Präsidentengattin mit eingenem Programm:
Ljudmila Putina besuchte Nationalbibliothek

Russische First Lady auf einen Kaffee im Demel

Präsidentengattin mit eingenem Programm:
Ljudmila Putina besuchte Nationalbibliothek

Eine besonders interessierte Besucherin hatte die Österreichische Nationalbibliothek. Die Frau des russischen Präsidenten Wladimir Putin, Ljudmila Putina, besichtigte im Rahmen des Wien-Besuchs den Prunksaal in Österreichs wichtigster wissenschaftlicher Bibliothek. Expertin sei sie keine, wie die 50-Jährige im Gespräch mit der Generaldirektorin der Österreichischen Nationalbibliothek, Johanna Rachinger, betonte. "Nur neugierig", schmunzelte sie.

Ihr Interesse bekundete die zweifache Mutter mit Kommentaren und vielen Fragen, die sie auf Deutsch stellte. Mit perfekter Aussprache lobte die russische First Lady einen dicken Wälzer als "schönes Buch". Bei den Erklärungen der Experten verzichtete Ljudmila Putina ebenfalls auf die Dienste ihrer Dolmetscher. Eine kleine Hilfe benötigte die Präsidenten-Gattin allerdings beim Eintrag ins Gästebuch: Sie hatte offensichtlich das Datum vergessen und fragte bei Rachinger nach. Nach dem Besuch stand eine Kaffeepause in der Konditorei Demel auf dem Programm.

Begonnen hatte die gemeinsame Tour mit der Frau des österreichischen Bundespräsidenten, Margit Fischer, mit einer kleinen Verspätung gegen 14.00 Uhr. Die russische First Lady erschien im beigen Kostüm mit dunkelroten Ornamenten, passender Handtasche und Schuhen und wurde zum Wiener Josefsplatz von einem etwa 20-köpfigen Tross begleitet. Nach der Begrüßung durch die Direktorin bewunderten die beiden Frauen einen "Atlas Russikus" aus dem 18. Jahrhundert, einen Kupferstichstadtplan von St. Petersburg aus dem Jahr 1753 sowie eine Serie von Handschriften.

Es sei Ljudmila Putinas ausdrücklicher Wunsch gewesen, die Nationalbibliothek zu besuchen, so Ruth Gotthardt, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit der Nationalbibliothek. Putina, die sowohl ein Studium in Französisch als auch in Spanisch abgeschlossen hat, dürfte ein Faible für Bibliotheken haben. Sie habe erst kürzlich eine Bibliothek in Granada besucht, verriet sie bei der Führung. In Wien zeigte sich die Frau des russischen Präsidenten äußerst interessiert an den wertvollen Exponaten, die sonst in den Archiven aufbewahrt und lediglich für besondere Gelegenheiten entstaubt werden.

Nach einem halbstündigen Besuch schlenderte Ljudmila Putina gemeinsam mit Margit Fischer ohne großes Sicherheitsaufgebot zur Konditorei Demel am Kohlmarkt. Begleitet wurde die beiden Damen dabei vom Blitzlichtgewitter neugieriger Passanten.

Als zentrale wissenschaftliche Bibliothek der Republik Österreich blickt die Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB) auf eine traditionsreiche Geschichte bis ins 14. Jahrhundert zurück. Der Prunksaal der Nationalbibliothek in der Wiener Hofburg mit seiner 30 Meter hohen Kuppel entstand zwischen 1723 und 1726 auf Veranlassung von Kaiser Karl VI. Geplant haben ihn der Hofarchitekt Johann Bernhard Fischer von Erlach von dessen Sohn Joseph Emanuel. Der Raum ist von Marmorstandbildern und -säulen geprägt, sowie von offenen, hohen Bücherschränken aus Nussholz mit rund 200.000 Bänden samt Leitern, um diese zu erreichen. Die Deckenfresken in dem großen Saal stammen von Hofmaler Daniel Gran. (apa)