Präsidentenwahl in Ägypten von

Mursi gewinnt Stichwahl

Jubel auf dem Tahrir-Platz: Er erhielt in der Stichwahl 51,7 Prozent der Stimmen.

Präsidentenwahl in Ägypten - Mursi gewinnt Stichwahl © Bild: Getty Images/AFP

In Ägypten ist Mohammed Mursi von der islamistischen Muslimbruderschaft zum neuen Staatspräsidenten gewählt worden. Wie die Wahlkommission in Kairo mitteilte, ging Mursi aus der Stichwahl vom vergangenen Wochenende (16./17. Juni) gegen Ahmed Shafik, früher Premier unter dem im Vorjahr gestürzten Langzeit-Präsidenten Hosni Mubarak, als Sieger hervor. Es war die erste Präsidentenwahl in Ägypten seit dem Sturz Mubaraks im Februar 2011.

Mursi erhielt laut Wahlkommission in der Stichwahl 51,7 Prozent der Stimmen. Shafik zog demnach mit knapp 48,3 Prozent den Kürzeren. Die Wahlbeteiligung lag den Angaben zufolge bei 51 Prozent.

Die Wahlbeteiligung lag den Angaben zufolge bei 51 Prozent. Bereits im ersten Wahlgang hatte Mursi mit 24,7 Prozent der Stimmen vor Shafik (23,6 Prozent) gelegen. Eigentlich sollte das Ergebnis der Stichwahl bereits am Donnerstag verkündet werden, die Wahlkommission verschob die Bekanntgabe aber wegen vieler Beschwerden über den Wahlverlauf.

Beide Kandidaten beanspruchten nach Stichwahl Sieg für sich
Nach der Stichwahl beanspruchten beide Kandidaten den Sieg für sich. Die Muslimbrüder drohten dem seit Mubaraks Sturz regierenden Militärrat mit einer "Konfrontation mit dem Volk", sollte Mursi nicht als Sieger anerkannt werden.

Sicherheitsvorkehrungen massiv verstärkt
Die Sicherheitsvorkehrungen in Kairo wurden vor der Bekanntgabe des Ergebnisses massiv verstärkt. In der ägyptischen Hauptstadt waren Polizei und Armee mit einem Großaufgebot auf Straßen und Plätzen unterwegs. Hubschrauber überflogen das Stadtzentrum.

Jubel auf dem Tahrir-Platz
Tausende Anhänger der Kandidaten versammelten sich zu Kundgebungen. Mursis Unterstützer demonstrierten auf dem symbolträchtigen Tahrir-Platz, dem Zentrum der Proteste gegen Mubarak. Dort löste die Bekanntgabe des Ergebnisses spontane Jubelfeiern aus. Es ist das erste Mal in der Geschichte Ägyptens, dass ein Vertreter des Islamismus Staatsoberhaupt wird.

Ende der Dominanz der Streitkräfte?
Mit der ersten freien Wahl eines Präsidenten in Ägypten sollte auch das Ende der seit sechs Jahrzehnten bestehenden Dominanz der Streitkräfte eingeläutet werden. Doch jüngst beschnitt der seit dem Rückzug Mubaraks im Februar 2011 herrschende Oberste Militärrat die Befugnisse des Amtes und ließ das von islamistischen Parteien dominierte Parlament auflösen. Mehr als ein Jahr nach dem Sturz Mubaraks ist damit das künftige Machtgefüge unklar. Das Militär hatte nach dem Sturz Mubaraks wiederholt versichert, die Macht an Zivilisten abzutreten.

Kommentare

Eine Militärführung ist sicher nicht immer die schlechteste Lösung Dafür gibt es genügend Beispiele auf der Welt. Und wenn ich mir jetzt ansehe was sich in Ägypten anbahnt würde ich mir wünschen dass das Militär dieses Land regiert.
In der Türkei ist es nicht viel anders - Erdogan hat den Einfluß der Generäle zurück gedrängt. Und damit werden die Wege für den nächsten islamischen Gottesstaat frei gemacht.
Der Einfluß der Religion auf die Politik ist hundertmal schlimmer als der Einfluß des Militärs!
Auch Griechenland kann heute nur mehr träumen von der Zeit, als das Militär das Sagen hatte.

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