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Winke, winke, Präsident!

Welcher Präsidentschaftskandidat kann Österreich im Ausland am besten vertreten?

Fakten - Winke, winke, Präsident!
© Bild: Meridee Stein/News

Auch Routiniers passieren manchmal Pannen: Als Irmgard Griss letzten August von einer Dienstreise aus Abu Dhabi nach Wien zurückreiste, verpasste sie ihr Flugzeug um fast 24 Stunden. Der Flieger, der kurz nach Mitternacht abhob, und der Wagen, der sie vor Mitternacht zum Flughafen brachte, waren beide pünktlich - aber irrtümlich für denselben Tag gebucht. Der Flieger war also längst weg, und just, als sich Griss einen anderen Flug buchen wollte, streikte ihre Kreditkarte. "Es war pures Glück, dass ich ausnahmsweise genug Bargeld dabeihatte, um ein neues Ticket zu bezahlen", erzählt sie. Immerhin: Im Improvisieren auf Reisen hat sich die politische Quereinsteigerin im Präsidentschaftswahlkampf bewährt.

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Für Hofburg-Aspiranten ist das kein unwesentliches Kriterium. "Der Bundespräsident vertritt die Republik nach außen", sagt die Verfassung in Artikel 65, Absatz 1. Er oder sie muss also kulturell versiert, diplomatisch bewandert und, nun ja, herzeigbar sein. Schließlich gilt es, hohen Besuch aus dem Ausland zu empfangen und Österreich in aller Welt zu repräsentieren. Und das klingt einfacher, als es ist.

Wen treffen, wie begrüßen, worüber reden? Eine Präsidentenreise folgt strengen protokollarischen Regeln. "Der Staatsbesuch ist die Antwort auf die Frage, wie Staaten untereinander höflich kommunizieren", sagt Meinhard Rauchensteiner: "Wie überall im Leben ist es auch bei Staatsbesuchen von Vorteil, wenn man möglichst viel darüber weiß." Rauchensteiner arbeitet seit sechzehn Jahren in der Präsidentschaftskanzlei, wo die Erfahrung in protokollarischen Fragen gehortet ist. "Die Macht eines Präsidenten definiert sich vor allem über sein Standing innerhalb der politischen Landschaft", sagt der Mann, der sowohl Thomas Klestil als auch Heinz Fischer auf zahlreichen Auslandsbesuchen begleitet hat. "Für den internationalen Auftritt ist es deshalb von großem Wert, wenn der Bundespräsident schon frühzeitig zum Establishment gehört hat." Nur dann nämlich besteht die Möglichkeit, dass er Präsidenten, Minister oder Bürgermeister von Weltstädten bereits gekannt hat, als sie noch kleine Abgeordnete oder Parteisekretäre waren. Dann kann er mit ihnen nicht nur offiziös, sondern vertraut kommunizieren.

Besonders viele Kontakte im Ausland konnte Andreas Khol knüpfen. Als ÖVP-Parlamentarier war er auch in einem Zusammenschluss von konservativen Parteien aktiv. Die Funktion brachte ihn in europäische Länder, nach Kanada, in die USA oder nach Australien. Später, als er Nationalratspräsident wurde, reiste er in weitere 26 Staaten, darunter Chile, China, Kuwait, Saudi-Arabien oder Syrien.

Die meisten Dienstreisen führten Andreas Khol nach Italien, und er besuchte so oft wie kein anderer Kandidat den Vatikan. 2005 war er bei der Inauguration von Papst Benedikt XVI. dabei, ein Jahr später sogar zur Audienz bei ihm geladen. Doch egal, ob geistlich oder weltlich, eines haben alle Dienstreisen Khols gemeinsam: "Sofort nach der Landung informiere ich meine Frau, dass ich gut angekommen bin."

Kürzeste Dienstreise: Wien

Auch Rudolf Hundstorfer kam als Sozialminister der SPÖ viel herum. Seit 2008 reiste er in 26 verschiedene Länder. Protokollarische Erfahrung sammelte er, als er den Bundespräsidenten nach Aserbaidschan und Kasachstan, nach Portugal und Frankreich begleitete. Am häufigsten ging es nach Brüssel, gefolgt von Luxemburg, wo sich die EU-Sozialminister regelmäßig zum Ministerrat treffen. Hundstorfer ist stolz darauf, der erste Sozialminister Österreichs zu sein, der zum Arbeitsbesuch nach China eingeladen wurde.

Besonderen Eindruck hinterließ ein bilateraler Besuch in Israel 2014: "Dort durfte ich mit Holocaust-Opfern sprechen." Die wohl kurioseste Dienstreise führte den Wiener im Juli 2010 nach: Wien. Für eine Sitzung im Bundesrat unterbrach Hundstorfer damals seinen Urlaub in Holland.

