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Österreich: Warum
ist alles so teuer?

Hundstorfer und Mitterlehner über Unterschiede zwischen Deutschland und Österreich

Österreich: Warum ist bei uns vieles teurer als in Deutschland? © Bild: Thinkstock

In der Vorwoche berichtete NEWS über die niedrigeren Preise bei Lebensmitteln, Kosmetika, Medikamenten, Textilien und Autos in Deutschland. Die Aufregung war groß. Jetzt fragten wir Konsumentenschutzminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP): Warum ist bei uns alles so teuer?

Lebensmittel sind in Wien um 15 Prozent teurer als in München, Drogerieprodukte - von Nivea-Creme bis Rasierklingen - gleich um 51 Prozent. Aspirin kostet in Österreich um 14 Prozent mehr als in Deutschland. Und für Eigentumswohnungen muss man in Wien gleich einmal um 770 Euro pro Quadratmeter mehr auf den Tisch legen als in Berlin. Das sind nur einige wenige Beispiele, dass das Leben in Österreich um vieles teurer ist als beim Nachbarn. Woran liegt das? NEWS wollte es genau wissen und schickte zehn konkrete Fragen an Mitterlehner und Hundstorfer.

Mitterlehner und Hundstorfer bei einer Pressekonferenz.
© APA/REGINA AIGNER/BKA Konsumentenschutzminister Rudolf Hundstorfer (re) und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (li).

Eine Dose Nivea Creme ist in einer Berliner dm-Filiale um 2,25 Euro und in einer Wiener dm-Filiale um 5,45 Euro erhältlich. Wie sind solche enormen Preisunterschiede erklärbar?

Rudolf Hundstorfer: Preisunterschiede zu anderen Ländern haben vielfältige Gründe - im Vergleich zu Deutschland ist es so, dass der österreichische Handel aufgrund geringerer Abgabemengen höhere Einkaufspreise zu zahlen hat, zusätzlich hat Österreich auch eine höhere Filialdichte - weniger Absatz pro Filiale um die Kosten zu decken bedingen höhere Preise.

Reinhold Mitterlehner: Bei vielen Preisunterschieden zu Deutschland spielen die folgenden Fakten eine entscheidende Rolle, müssen also mitberücksichtigt werden. Österreich ist ein deutlich kleinerer Markt als Deutschland und hat eine deutlich höhere Filialdichte, weshalb der Umsatz pro Filiale im Schnitt geringer ist, während aber Personalkosten oder auch andere Fixkosten wie Raum-, Energie- und Transportkosten umso stärker ins Gewicht fallen. Ebenfalls eine Rolle spielen Kaufkraft und Wohlstandsniveau. Österreich ist gemessen am Pro-Kopf-Einkommen das zweitreichste Land in der Europäischen Union und hatte von 2008 bis 2013 jeweils ein höheres Bruttoinlandsprodukt je Einwohner als Deutschland - im Jahr 2013 waren es in Österreich 33.350, in Deutschland 31.478 Euro. Bei Lebensmitteln führen auch die zurecht hohen Produktstandards sowie Qualitätsprogramme (z.B. AMA-Gütesiegel) in Österreich zu höheren Kosten.

Österreich hat höhere Steuern als Deutschland. Was unternimmt Ihr Ressort, um baldige Steuersenkungen zu ermöglichen?
Rudolf Hundstorfer: Über eine Steuerreform wird derzeit eine umfassende Debatte geführt. Dabei geht es um eine deutlich spürbare Senkung der Steuern für Arbeitnehmer. Ich stehe dabei auf dem Standpunkt, dass die Steuersenkungen so rasch wie möglich umgesetzt werden müssen.

