Preisabsprache-Verdacht bei Schokolade: Kartellamt prüft Nestle, Mars, Ritter & Kraft

Auch Fruchtgummi-Hersteller Haribo ist im Visier Geschäftsräume von sieben Unternehmen durchsucht

Preisabsprache-Verdacht bei Schokolade: Kartellamt prüft Nestle, Mars, Ritter & Kraft

Mehrere Süßwarenhersteller in Deutschland haben zu Beginn des Jahres womöglich Preiserhöhungen abgesprochen. Das deutsche Kartellamt leitete ein Verfahren wegen des Verdachts auf illegale Preisabsprachen ein, wie eine Sprecherin der Behörde in Bonn mitteilte. Das Kartellamt habe die Geschäftsräume von sieben Unternehmen durchsucht.

Betroffen waren unter anderen Milka-Hersteller Kraft Foods, Smarties-Produzent Nestle, das Familienunternehmen Ritter und der Riegel-Anbieter Mars, die alle die Untersuchung bestätigten. Weitere Hersteller erhielten laut Kartellamtssprecherin Briefe, dass Marktuntersuchungen liefen.

Gestiegene Rohstoffpreise
Die Unternehmen begründen ihre Preiserhöhungen zum Jahresbeginn mit den gestiegenen Rohstoffpreisen. Vor allem Magermilchpulver, aber auch Kakao und Öl seien im vergangenen Jahr drastisch teurer geworden, sagte eine Sprecherin von Kraft Foods in Bremen. Die Preiserhöhungen seien notwendig gewesen, um profitabel zu bleiben. Kraft Foods hob die Preise für Milka-Schokolade demnach um einen Prozentsatz "im ein- bis zweistelligen Bereich" an. Auch ein Sprecher der Alfred Ritter GmbH im baden-württembergischen Waldenbuch begründete die Preiserhöhungen der Ritter-Sport-Schokolade um ein Fünftel mit gestiegenen Rohstoffpreisen sowie einer "Qualitätsoffensive".

Nestle im schweizerischen Vevey bestätigte lediglich, dass die Geschäftsräume des Konzerns in Frankfurt durchsucht worden seien. Mars in Verden an der Aller bestätigte die Durchsuchung ebenfalls und fügte hinzu, das Unternehmen arbeite "in vollem Umfang" mit dem Kartellamt zusammen. Der Schweizer Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli erklärte, nicht betroffen zu sein. Das Unternehmen habe auch keinen Brief vom Kartellamt in Bonn erhalten. Laut "Financial Times Deutschland" wurden einzelne Gebäckhersteller von den Untersuchungen der Behörde informiert. Die Hersteller hätten nach den Preiserhöhungen der Schokoladehersteller teilweise nachgezogen.

Die Preiserhöhungen erfolgten nach den üblichen Gesprächen zwischen Herstellern und Händlern. Nach Angaben von Produzenten verliefen die Gespräche 2007 "unerbittlicher" als in den vergangenen Jahren, wie die "FTD" berichtete. Die von den Durchsuchungen betroffenen Hersteller von Markenprodukten träten dagegen oft selbstbewusst auf, weil die Händler nur schwer auf diese Produkte verzichten können. "Dass alle zur gleichen Zeit die Preise angehoben haben, hat deswegen misstrauisch gemacht", sagte ein Süßwarenhersteller der Zeitung.

Haribo ist gar nicht froh
Auch gegen den Fruchtgummi-Hersteller Haribo ein Verfahren wegen des Verdachts auf illegale Preisabsprachen eingeleitet. Der Vertriebs- und Marketingleiter von Haribo, Andreas Nickenig, sagte der Deutschen Presse-Agentur dpa, dass auch die Zentrale des Unternehmens in Bonn durchsucht worden sei. Bei Haribo habe es bisher aber keine Preiserhöhungen gegeben, es seien im Jänner nur leichte Anhebungen bis maximal 3,5 Prozent zum 1. Mai diesen Jahres angekündigt worden. Von "illegalen Preisabsprachen" bei Haribo könne keine Rede sein. "Wir handeln komplett eigenständig".

Sollte sich der Verdacht auf Preisabsprachen bestätigten, drohen den betroffenen Firmen laut der Kartellamtssprecherin hohe Strafen. Die Strafe richte sich nach Schwere und Dauer des Verstoßes und betrage maximal zehn Prozent des Jahreskonzernumsatzes. Zusätzlich kann das Kartellamt laut "FTD" noch den sogenannten wirtschaftlichen Vorteil abschöpfen, den ein Unternehmen durch seine Kartellverstöße erlangt hat. Schlimmer noch als die Strafen beurteilten Branchenvertreter aber die drohenden Imageeinbußen. "Ist eine Marke in ein Kartellverfahren verwickelt, kann ihr das beim Absatz erheblich schaden", sagte einer der betroffenen Hersteller der "FTD".

(APA/red)