Bei Irmgard Griss prägte sich ein Dienstreisenerlebnis im Vereinigten Königreich ein. Sie war als Präsidentin des Obersten Patent-und Markensenats geladen, als Queen Elizabeth II. im Jahr 2009 den Supreme Court in London eröffnete. Schüler verhandelten einen ethisch komplexen Fall, und Griss durfte der Queen die Hand schütteln: "Sie trug einen ganz dünnen Lederhandschuh", erinnert sich Griss. Insgesamt 23 Länder bereiste sie als Präsidentin des Obersten Gerichtshofes und traf dabei distinguierte Staatsoberhäupter. Ein Jahr nach der Queen empfing sie der spanische Kronprinz, der heute König Felipe VI. ist.

Nur einer hat Afrika-Erfahrung

Alexander Van der Bellen besuchte insgesamt 19 Länder in offizieller Mission, die meisten als grüner Nationalratsabgeordneter im Rahmen von Parlamentsdelegationen. Die Reisen führten ihn auch in ferne Länder wie Japan, Jordanien oder Äthiopien. 2008 begleitete er Bundespräsident Fischer bei einem Besuch ins westafrikanische Mali. "In Bamako haben wir ein Spital besucht, nicht viel größer als ein Einfamilienhaus. Dort wurden Kinder mit sogenannten ,Klumpfüßen' von österreichischen Ärzten operiert. Ein positives Beispiel für österreichische Hilfe vor Ort", sagt er. Van der Bellen ist der einzige der Kandidaten, der bereits dienstlich in Afrika war.

Am wenigsten Auslandserfahrung hat der FPÖ-Kandidat Norbert Hofer. Israel, Prag, Südtirol und die USA hat er in offizieller Mission als Dritter Nationalratspräsident besucht. In Washington war er Gast beim "International Prayer Breakfast", wo traditionell der amerikanische Präsident referiert. Als Hofer im Jahr 2015 dort war, hörte er nicht nur Barack Obama, sondern auch den Dalai Lama, der als Ehrengast geladen war: "Das ist mir in besonderer Erinnerung geblieben."

Grafik mit Fischer, der winkt
© News/Merridee Stein

Heinz Fischer hat in seinen beiden Amtszeiten als Bundespräsident übrigens 75 Länder besucht, also mehr als Hundstorfer, Griss, Van der Bellen und Hofer gemeinsam. Wer auch immer ihm in der Hofburg nachfolgt, wird im neuen Amt jedenfalls deutlich mehr reisen müssen als bisher. Manches wird aber auch einfacher für ihn oder sie werden: Um verpasste Flieger und Probleme mit Kreditkarten kümmert sich dann jemand anderer.

Pflichtlektüre für Hofburganwärter, unterhaltsam für Zuschauer: Meinhard Rauchensteiner verfasste eine Choreografie für Präsidentenreisen. Das kleine ABC des Staatsbesuches, Czernin Verlag, 2011, € 16,80

Aus dem "News" Nr. 10/2016 vom 12.03.2016

Kommentare


Was diese Kandidaten alles können:
Khol war so oft wie kein anderer im Vatikan. Wenn ihn das nicht als BP prädestiniert. Dort wird Weltpolitik gemacht. Ohne Zustimmung des Vatikans bzw. des Papstes steht die EU, der Dollar fällt und Putin kann gehen.
So einen Holler wagt man Lesern nur selten vorzuwerfen.
Ich war noch nie im Vatikan. Deswegen kandidiere ich erst gar nicht.



Hundstorfer - durfte(!?) - mit Holocaust Opfern sprechen. Da waren sicher Wiener darunter, sonst hätte das wohl nicht funktioniert.
Ich habe schon mit viel mehr als H.+ das viele Tage und Woochen mit solchen Menschen gesprochen+deren Erlebnisse festgehalten. Bin ich deswegen als BP geeignet.


Dass Griss keine politische Erfahrung hat, aber der Queen die Hand schütteln durfte(!?), Hundstorfer keine Fremdsprache beherrscht+keine ausreichende Bildung besitzt+V.d. Bellen kaum einige Sätze zusammenhängend herausbringt+alle anderen "niederraucht", wird verschwiegen.
Weiß das die Journalistin nicht.


Dieser Beitrag zeigt die Abhängigkeit der Journalisten deutlich. Über Lugner - darf? - nicht berichtet werden. Jedenfalls wird er, obwohl Kanditat, nicht bewertet. Warum?
Seine Chancen BP zu werden, sind wohl kaum geringer als die von Khol oder Griss. Was nicht bedeutet, dass diese beiden nicht mehr Stimmen bekommen könnten. (Nur f.d. Fall, dass jemand den letzten Satz falsch verstanden hat.)


Wieder ein alter Dauerschwätzer und Geldverschleuderer ??? Sinnloses Amt . Fischer war schon eine Katastrophe!!!

Am ehesten noch der Van der Bellen.

Noch mehr könnte man mit der Reduzierung der nationalratssitze einsparen. Von 183 auf 100 !! Bringt 16 -20 Mio./a. Wir brauchen nicht so viele stotternde bzw. sich langweilende Hinterbänkler als Versorgungsmandatler.

parteilos melden

Oder mehr Macht, alles andere ist doch Quatsch.

neusiedlersee melden


Das ist eine gute Idee.
Konkret: Ein Staatspräsident der die Regierungsmitglieder auswählt und die Außenpolitik bestimmt.

Schafft das Amt ab!! Spart sehr viel Geld☺

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