Es gibt den Verdacht, dass eine starke Marktkonzentration in Österreich der Grund für viele Preisunterschiede ist. Was unternimmt Ihr Ministerium, um das zu untersuchen?
Rudolf Hundstorfer: Die Wettbewerbsbehörde wurde mit 1. März 2013 neu per Gesetz zur Führung eines Wettbewerbsmonitoring ermächtigt. Mit Hilfe dieses Monitorings soll die Wettbewerbsintensität bestimmter Sektoren beziehungsweise wettbewerbsrechtlich relevanter Märkte überprüft werden. Im Blickpunkt stehen dabei der Konzentrationsgrad in den Branchen, die Regulierung des Sektors und vor allem die Preisentwicklungen im internationalen Vergleich. Bei der Auswahl der Branchen tritt das Sozialministerium dafür ein, dass gerade sensible Märkte - wie etwa der Lebensmittelmarkt - untersucht werden. Und das ist auch der Fall - das kann man auch an der Berichterstattung zu den Verfahren ablesen, die gegen große Lebensmittelketten geführt werden.
Reinhold Mitterlehner: Wir werden die Wettbewerbskommission anrufen, damit sie sich die Sachlage anschaut. Wettbewerb erfordert Transparenz, weshalb u.a. die korrekte Preisauszeichnung im Sinne der Konsumenten laufend überprüft wird. So wurden allein im Vorjahr 12.500 Betriebe durch die Vollziehungsbehörden in den Ländern kontrolliert.

Die Europäische Kommission wird in den kommenden Monaten Preisunterschiede im Handel untersuchen. Wie wird sich Ihr Ministerium in diesen Prozess einbringen?
Reinhold Mitterlehner: Wir begrüßen die Ankündigung der EU-Kommission, die Märkte zu untersuchen. In Österreich beteiligen sich an solchen Prozessen im Regelfall die Statistik Austria und die Oesterreichische Nationalbank. Auch wir werden die Prüfung unterstützen und uns im Rahmen unserer Zuständigkeit inhaltlich einbringen, sobald die Fragenkataloge der EU-Kommission vorliegen.

Die ganze Geschichte finden Sie im aktuellen NEWS in Ihrem Zeitschriftenhandel oder als E-Paper-Version.

Kommentare

Sind WIR wirklich so blöd und lassen uns von diesen Typen weiterhin verars...?
Vor einem Jahr erhöhten sie die Steuern besonders auf Energie, Treibstoffe und Transporte. Wie nicht anders zu erwarten zahlen das wiederum die Endkunden (Verbraucher)...
Nun stellen sich diese Typen vor die Medien und stellen sich ratlos warum bei uns alles so teuer ist....

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Alles wischi waschi von unseren Herrn Politiker, ich war viele Jahre im Importgeschäft und weiss mit Sicherheit dass die Deutschen nicht billiger einkaufen als wir. Klar der österreichische Handel erlaubt sich die Differenz selber einsackelt. Supemaerkte In Freilassing machen mit oesterreichischen Kunden das beste Geschäft, und warum? Weil sie dort einfacher billiger einkaufen wie bei uns.

christian95 melden

Deutschland z.B. hat bei 80 Mio Einwohnern 16 Bundesländer. Einige mit doppelt so vielen Einwohnern wie ganz Österreich. In Österreich wird weiterhin JEDE politische Funktion gleich 10 fach besetzt und verwaltet! Wer braucht bei 8 Mio Einwohnern gleich 10 verschiedene Gesetzgeber? (Obwohl schon 80% der Vorschriften aus Brüssel kommen) Daher haben wir auch eine der höchsten Steuerquoten weltweit!

strizzi49 melden

Als Argument für teurere Waren die Filialdichte anzuführen, grenzt aber sehr an Dilettantismus der beiden Herren! Wieviele Filialen eine Firma hat, ist doch uns Kunden wurscht! Das hat sich nicht auf die Preise niederzuschlagen! Da gehören halt die zuvielen Filialen geschlossen! Was kann der Kunde für die fehlerhaften Kalkulationen der Firmen?

christian95 melden

Knapp 75% vom Zapfstellenpreis an der Tankstelle sind Steuern! Wenn nun Tankstellen geschlossen werden wird der Benzin billiger?

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Und Hundsdorfer will uns allen Ernstes weismachen, dass dm die Nivea-Creme in Deutschland teurer einkauft als in Österreich?

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Natürlich billiger!!!

Wo leben diese beiden Herren ? Wen interessiert der Durchschnittsanteil am Bruttoinlandsprodukt von 33.350 €, entscheidend ist was man für seine Arbeit am Ende des Monats im Lohnsackerl bzw. am Konto hat. Davon könnten die Herrn Minister nicht leben, weil sie keine Ahnung von den Kosten einer Familie haben.

galileo2

alles ein blablabla, in wirklichkeit ist es diesen zwei herren schnurz egal was wir zahlen u ob wir die höchsten steuern in europa haben, denn sie spüren das bei ihren gehältern ja nicht.

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