Preis für "virtuelles Wasser": Tasse Kaffee kostet 140 Liter Wasser

Forscher bei Weltwasserwoche ausgezeichnet

Preis für "virtuelles Wasser": Tasse Kaffee kostet 140 Liter Wasser © Bild: Uwe Steinbrich

John Anthony Allan nimmt die eigene Erfindung ernst. "Fleischesser verbrauchen extrem viel mehr Wasser als Vegetarier. Also esse ich inzwischen auch nur noch Grünes", sagte der Professor aus London am Donnerstag der Zeitung "Dagens Nyheter" bei der Weltwasserwoche in Schwedens Hauptstadt.

Allan hat das Konzept des "virtuellen Wassers" entwickelt, mit dem sich umfassend der Verbrauch der weltweit knappen Ressource für alle nur erdenklichen Verbrauchsgüter errechnen lässt. Die Weltwasserwoche zeichnete ihn dafür mit dem Wasserpreis aus, zu deren Überreichung sich am Donnerstag Kronprinzessin Victoria angesagt hatte.

Akuter Wassermangel
Anfang der 90er Jahre stieß dem Wissenschafter vom King's College auf, dass bei der Debatte über zu hohen Wasserverbrauch immer nur Toilettenspülungen, das tägliche Duschen und der Verbrauch der Waschmaschine gemessen wurden. Der deutsche Bürger kommt damit auf täglich gut 120 Liter. Allan betrachtete das Problem mit Blick auf immer akuteren Wassermangel in so verschiedenen Regionen wie dem Nahen Osten oder Teilen Kaliforniens aber viel umfassender: "Die Produktion von Lebensmitteln steht für 80 bis 90 Prozent des Wasserverbrauchs."

Also ermittelte er, wie viel Wasser etwa in die Produktion von Kaffeebohnen vom Setzen der Pflanze bis zum Endverbraucher geht. Die dabei ausgerechneten 140 Liter pro Tasse klingen hoch, nehmen sich aber im Vergleich zur Fleischproduktion geradezu minimal aus. 2 400 Liter "virtuelles" Wasser kostet die Herstellung eines Hamburgers und 16 000 Liter ein Kilogramm Rindfleisch. Weil dagegen für ein Kilogramm Kartoffeln oder Mais nur je 900 Liter und für einen Apfel nur 90 Liter Wasser eingesetzt werden müssen, ist auch Allan zum Vegetarier geworden.

Nicht gerade pessimistisch
Wie gewaltig der "virtuelle" Wasserverbrauch in reichen westlichen Ländern im Vergleich zu den meist genannten etwa 100 Litern pro Tag aus den eigenen Wasserhähnen ausfällt, hat "Dagens Nyheter" ausgerechnet: Jeder Schwede verbraucht demnach täglich 6.000 Liter oder 74 gefüllte Badewannen Wasser.

Trotz solch überwältigender Zahlen und der weltweit ständig wachsende Nachfrage nach Lebensmitteln äußerte sich Allan in Stockholm alles andere als pessimistisch. Global agierende Konzerne wie Coca-Cola oder Nestle würden ebenso selbstkritisch ihren "virtuellen" Wasserverbrauch analysieren wie Handelsketten. Keine Nebensache angesichts der Tatsache, dass allein im Zucker einer kleinen Dose mit Sprudel der Verbrauch von 200 Liter Wasser steckt.

ausmerksam machen auf Verschwendung
Er erwarte, dass in absehbarer Zeit auf den Waren der Supermärkte auch der tatsächliche Wasserverbrauch zur Herstellung angegeben werde: "Genau so wichtig wie das Verhalten der Industrie ist die Aufmerksamkeit der Verbraucher gegenüber der Verschwendung von Wasser." Der Stockholmer Wasserpreis ist mit 150.000 Dollar (101.805 Euro) dotiert.

Quelle: Redaktion/ APA