Präsident des deutschen Zentralrats der Juden tot: Paul Spiegel 68-jährig gestorben

Spiegel erlitt im Februar Herzinfakt - seither im Koma Übernahm Amt 2000 von Ignatz Bubis

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, ist tot. Er starb am frühen Sonntagmorgen nach langer, schwerer Krankheit in Düsseldorf, wie der Generalsekretär des Zentralrats, Stephan Kramer, mitteilte. Spiegel wurde 68 Jahre alt. Er hatte das Amt des Präsidenten des Zentralrats nach dem Tod von Ignatz Bubis übernommen, der im August 1999 gestorben war. Spiegel war im Jänner 2000 an die Spitze der Dachorganisation der jüdischen Gemeinden in Deutschland gewählt worden.

Die Beerdigung soll nach Kramers Angaben in den kommenden Tagen stattfinden. Gegen Ende der Woche sei außerdem eine Trauerfeier in Düsseldorf geplant. Die Aufgaben Spiegels werden von seinen Stellvertretern Charlotte Knobloch und Salomon Korn übernommen, die dies bereits während seiner Krankheit getan hatten.

Spiegel hatte Anfang Februar einen Herzinfarkt erlitten und sich zudem eine Lungenentzündung zugezogen. Die Ärzte hatten ihn darauf in ein künstliches Koma versetzt. Mitte April hatte es zunächst geheißen, Spiegel sei wieder auf dem Weg der Besserung. Kramer sagte, sein Tod sei sehr überraschend gekommen. Allerdings habe es in der vergangenen Woche neue Komplikationen gegeben, es seien neue Infektionen aufgetreten.

Spiegel wurde am 31. Dezember 1937 in Warendorf im Münsterland geboren und floh mit seiner Familie 1939 vor dem Naziterror nach Belgien. Sein Vater überlebte die Konzentrationslager Buchenwald, Auschwitz und Dachau. Spiegel arbeitete als Journalist und engagierte sich seit den 60er Jahren in den Jüdischen Gemeinden in Deutschland. (apa/red)