbeitgeber schaffte dank sieben Siegen und einem Remis in den letzten acht Runden den Klassenerhalt. In der neuen Saison will man mit dem Abstiegskampf nichts zu tun haben. "In der Rückrunde hat die Mannschaft gezeigt, welche Qualität sie hat, dementsprechend groß ist das Selbstvertrauen. Als Saisonziel ist ein Platz zwischen 10 und 14 ausgegeben worden", sagte Fuchs.

Keine Rechenspiele vor Russland

Der ÖFB-Kapitän ist neben Marko Arnautovic (Stoke), Kevin Wimmer (Tottenham), Sebastian Prödl (Watford) und Andreas Weimann (Aston Villa) der fünfte Österreicher, der im Moment bei einem Premier-League-Club unter Vertrag steht. "Das ist einfach Zufall. Auf jeden Fall ist es gut für das Nationalteam, weil wir uns auf Top-Niveau messen können", sagte Fuchs.

Mit seinen ÖFB-Kollegen bestreitet Fuchs am übernächsten Sonntag in Moskau ein richtungsweisendes EM-Quali-Match. Im Falle eines Sieges wäre der Koller-Auswahl das Ticket für Frankreich 2016 wohl nicht mehr zu nehmen. "Aber wir stellen keine Rechnungen auf. Wir sind so gefestigt, dass wir uns keine Gedanken über 'was wäre wenn?' machen, sondern einfach nur auf den Platz gehen und guten Fußball spielen wollen. Wir werden gegen Russland wieder alles geben - das ist das letzte Spiel dieser Saison, da kann man sich noch einmal voll auspowern."

Viel Nachwuchsarbeit

Davor steht für Fuchs und Co. noch ein freies Wochenende auf dem Programm, das der Kapitän dazu nützt, um auf dem Wiener ASKÖ 20 Fußballplatz in der Hopsagasse ein "Meet and Greet" zu veranstalten. Dabei spielt Fuchs mit Kindern zwischen acht und zwölf Jahren Fußball und steht für Autogramm- und Foto-Wünsche zur Verfügung.

Auch in den USA will Fuchs Kinder für "Soccer" begeistern - im Juni steigt in New York sein Fußballcamp namens "Fox Soccer Academy". Im "Big Apple" lebt seine Frau Raluca mit dem gemeinsamen, fünf Monate alten Sohn Anthony sowie Fuchs' Stiefsohn Ethan.

Durch den Wechsel nach England gestaltet sich die Anreise von Frau und Kindern weniger strapaziös, als dies noch in Ruhrpott-Zeiten der Fall war. Außerdem ist es nicht ausgeschlossen, dass seiner Familie nach dem Ende des Engagements bei Leicester lange Flüge erspart bleiben: Fuchs kann sich gut vorstellen, seine Karriere in der US-Major League Soccer zu beenden.

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